Dykes vs. Drag Queens

Baseball ist wohl DIE amerikanische Sportart schlechthin. Ausser in Amerika hat noch nie ein Mensch herausgefunden, was an dieser Sportart interessant sein soll, aber eben dort ist es eine Religion und ein Ereignis, zu einem Baseballspiel zu gehen und sich dieses anzuschauen.

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Neben Baseball gibt es aber auch noch eine Variante des Spiels, die sich Softball nennt und vermutlich in etwa so angesehen ist wie Frauenfussball bei Hooligans… Trotzdem wird Softball gespielt und zwar ebenso wie Frauenfussball in der Regel von Frauen. Doch auch dieser Sport kann spannend sein, wenn er von den richtigen Teams gespielt wird.

dykes3So geschehen vor etwa einem Monat als sich im Dykes Vs. Drag Queens Bat-N-Rouge Softball Game ziemlich männliche Frauen und ziemlich weibliche Männer gegenüberstanden um herauszufinden, wer besser im Softball ist.

Da stand tatsächlich ein Engel in High Heels mit Victoria Secret Tasche im Outfield. Zumindest scheint das eine sehr trashige und sehr witzige Angelegenheit gewesen zu sein, die am ende von den Dyke Lesben 33:29 gewonnen wurde. Haben nun also die Männer gewonnen oder die Frauen? Egal, denn es war für einen guten Zweck. So konnten beispielsweise Runs gegen 100 $ gekauft werden, die dem GLBT Capitol Hill Alano Club zugute kamen. Witzige Geschichte das Ganze.

Ole von Beust ist Schirmherr des CSD

Na schau einmal. Ole von Beust hat dieses Jahr tatsächlich die Schirmherrschaft des CSD Hamburg übernommen.

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Viele Jahre hat es gedauert und immerwar Ole von Beust am CSD Tag verschwunden und alle – vorwiegend allerdings die politische Konkurrenz – fragte sich immer: „und wo ist Ole?“. Nun finde ich ja generell, dass es eine Privatsache ist, ob man den CSD besucht oder nicht und dass mann auch als Homosexueller Bürgermeister nicht verpflichtet ist dort aufzutauchen, aber schön finde ich es trotzdem, dass er sich im neunten Jahr als Bürgermeister in Hamburg nun endlich überreden lassen hat, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Noch besser finde ich, dass dieses offensichtlich nicht irgendwelchen wahlkampftechnischen Kalkülen entsprungen ist, denn er ist ja noch bis 2012 als Bürgermeister bestätigt…

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Nachdem also im vergangenen Jahr erstmalig die Regenbogenflagge am Rathaus gehisst wurde, wird Ole von Beust diesesJahr also hochoffiziell Schirmherr un dals dieser auch hochoffiziell am CSD Hamburg teilnehmen.

Find ich gut.

Save Burlesque Protest March in London

n60473769952_7504Im Moment wirft ja der CSD Berlin 2009 seine Schatten voraus, was man übrigens auch in den Feature Artikeln der rechten Seite unschwer erkennen kann, doch wärend die Homosexuelle Gesellschaft in Deutschland mit ihren Rechten ja bereits relativ weit ist und der CSD so zur politischen Demonstration auch eine gehörigte Hallo-jetzt-kommen-wir Partyveranstaltung ist (was ich im übrigen garnicht übel finde), gibt es in anderen Teilen der Erde Veranstaltungen, die einen größeren politischen Bezug haben und zu unterstützen sind.

Nein, ich rede nicht vom Iran und auch nicht von den CSDs in Osteuropa. Ich rede hier vom Save Burlesque Protest March. Einem Marsch, der tatsächlich mehr mit Politik zu tun hat, als es der Name vermuten lässt… Nun ist Burlesque ja eher sexy, denn politisch in Erscheinung getreten, doch genau ersteres ist kann in der Tat ein Politikum sein.

Großbritannien berät nämlich tatsächlich über einen Gesetzesvorschlag unter dem Namen „Policing and Crime Bill 2008-09“ in dem auch der Bereich „Sex Offences and Sex Establishments“ neu geregelt wird. Diese Gesetzesvorlage enthält im groben und ganzen:

  • neue Bestimmungen zur Verbesserung der polizeilichen Verantwortlichkeit und Wirksamkeit
  • Erstellt einen neuen Straftatbestand für bezahlten Sex und soll die Möglichkeit bieten, Bordelle zu schliessen
  • Ändert das Werbegesetz
  • Verschärfung der Regulierung von Tabledance-Clubs. Sie gelten als „Sex-Betriebe“ und nicht als „Unterhaltung“ Spielstätten
  • Änderung der polizeilichen Befugnisse, um mit den Jugendlichen das Trinken in der Öffentlichkeit
  • neue verbindliche orgaben für Alkohol-Verkauf
  • Änderung der strafrechtlichen Vermögensabschöpfungsstellen im Rahmen des Erträge aus Straftaten aus dem Jahre 2002
  • Änderungen der Regelungen für die Sicherheit an Flughäfen und der Polizei.

Und was hat das jetzt mit Burlesque zu tun? Nun Burlesque Clubs wären dann laut Gesetz Sex-Betriebe. Burlesque wäre das Gleiche wie Strip-Tease und das ganze nur noch in sehr geregelten lizensierten Lokalitäten erlaubt. EinStatement des Camden Council dazu:

“Camden’s licensing policy, which was widely consulted upon and approved in 2008, states that any premises in the borough that wish to offer entertainment involving nudity, striptease or other entertainment of an adult nature will need approval from the Licensing Authority – burlesque falls within this criteria.”

Da hat mal wieder jemand nicht nachgedacht und das Camden Council erweis sich als beratungsresistent. Immodesty Blaize tritt ab jetzt nur noch in Sex-Clubs auf??? Undenkbar irgendwie. Dass Burlesque sicherlich auch ein Marketingfaktor sein kann, bedenkt da keiner. Ich stelle mir gerade vor, was solch eine Gesetzesvorlage auf St. Pauli für einen aufschrei erbringen würde. Partys wie hier die Glitteresque oder die La Fete Fatale wären da nicht mehr möglich.

Um das zu verhindern wird es eben am 23. Juli den Save Burlesque Protest March in Camden geben.

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Daneben kann man aber auch die Petition „Save Burlesque“ online unterzeichnen, die folgendes aussagt.

exclude any public performance or performance art from the act that involves the removal of clothing that does not result in nudity as laid out in Section 25 and to exclude it from classification under the Sexual Encounter Entertainment License.

Klingt für mich unterstützenswert. Auch wenn dann vermutlich alle Sex-Table-Dance Schuppen ebenfalls Pasties einführen…

Dummerweise kann man nur mit Wohnort in den UK unterzeichnen. …Vielelicht reicht allerdings auch einfach eine britische Adrsesse aus. Wie wäre es mit dem Camden Council? 197 Kentish Town Rd
London, NW5 2JU, 😉

Film: Paris is Burning

Die New Yorker Drag Szene vor 22 Jahren

wer mal wieder Lust auf 76 kurzweilige Minuten vor der heimischen Flimmerkiste hat, dem sei die Dokumentation „Paris is burning“ ans Herz gelegt, die mir erst heute aufgefallen ist. Pepper LaBeija, Angie Xtravaganza, Dorian Corey und Avis Pendavis starben allesamt bereits vor mehr als 6 Jahren.

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Paris is Burning ist eine Dokumentation von 1987 und soll laut Film „das Ende der goldenen Zeit“ der New Yorker Drag Queen Szene zeigen. Genaugenommen schaut der Film hinter die Kulissen des New Yorker Drag-„Balls“, einem Tanz- und Kostümfestes, bei dem es offensichtlich darauf ankommt gerade das darzustellen, was die Jury gerade von einem verlangt. Das kann von einer Butch Queen das erste Mal outdoor bis zur Glamour Drag seinund muss keine weibliche Rolle sein. Irgendwie scheint mir dieser Drag-Ball eine frühe Version von Ru Pauls Drag Race zu sein.

Die verschiedenen Drags erzählen gedresst oder ungedresst von ihrem Leben, über ihre Hintergründe, über Rassismus und über das Gender-Thema generell.

Ich bin ein Mann, ich bin ein Mann der eine Frau iminiert, ich kann nicht sagen, wie sich eine Frau fühlt, ich kann nur sagen, wie sich ein Mann, der sich wie eine Frau kleidet und als Frau auftritt fühlt.

Das ganze immer mit Inhalten des Drag-„Balls“ gespickt.

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Insgesamt scheint mir dieser Film ein wenig die Blaupause von Gender-X zu sein, der Dokumentation der Berliner Drag-Szene. Der Unterschied ist sicher vor allem auch in der Zeit zu sehen. Paris is Burning ist aus 1987 also mittlerweile 22 Jahre her – und ich denke mir, dass es in der Tat noch eine andere Zeit war als es die Gender-X Zeit war, ob es allerdings die goldene Ära war, ich weiss es nicht, und die wichtigen Drag Queens diese Films werden es ebenfalls nicht mehr erzählen können.

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Spannend finde ich dabei, dass dieses wohl das erste Mal ist, dass ein Mutter/Tochter Verhältnis zweier oder mehrere Drag Queens Dokumentiert ist. So sagt Pepper LaBeija selber sie sei „Pepper LaBeija die legendäre Mutter des House of LaBeija“. Ausserdem sei ein „house a family for those who don’t have a family“. Kein Haus im Eigentlichen sinne, sondern eine Familie. Sie war die Mutter und die jüngeren Drags waren die Children.

Jeder Minute des Film sieht man sein Alter an, sei es nun der Mode wegen oder der üblen Qualität. Lohnen indess, ihn anzuschauen tut es auf jeden Fall.

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