Klischeetransen oder Politik?


Wenn man nicht gerade als Polittranse wie :Gloria Viagra: oder so durch die Gegend stöckelt, dann gerät man ab und an in eine Vorurteilsfalle, dass man politisch nicht gerade zu den hellsten zählt.

Manche mögen denken, die sind „plump und wollen nur gut aussehen“, andere mögen denken, „Das Ziel des CSD ist denen völlig schnuppe“ – manchmal leider erfüllt man die gängigsten Vorurteile dann auch noch alllzulieb.

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Gehen wir mal, nur hypothetisch natürlich, davon aus dass eine arme NDR Aussenreporterin mit ihrem abgstellten Kameramann irgendwo in Hamburg an der CSD Strecke in der Sonne steht und als Aufgabe bekommen hat, ein paar Stimmen zum CSD einzufangen – und doch bitte möglichst ein paar schrille Personen ins Abendprogramm zu bringen.

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Gehen wir mal weiter hypothetisch davon aus, dass dieser Aussenreporterin vom NDR bisher von den Fussgruppen am Anfang der Parade nicht wirklich begeistert war und nun vier großartig gedresste, großgewachsene Transen auf sich zukommen sieht.

„Perfekt, hoffentlich haben die jetzt noch was zu sagen!“

wird sie denken, und ihren Kameramann anhalten, dass er die unbedingt im Bild haben muss, da sie damit endlich einmal klasse Interviewobjekte hat.Schauen wir jetzt mal ebenso auf die andere Seite.

Da laufen vier großartig gedresste, großgewachsene Transen durch Hamburg, nicht gerade gelangweilt aber doch schon soweit, dass das fünftausendsechshundertdreiundsiebzigste Foto an diesem Tag doch nichts wirklich spanndendes ist. Nun sehen diese drei Superheldinnen und ihre orengefarbene Begleitung eine NDR Aussenreporterin auf sie zuhalten.

„Wow, Fernsehen, jetzt bitte lächeln und gutaussehen!“

mögen diese vier Mädels denken und sich mal eben anhören, mit welchen Komplimenten diese NDR-Aussenreporterin denn so aufwarten kann.

Dieser Unterschied der Erwartungshaltung kann dann solchen Interviews einen Strich durch die Rechnung machen. Daher jetzt ein natürlich vollkommen fiktives Interview einer armen NDR Aussenreporterin mit ebenso armen Transen.

NDR (Aussenreporterin): Hallo Ihr, darf ich Euch mal etwas fragen?
DVT (die vier Transen): Natürlich, sehr gerne!
NDR: Warum seid Ihr heute auf den CSD gekommen.
DVT Nr 1: Um gut auszusehen.
DVT Nr 2: ja und um zu feiern!

NDR: (möglichst schnell das Thema wechselnd) Was haltet Ihr vom diesjährigen Motto auf dem CSD
DVT Nr 2: Ach das habe ich noch garnicht mitbekommen.

NDR: (nocheinmal schnell das Thema wechselnd) Was haltet Ihr davon, dass Ole von Beust nicht auf dem CSD ist?
DVT Nr 1: Ähm wir kommen aus Berlin und Wowi ist immer dabei

NDR: vielen Dank !!!

Abspann: Kopfschütteln auf allen Seiten.

Dieses Interview ist natürlich rein fiktiv und würde so niemals stattfinden… oder doch?

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Nun ich gebe zu, wir haben in diesen Momenten wirklich jedes dumpfe Klischee bedient und und wirklich nicht mit Ruhm bekleckert, obwohl man am liebsten wirkliche Inhalte von uns gesehen und gehört hätte. Schade eigentlich.

Gerade im Hinblick darauf, dass die Bild Hamburg nach dem letzten CSD die politische veranstaltung in Frage gestellt hat und laut gefordert hat, dass der CSD als kommerzielle Veranstaltung jegliche Kosten, die aufkommen, Strassensperren, Polizei, Müllentsorgung zu tragen hätte.

Die Welt (ebenfalls Springer) titelte einige Tage vorher: Kommerz statt politischer Veranstaltung

Dazu gibt es nette Kommentare in den Medien, wie beispielsweise von Bettina Böttinger

Frau Böttinger, was ist besser: der Christopher Street Day oder der Kölner Karneval?

Karneval ist unpolitisch, da kann ich mich gehen lassen. Dagegen ist der Christopher Street Day, der CSD, mehr als der Kampf um die schönste Tuntenverkleidung. Mir persönlich gehen die Teilnehmer auf die Nerven, denen es nur auf das schrillste Kostüm und den Spaß ankommt. Es ist ein Zug des Selbstbewusstseins von Lesben und Schwulen.

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Um zumindest im Nachhinein etwas sinnvolles gesagt zu haben, lest hier mein Statement:

Solange ich solche Meinungen in der Presse lese,

solange irgendwo noch Schwule Angst haben, sich zu outen oder solange noch irgendwo eine Transe zu Hause mit Angst zu Hause rumsitzt und sich nicht traut aus sich herauszukommen, weil sie Angst haben, was die Nachbarn, die Familie oder Arbeitskollegen denken,

solange es noch immer Personen gibt, die einen Beleidigen oder die vor einem ausspucken, oder gar tätlich werden,

solange ich Emails bekomme und sehe, dass alleine die öffentliche Präsenz anderen Personen hilft, aus sich herauszukommen und ihre Angst zu überwinden,

solange in anderen Ländern Homosexualität noch mit der Todesstrafe belohnt wird,

solange in anderen Ländern CSDs unter bedenkenswertem Polizei“schutz“ stattfinden müssen,

solange in wiederum anderen Ländern diese CSDs ganz verboten werden,

solange ist und bleibt der CSD eine politische Veranstaltung.

Für mich ist wichtig, dabei zu sein,
Flagge zu zeigen,
zu zeigen, dass es uns gibt,
zu zeigen, dass wir viele sind,
zu zeigen, dass wir nicht beissen,
zu zeigen, dass wir keine perversen sind und
zu zeigen, dass wir in der Gesellschaft angekommen sind.

Das sollte man ruhig fröhlich feiern und zelebrieren dürfen – und eben gut aussehen 😉
Opferrolle? Nein danke!

Hugh ich habe geprochen.

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Btw. was Frau Böttinger angeht:
Schrille Kostüme und Spaß schliessen Selbstbewußtsein nicht aus, sondern sind ein Zeichen davon.

und zum Schluss, bevor ich wieder unpolitisch werde, noch einen Hinweis zum Motto:
Homo Reform 07 Endlich Gleichstellung

Ein schönes Motto, aber irgendwer hat in diesem Slogan die Transgender vergessen. Mir nicht-schwuler Transe bringt dieser Slogan persönlich nichts und daher kann ich ihn zwar unterstützen, ich selber bin aber aus o.g. Gründen auf der Strasse.


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4 Gedanken zu “Klischeetransen oder Politik?

  1. Dein Statement ist absolute klasse!
    Könnte so gut wie jeden Satz wiederholen, stimme dir absolut zu.
    Der CSD hat mich ehrlich gesagt noch nie so richtig begeistert, da ich ihn als eine Art Karnevalsveranstaltung gesehen hab (und Karneval haut mich nun nicht vom Hocker), aber nach deinen Worten sollte ich mal einen besuchen, denn… siehe Zoe’s Statement 😉

  2. Pingback: Jessica » Interview mit einer Transe - Zoe Delay II

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