Wir brauchen einen DPA Fotografen Kontakt

oder: Als meine Beine ohne mich um die Welt gingen.

Ich muss noch einmal auf den Underground Catwalk zurückkommen… Noch bevor, die gesamte Gesellschaft in die U-Bahn gelassen wurde, machten Sheila und ich ein paar private Bilder in der noch leeren U-Bahn.

Da wir aber beide auf das Bild wollten und es dann natürlich schwer ist, ein Bild zu schiessen, fragten wir einen der Fotografen, die unweit von uns saßen. Wir kennen uns ja mittlerweile ein wenig aus und suchten mit schlafwandlerischer Sicherheit den erstbesten, der mit zwei bis drei hochwertigen Kameras hantierte, die wiederum mit Objektiven ausgestattet waren, die den Preis meiner eigenen Kamera wohl um etwa das dreifache überragten…

Gute Kamera – große Objektive mit rotem Band = guter Fotograf

Naja, immer geht diese Rechnung nicht auf, aber die Chance einen Fotografen vor sich zu haben, der sein handwerk versteht, ist weitaus größer als bei einem Menschen, der eine Exilim in der hand hält. Dieses Wissen hat sich auch auf den CSDs dieser Welt herumgesprochen. …Wenn 20 Kameras und ein großes Objektiv auf einen gerichtet sind- ratet mal, in welche der Kameras wir dann lächeln..

Leider macht sich dieses Lächeln viel zu selten bezahlt, denn obschon wir massenweise Kärtchen mit unserer Visage und unseren Emailadressen an die Herren Gotografen verteilten, waren die Rückmeldungen sehr mager. Fotografen mit guter ausrüstung sind leider ziemlich unzuverlässig, was die Bilderlieferungen angeht, die se versprachen. So auch der oben genannte Fotograf, der uns fotografierte.

Zur Sicherheit und für alle Fälle drückten wir ihm unsere Kamera in die Hand, insofern hatten wir die Bilder, aber als der catwalk begann hatte er eine Bitta an mich.

Könntest Du, wenn die Mädels kommen Dich einmal breibeinig hinstellen, damit ich dadurch fotografieren kann?

Klar kann ich das. Gesagt getan. Und natürlich bat ich um das Bild, sollte es etwas geworden sein…. Er sagte es mir zu. Noch warte ich allerdings vergeblich – und ich fürchte das wird nichts mehr, denn er hat mich verkauft *schnüff* Ich bin nur eine Ware. Okay, okay Premiumware immerhin, wohlgeformte noch dazu. Aber ich fühle mich so … so… so auf meinen Körper reduziert und selbst da nur auf meine Beine….

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ja genau, das hier vorne mit dem kurzen Rock und den roten Pumps, das bin ich – oder vielmehr das sind meine Beine.

Mittlerweile weiss ich, dass der nette Herr von der DPA war, denn dieses Bild fand ich nicht in meinem Emailfach, sondern im Internet. Zum beispiel bei der Welt (Foto 3 von 7), der Bild (Foto 9 von 16), in Russland, nochmal in Russland. oder in China, in Korea, und werweisswo noch… Man könnte also mit Fug und Recht behaupten.

Meine Beine sind um die Welt gegangen

Ich biete ihm sein Motiv, wenn ich es bekomme – sollte etwas draus geworden sein. Damit sind wir eigentlich einen mündlichen Vertrag eingegangen, wenn mich meine Rechtsvorlesungen nicht täuschen. Leider versäumte er, mir es zuzusenden, doch wie gesagt, ich fand es im Internet. Und unverkennbar ist etwas draus geworden – in aller Welt.

Dumm nur, dass ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass er für die DPA fotografiert und so mir keine Kontaktdaten geben lassen habe. Aber der Verbreitung hat sich mal wieder gezeigt, dass man wieter kommt, wenn man einen DPA Fotografen kennt… Ich kenne ihn nicht, aber ich habe mir sein Gesicht gemerkt 😉

Grand Prix Eurovision de la Wigstöckel

Verschiedenste Sprachen beim Wigstöckel Council
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Wochenende – genaugenommen Samstag! Zeit, loszuziehen und die Partys dieser Stadt zu besuchen. Meine Partyplanerin Sheila hat dafür drei Partys an diesem Abend herausgesucht und an zeitlich erster Stelle stand das Wigstöckel Council im SO36, dass unter dem Namen Glamour without Borders stattfand.

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Genaugenommen wunderte mich etwas, dass wir dorthin wollten, denn ehrlichgesagt hatte mich Wigstöckel im letzten Jahr nicht wirklich begeistert. Dazu konnte ich mir kaum vorstellen, dass eine Veranstaltung an einem ersten Samstag im Monat, also zeitgleich mit dem Klub International überhaupt Zuschauer finden würde… Aber Wigstöckel ist da anders, hat anders Klientel und andere Performer.

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Doch bevor wir dort ankommen konnten mussten erstmal diverse Probleme gelöst werden…

Problem Nr. 1
Mein Portemonnaie war weg – nicht auffindbar – futsch – irgendwo, wo es nicht hätte sein sollen… Nur wo? Auch nach über einer Viertelstunde Suchen (während Sheila vorm Haus im Auto wartete und sich langweilte) wollte es sich nicht auffinden lassen… Dabei hatte ich doch gerade noch Geld geholt, das Geld auch ins Portemonnaie gesteckt und bin weit weg jeglicher Menschen nach Hause gefahren… Dort war ich nun – mein Portemonnaie allerdings irgendwie nicht… Es fand sich dnn unterm Sitz im Auto und wir konnten endlich los..

Wenige Minuten später kamen wir etwa 50 Meter vom SO36 an und wir hatten mit

Problem Nr. 2
zu kämpfen. Sheila riss das Riemchen an ihren Billigschuhen… Nix zu machen, und für Mules waren die Pumps dann doch nicht ausgelegt. Laufen war also eher unmöglich. Schlecht zu Beginn eines Abends. Sicherheitsnadeln konnten eine Lösung sein… Die finden sich in meinem Bad… Also wieder einsteigen und zu mir fahren. Das Wigstöckel Council kann auf uns warten. Zwei mal wenige Minuten später gab es dann

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Problem Nr. 3
…der Parkplatz. unser großartiger Parkplatz war natürlich weg und weit und breit war kein Parkplatz nichteinmal für einen Mini zu sehen… Irgendwann fuhr dann glücklicherweise jemand weg… direkt gegenüber vom SO36. Besser geht es wirklich nicht. Aber nun war noch

Problem Nr. 4
zu lösen. Die Kasse… Eintritt? Wir? Stehen wir nicht auf der Gästeliste. Bestimmt. Immerhin müssen wir berichten, filmen und Fotos machen. Sheila schaffte es mal wieder und ich bin immer erstaunt, wie sie es immer wieder schafft, für kostenfreien Eintritt zu sorgen. Und Ja! das musste wirklich mal erwähnt werden.

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Geld war also da, die Schuhe gangbar und wir waren drin. Das bedeutete jedoch noch nicht, dass man etwas sehen konnte, denn das SO36 war rappelvoll und es war wieder eine Sitzparty. !!Bänke!! Na ich weiss nicht. Nun durchquatschen ist Sheilas Paradedisziplin, meine ist Durchdrängeln und so landeten wir irgendwann in der ersten Reihe um der Show aus nächster Nähe beizuwohnen können… Und diese Show – auch das muss mal gesagt werden – war besser als erwartet.

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Wir kamen gerade noch rechtzeitig vorne an um die Show von Chou Chou de Briquette zu verfolgen… Chou Chou de Briquette ist ein Name, der in Berlin einen fast andächtigen Klang hat. Okay, ich übertreibe vielleicht, aber den Namen kennt wohl fast jede in Berlin, obwohl Chou Chou kaum mehr ins Rampenlicht geht. (ich zumindest sah sie bislang noch nicht). Sie stammt noch aus einer Zeit, die wohl kaum mit „der guten alten Zeit“ zu betiteln ist, als Transe noch Tunte hieß und dieses eigentlich zwangsläufig eine politische Aussage hatte. Die Damen also, die im Großen und ganzen dafür gesorgt haben, dass man heute einfach Party machen kann und sich um die Politik drumherum wenig Gedanken machen muss. Unpolitische Transen – ob das besser ist, darüber lässt sich sicher streiten – ich für mich selber sage aber ja! Ich habe den Namen Chou Chou de Briquette erstmalig in Julia Ostertags großartigem Film Gender X gehört.

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Auf der Bühne brachte sie eine Nummer von Milva, die nicht sonderlich bemerkenswert war, und den meisten Witz dadurch versprühte, dass die Gurken der Gurkenmaske, die sie sich auftrug als sie vom Sonntagsgesicht sang, nicht wirklich klebten. Trotzdem muss sie eine Person sein, die viel zu erzählen hätte. Spannend.

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Gefolgt wurde ihr Beitrag von einer Spoken Words Number von Dr. No… Es ging um Flowers und dazu war er in bester Hawaiihemden-Fashionkultur gekleidet… Ich konnte damit nichts anfangen, aber wer bin ich schon, mir darüber eine Meinung zu bilden. Sehr skurill war es auf jeden Fall und – anders.. Aber das ist wohl Wigstöckel..

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Ich bin dann aber doch eher für die klassische Dragnummer zu haben und da passt einfach Kaspar Kamäleon besser in das Raster. Irgendwas glamrockiges live gesungenes…. Nun ist live singen nicht immer die beste Wahl in Dragkreisen, aber Kaey Tearing kann das auf jeden Fall.

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Mit ihren drei Mitstreitern trat sie nämlich in der Folge unter dem Namen „drei Engel für Kaey“ auf… Es hörte sich besser an, als meine Kamera in der Lage ist wiederzugeben… Ich hätte mich einfach nicht direkt vor die Bassbox stellen sollen…

Weiter ging es mit einem kleinen Mädel, dass zwar sehr süß aussah, deren Gesangeskünste mir eindeutig zu lange dauerten. Sorry, aber das war nix.

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Spannender wurde es danach. Der Auftritt eines Drag Kings, der wiederum einen Mann spielte, der eine Frau spielte… Genaugenommen ging es um I Want to Break free von Queen und er stellte so Freddie Mercury dar und saugte wie es sich für das Video gehörte die Bühne… …Respekt muss ich sagen. Denn wenn ich ehrlich bin, dann war es das erste Mal, dass ich eine Drag King Performance sah, die mit Ironie spielte und Witz hatte. Zumeist sind Drag King Performances leider darauf angelegt zu zeigen, was für ein toller Kerl da gerade auf der Bühne steht. Das war eine schöne Abwechslung.

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Es folgte eine Whitney Houston Nummer. „Whitney Houston?“ wird der Kenner der Berliner Transenszene fragen? Melli Magic auf Wigstöckel? Nein. Das ist zwar ihr Revier, aber Wigstöckel ist weit genug weg von der Berliner Glatransenszene um, auch andere Reviere betreten zu können. Das ganze war weniger Glamourös als Melli aber dafür mit mehr Accessoires auf der Bühne. Durchaus sehenswert.

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Sehr sehenswert blieb es dann auch mit einer slowenischen Transsexuellen, die dementsprechend auch auf kroatisch sang und und ziemlich professionell performte. Das hatte etwas von Grand Prix Stimmung: Slowenien 10 Points. Sehr gut, klasse anzuschauen. Die eindeutig sehenswerteste Performance auf der Veranstaltung. Gelernt ist gelernt. Nicht umsonst konnte :Mataina Ah Wie Süß: uns informieren, dass sie mit ihr schon auf Mykonos aufgetreten ist.

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Es folgte noch ein Französischer Dragking, der dann doch wieder das Ideal des typischen Kerls entsprochen hat und eine ziemlich durchgeknallte Performance der Spicy tigers on Speed….

Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Wigstöckel Council viel besser fand als gedacht, aber Kaey hatte in ihrer Abschlussmoderation schon recht, dass irgendwie das Glamour des Veranstaltungsnamens irgendwie fehlte.

Karaoke Bar Berlin

Karaoke mit netten Bekannten in Berlin
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Krizzi & Britta

Mehr und mehr wird zu einem elementaren Bestandteil dessen, warum ich rumtranse, der Grund, dass ich massenweise interessante Leute kennenlerne, die ich wohl kaum kennengelernt hätte, wenn ich einfach mal so einer von dreihundert Typen auf irgendeiner Party gewesen wäre. Und ganz ehrlich, wenn man auf einer Party ist – und niemand ist da, den man kennt – oder der einen kennt, dann ist die Party gleich mal um längen langweiliger.

Da sich auf Glorias Geburtstagsparty in der Monster Ronsons Ichiban Karaoke Bar aber massenweise bekannte Gesichter rumtrieben, war die Party weit davon entfernt, langweilig zu sein. Im Gegenteil, ich hatte Spaß wie lange nicht mehr.

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Else & Sheila

Es ist immer wieder ein Phänomen, wenn gänzlich unterschiedliche Personen aufeinandertreffen, die eigentlich nur eine Person (in diesem Falle zwei Personen Sheila und mich) als Bindungsglied haben. Entweder der Abend ist dem Untergang geweiht oder die Personen fangen an, sich zu unterhalten und haben jede Menge Spaß.

Vor einigen Jahren war ich mal einer der zufällig ausgewählten Personen, die zu ineer Küchenparty irgendwo auf St. Pauli eingeladen wurde. Die zweier WG hatte einfach einmal bei Finya geschaut, wer da so in Hamburg online war und so ca. 15 wildfremde Menschen ein, die die Nacht mit viel Jägermeister und guter Musik viel Spaß hatten. Vollkommen unterschiedliche Personen aber spannende Geschichten und Lebensgeschichten. Diese Einladung kam völlig überraschend und ich ging dort eher mit einem mulmigen Gefühl denn mit irgendwelchen Erwartungen hin… Welcher Idiot lädt schon 15 Personen, die er nicht kennt zu sich ein… da musste doch etwas faul sein… Also: Erwartungen ? Keine!

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Wirkliche Erwartungen hatte ich an die Glorias Geburtstagsparty auch nicht, als wir mit Carolyn in die Karaoke Bar fuhren. Doch es wurde witzig und wir landeten mit guten Bekannten in einer Karaoke Kabine.

Was genau uns ritt, uns in singen versuchen, dass weiss ich nicht genau, aber wir waren nicht alleine. In der, für sechs Personen ausgelegten Kabine stapelten wir uns später mit teilweise 8 Personen, von denen ich vor einem Jahr genau eine kannte. Sheila eben.

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Da war zum Beispiel Krizzi, Berlins weltbeste Partyfotografin und auch ohne Knipse gerngesehene Partybegleitung unzählicher Berliner Partys des letzten Jahres. Da war Carolyn der wir mal das deutsche – genaugenommen Berliner Nachtleben zeigen wollten. Da war mit Fräulein Edelstahl und ihren beiden Partys Boheme Sauvage und Girl in a Hot Rod eine der Stütze ebendieser Partyveranstaltungen. Da war ihr Freund, der (frechheit) tatsächlich singen kann und mit Perücken bekleidet in einer Band spielt… (nein keine Trannyband) und da war Britta, die Dokumentarfilme macht und von Zeit zu Zeit mit A, B, C Promis und an diesem Abend eben mit uns und ohne Champagner feiert. Kurz auch noch Chicago Rose, die aber nur zum „Hallo“ sagen in unsere Kabine stürmte und kurz mitsang… Achja und wir Hühner Sheila und Ich.

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Ziemlich unterschiedliche Paersonen, die irgendwas mit Berlins Partyszene zu tun haben und die jetzt in einer Karaoke Bar miteinander aber nicht um die Wette sangen. Okay okay, die Ergebnisse waren nicht bemerkenswert und schon garnicht wert auf eine CD gebannt zu werden, aber wir hatten massig Spaß und verliessen unser Kabuff und die Bar erst gegen 6 Uhr. Zwar mit einem Krächzen in der Stimme aber mit der Gewissheit einen ziemlich guten Abend gehabt zu haben.

Superzandy – Berlin

Stars & Sternchen VI – Superzandy

Irgendwann habe ich bei mir im Blog mal die Rubrik „Stars & Sternchen“ eingeführt, die doch sehr langsam wächst. Gerade mal eben fünf Personen haben bisher Aufnahme in meine kleine Hall of Fame gefunden und es stehen noch sooo viele Namen aus. Zeit also, langsam mal wieder jemanden aufzunehmen.

Heute geht es also weiter mit einer echten Kunstfigur unter vielen anderen Kunstfiguren, mit einer klasse DJane, mit einer enorm sympathischen Person und mit den wohl coolsten Outfits der Berliner Dragszene. Es geht um Superzandy.

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Im letzten Beitrag über Mataina Ah wie Süß habe ich geschrieben, dass Mataina auch auflegt, aber ihre Welt eigentlich die Bühne ist, da sei sie unschlagbar. Mit Superzandy ist es genau andersherum. Ihre Welt sind die Plattenteller, denn da ist sie in ihrem Element und unschlagbar. (zumindest was die Drag-DJane-Szene angeht)

Dabei weiss man eigentlich garnicht so recht, ob Superzandy wirklich mit Fug und Recht als Dragqueen bezeichnet werden sollte… Irgendwo habe ich mal gelesen, sie sei eigentlich ein Transenimitator. Klingt komisch, aber irgendwie ist es so. Nicht, dass Superzandy keine gute Dragqueen angeben würde – das tut sie nämlich, aber sie tritt eben nur sehr selten als Drag hinter das Mischpult.

Dragqueen Superzandy

Nun könnte man mutmaßen, sie habe einfach keine Lust, sich immer aufzutransen, kein Bock auf das Schminken und die Frage was sie dieses Mal wieder anziehen sollte. Aber weit gefehlt!

Superzandy ist immer aufgetranst, immer extravagant geschminkt und ich glaube, ich habe sie noch nie in einem langweiligen Outfit gesehen. Oft in Hemd und Anzug, bisweilen in einem Catsuit aber immer bunt und immer schrill und immer mit irgendwelchen Accessoires. (Nur den Hut hat sie oft auf). Insofern erfüllt sie eigentlich alle Kriterien einer Drag Queen ohne eine zu sein. Das macht sie aber – selbst in der bunten berliner Dragszene – einzigartig.

Superzandy im Catsuit

Musikalisch ist Superzandy irgendwo dem House verhaftet, wobei ich nicht zwischen House, Vocalhouse, Electro oder langsamen Techno unterscheiden kann. Sagen wir es anders, wenn Superzandy am Mischpult steht spielt sie eher keine Musik in der Gitarren vorkommen. Elektrisch ist ihr Sound. …Das ist zwar eigentlich nicht meine Musik, aber sie hat es mehrfach geschafft, mich auf einer Tanzfläche festzukleben obwohl im Raum nebenan eher meine Musik gespielt wurde. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei ihr Set mit DJ Milk im Klub International, wo die beiden einfach großartig aufgelegt hatten und offensichtlich eine ganze Menge Spaß hatten – ich hatte es auch, weil sie Spaß hatten. An dem Abend habe ich beschlossen, dass Superzandy wohl meine liebste Plattenfachkraft in Berlin ist.

Superzandy & DJ Milk

Apropos Platten. Sie ist eine der wenigen Drag Djanes, die noch mit diesen großen schwarzen Dingern umgehen kann. Die meisten Berliner Drags schwören ja doch eher auf die kleinen Silberlinge- ich schätze aber, das wird auch damit zusammenhängen, dass diese eben andere Musik spielen.

Vielleicht ist Superzandy aber auch eine Nostalgikerin, so haben wir sie noch im letzten Sommer mit einer Kamera mit echten Filmen (also nicht digital) gesehen, auf die sie schwörte. Ob sie sich mittlerweile eine digitale zugelegt hat, weiss ich nicht, aber da schlug vermutlich der Fotograf in ihr an, der doch lieber echte Filme entwickelt, als eine Speicherkarte herauszieht…

Denn wenn Superzandy nicht gerade hinter den Reglern steht, dann steht ihr männliches ich gerne als Fotograf hinterm Auslöser und auch dabei kommen eher aussergewöhnliche Bilder und Closeups heraus. Ihr solltet dringed mal auf seine Fotoseite schauen, wer da schon so alles vertreten ist und wer sich beispielsweise hinter der Tennisspielerin Kurnovykaya verbirgt. Die Personen sind alles, nur keine Langerweiler. Respekt für die Fotos und die Liste an Personen.

Da ist sicher ihre Plattenauflegekunst ein Vorteil, die Personen kennenzulernen, aber ich denke vor allem ist es Superzandys absolut sympathisches Wesen. Hier gibt es noch eine Gemeinsamkeit mit Mataina. Über sie schrieb ich, dass es kaum eine Drag gibt, über die ich ungelogen noch nicht ein negatives Wort gehört habe. Superzandy ist die andere, auf die es zutrifft.

Mir selber ist Superzandy das erste Mal auf einer Party von Valery Pearl aufgefallen. Ich hatte keine Ahnung wer Superzandy ist und kannte sie auch nicht. Da feierte dieser freakig gekleidete und geschminkte Typ vor der Bühne und ich dachte noch. „Ich weiss nicht was er darstellt, aber ich finde es cool“.

Jetzt weiss ich es: Superzandy stellt einfach Superzandy dar.