The Peek-A-Boo Revue’s Burlesque Extravaganza

Schreibe ich drüber, schreibe ich nicht drüber? Ich höre immer mal wieder, dass wenn man nichts gutes zu sagen hat, doch lieber gar nichts sagen sollte – das ist aber irgendwie meines nicht und wie sollen Künstler wachsen, wenn ihnen alle nur Honig um den Bart schmieren und keiner negative Wort findet….

Und wenn man nicht sagt, wenn etwas nicht so doll ist, glaubt einem ja auch niemand mehr, wenn man etwas in den Himmel lobt. Also daher hier meine ungeschönte Meinung heute zur „The Peek-A-Boo Revue’s Burlesque Extravaganza“ im Ballhaus Berlin von mir.

Kurzfristig wurde ich heute gefragt, ob ich Lust hätte mit zu dieser Veranstatung zu kommen. Eine Burlesque Truppe aus Philadelphia auf Europa-Tournee. Und was ich lesen konnte klang sehr spannend.

Die Truppe der Neo-Burlesque Peek-A-Boo Revue aus Philadelphia ist stolz darauf, ihr internationales Debut zu starten. Sie bringen die besten ihrer Acts mit, auch die atemberaubende Nummer, mit der sie den Titel “Best Troupe 2012″ in der Burlesque Hall of Fame in Las Vegas gewannen.

Wow, wenn diese Performance die Möglichkeit hat, zur Burlesque Hall of Fame in Las Vegas einen ersten Preis zu gewinnen, muss ich meine Einschätzung zu dieser Veranstaltung revidieren.

Ich könnte jetzt etwas darüber erzählen über die falsche Einlasszeit auf Facebook, die uns vor verschlossener Tür liess oder über die beiden Conférenciers die leider nicht lustig waren – doch das ist gänzlich egal, wenn mich die Nummern mitreissen. Auf meiner nach oben hin offenen Gänsehautskala bin ich allerdings nur knapp über „Fremdschämen“ gekommen.

Nochmal ganz kurz zum mitschreiben:
Die Damen werben mit einem ersten Preis bei der Burlesque Hall Of fame und sind seit !!! 18 Jahren !!! als Burlesque-Truppe aktiv.

Doch was ich gesehen habe war einer Berliner Burlesque Bühne zumindest in dieser gehäuften Form nicht würdig:

Die Outfits waren lieblos gestaltet und sahen knapp über dem Niveau aus, den man auf Ali-Express findet. Ich hörte an dem Abend von einem Gast den Ausspruch „mein erstes Korsett war hochwertiger“ und auch ich kann mit hochwertigeren Korsetts aufwarten.

Die Nummern dazu waren aber mindestens genauso lieblos. Es waren reine „Beim Tanzen Ausziehen-Nummern zu – zumindest für mich – scheinbar ohne näheren Sinn ausgewählten Songs“. Die Nummern hatten keinen Pep, keine Geschichte, keine Rafinesse und letztendlich nicht einmal wirkliche Erotik.

Kleid im Tanz ausziehen, Korsett aufzippen ggf noch irgendeines Kleidungsstückes wie dem Handschuh entledigen, Fertig! Runter von der Bühne.

Die Erotik, wenn Nylons langsam an einem Strapshalter abgemacht werden und dann langsam zur Musik ausgezogen werden gab es nicht. Genaugenommen wurde in der gesamten ersten Hälfte nicht ein Strumpf ausgezogen – oder auch nur ein Schuh. Stattdessen wurden in der Nummer Strümpfe wieder hochgezogen, da sie ohne Halter offenbar nicht ganz da blieben wo sie gewünscht waren.

Die Erotik, wenn ein Korsett langsam hinten aufgeschnürt wird und dann langsam enthüllt wird gab es hier nicht. „Zipp, Korsettreissverschluss auf und weg damit.“

Die Mädels trugen zwar Pasties und teilweise auch mit Tassles aber sie nutzen sie nicht. Kein Tasseln die gesamte erste Hälfte.

Accessoires auf der Bühne mit denen irgendeine Geschichte erzählt wurde (und sei es auch nur ein Stuhl) – gab es die gesamte erste Hälfte – nicht, nix, nada.

Und vor allem es gab keine Geschichten, keine Ideen, nichts was einem (also vor allem mir) ein WOW hätte entlocken können.

….Ich bin dann nach der ersten Hälfte gegangen, kann also nichts zur zweiten Hälfte sagen, aber wenn sie nicht fundamental anders zur ersten war, dann war auch die ein echter Reinfall.

….Ich habe wirklich keine Ahnung, ob man so in Philadelphia 18 Jahre überleben kann, aber in einer Stadt in der einem Outfits von z.B. Lada Redstar oder Julietta La Doll über die Jahre über den Weg laufen können, in denen man die großartige Verrücktheit von Ginger Synne oder Clea Cutthroat finden kann, das klassische Burlesque von Marlene von Steenvag oder Eden, die tollen Geschichten oder Ideen von Lily Tiger oder Lady Lou, in einer Stadt in die die Londoner wie Banbury Cross oder Raven kommen, wenn ihnen London zu langweilig ist, in einer solchen Stadt da ist eine Performance wie ich sie gestern gesehen habe – sorry, ich kann es nicht anders sagen – TRASH.

Mensch, die sechs Mädels stehen seit 18 !!!! Jahren auf der Burlesque Bühne das sind Profis. Wenn jeder von Ihnen nur alle neun Jahre eine geile Nummer einfällt, dann hätten sie 12 Nummern die jeden vor der Bühne weghauen sollten. Mit ein paar Gruppennummern zusammen dann vielleicht 16 Nummern voll Geschichten, Ideen, Erotik, voller WOW. Leider hatte keine der Nummern, der ersten Hälfte auch nur annähernd etwas davon.

Mir fällt eigentlich keine Burlesque Tänzerin ein, die mehr als einen Auftritt hatte, die nicht versuchte, ihre vorhandene Nummer mit einer neuen Nummer noch zu übertreffen, es noch geiler, noch chaotischer, noch glamouröser, erotischer oder einfach besser zu machen. Das sollte doch eigentlich auch der Anspruch eines Künstlers sein, oder sehe ich das falsch?

Keine Ahnung, ob ich einfach zu kritisch bin, aber ich war offenbar nicht der einzige auf der Veranstaltung, der es so sah.

Ob die Personen, die gestern im Ballhaus zum ersten Mal eine Burlesque Show sahen – noch in eine zweite gehen – ich weiss es nicht, möchte das auch nicht beschreien… Vielleicht denken sie aber auch, „ganz nett – sowas kann ich mir nochmal anschauen – und werden dann geflash’d

Ich hoffe nur, dass die Mädels, die hinter mir saßen und offenbar in einem Workshop bei den Mädels auf der Bühne gebucht hatten – etwas anderes gelernt haben, als ich in der ersten Hälfte gesehen habe.

…Ansonsten würde ich ihnen einen Burlesque Workshop im Schönheitstanz Studio empfehlen, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich auf der Graduation Night neulich im Lido mehr gesehen, was mich begeisterte als gestern im Ballhaus Berlin bei „The Peek-A-Boo Revue’s Burlesque Extravaganza“. Hätten die eine Show zusammen gemacht hätte man bei einigen nur durch das Selbstverständnis auf einer Bühne zu stehen, erkannt wer seit 18 Jahren drauf steht und wer zum ersten Mal.

Und das traurige daran ist: ich meine das nicht polemisch sondern wirklich ernsthaft.