Schwarz zu Blau

Ohgott wie Romantisch.

Müll, komische Typen und ein Himmel, der langsam bläulich wird, es erinnerte mich alles an den Peter Fox Song.

Da saßen wir dann also am frühen Morgen im McDonalds am Potsdamer Platz, hinter uns intolerante Tussen vor uns Müllberge aus McDonalds-Tüten und Tabetts und schauten zu wie langsam der Himmel immer heller wurde und langsam die Helligkeit der großen Saturn Leuchreklame annahm. Wie kitschig.

Nein, man muss wirklich sagen, der McDonalds am Potsdamer Platz hat nicht den Charme unseres Stamm-McDonalds und die Party zu der wir etwa anderthalb Stunden vorher nach Möchtegernmanhattan kamen, hatte ebenfalls nicht den Charme anderer Partys.

Okay, die Propaganda im Goya war schon nicht die Ausgeburt an Charme aber sie lebte vom Goya, dem man alles nachsagen kann – nicht jedoch, dass es keine eindrucksvolle Kulisse für eine große Party sei. Dem E4 in der Eichhornstrasse quer gegenüber des Adagio geht dieser Charme allerdings vollkommen ab, die Location wirkt eher wie ein überdimensioniertes Treppenhaus und so war auch die Party. Steril und ohne Ecken und Kanten.Ausserdem ohne allzuviel bekannte Gesichter. Darüber klagten auch Mutter Daphne und Schwester Belladonna, die ebenfalls kaum Leute kannten. Tja auch solche Partys gibt es.

Allerdings war eine ganze Gruppe junger Drags anwesend, die ich alle nicht kannte. Leider vergass ich alle Namen bis auf einen. Sie trug ihn als großes Tattoo auf dem Unterarm. Danka. Ja, das war ihr Name, es war ein D und hatte nichts mit der uns allen bekannten Janka zu tun. Aber auch wenn wir sie nicht kannten waren sie offensichtlich nicht das erste mal draussen sondern Partyhühner – wo auch immer. …Bis auf – auch hier wieder – eine, die tatsächlich das erste Mal unterwegs war und dieses bereuhte. Nicht nur der Schuhe wegen, sondern vor allem der Blicke wegen… Tja aller Anfang ist schwer…. bekanntermaßen.

nsonsten traf ich noch einen Hamburger in Berlin und einen DJ mit Hamburg Flair, trug er doch ein St. Pauli T-Shirt. Hamburg war also im House. Das allerdings rettete diese Party nicht wirklich für uns… und so gingen wir noch zu McDonalds… womit wir dann am Anfang dieser Geschichte wären…

Queere Medien Bühne @ Motzstrassenfest

Queere Medien Bühne

Es ist schon einige Monate her, als mich irgendwo auf der Autobahn zwischen Hamburg und Berlin ein Klingelton zu meinem Handy rief. Meinen Mitfahrern zum Trotz ging ich ran.

Dran war Margot Schlönzke, die mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, auf dem Motzstrassenfest in Berlin zwei Stunden auf der „Queere Medien“-Bühne die Moderation übernehmen zu können – und ob ich überhaupt Lust dazu hätte. Wenn ja, würde sie meinen Kontakt an Manuela, die das dort organisiert weitergeben.

101_0108-2.JPG
zwei Besucher des Strassenfestes

Generell kann ich mir ja immer ersteinmal fast alles vorstellen und klar, würde ich das machen. Auch für Ruhm, Ehre und ein kleines Gelbes Cateringbändchen, dass einen in den Vip-Bereich lässt (achtung nur VIP, nicht superduperdoppel-VIP den gibt es nämlich auch noch). Auch wenn ich das noch nie gemacht hab – warum nicht. Einiger Tage später meldete sich also Manuela und wir sprachen das ganze ab.

Seither hartte ich nichts davon gehört und mir eigentlich gedacht, das ganze hätte sich erledigt – hatte sich aber nicht, wie ich sah, als ich das Programm des 16. lesbisch schwules Stadtfest in die Hände bekam stand da doch ganz klar unter Queere Medien der Satz.

„Am Samstag moderieren Tima die göttliche und Zoe Delay“

… einige Tage später rief dann auch Manuela wieder an und es war klar, dass ich moderieren würde. Moderation bedeutete in diesem Fall übrigens nichts anderes, als zwei Stunden lang einige Künstler an- und abzusagen, von denen ich in der Vielzahl leider erst gehört hatte, als ich das Programmheft in die Hand bekam und googelte.

Die ersten „Künstler“ waren dabei noch wirklich einfach, die kannte ich bereits vorher, ich wusste, was die so tun UND ich konnte sie aussprechen. Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Daphne De Baakel und ihre Nonne, die zwei Lieder trällerten und dem Strassenfest ihren Segen gaben.

Weiter ging es mit Gilda Gay, die nicht nur zwei sondern ganze fünf Lieder live und mit eigener Stimme zum Besten gab. …Ihre Webseite und das Vögelchen, dass ich vorher befragte, sagten mir, dass sie zur eher jüngeren Riege rund ums Schwuz und die AHA gehören würde und gerne mal Cher machen würde – so kam es auch. Cher war ihr erster Song dem vier – teileweise eigene Stücke folgen sollten. Gilda sagte mir vorher noch, dass ich nicht warten würde, sie würde dann auf die Bühne kommen, wenn die Musik anfinge… Das schien sie aber vergessen zu haben, denn die Musik fing an und sie kam nicht…. Bis sie laufend und ziemlich gehetzt die Bühne enterte… 🙂 Bei manchen Drags wünscht man sich ja, dass sie doch lieber Playback singen würden, Gilda allerdings war gut zu hören.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=YodcEjCrzu4[/youtube]

Eigentlich sollte dann ein Daniel Soltwedel auftreten, der allerdings krank war. Kurzfristig sprang ein Sänger ein, der einen Schlager zum besten gab, dessen Namen ich leider vergessen habe. Erkannt hätte ich ihn aber auch vermutlich eher nicht.  Sagte ich eben, dass manche Drags nicht live singen sollten? Das trifft auf auf manche Sänger zu….

Ebenfalls eingesprungen ist auch Chicago Rose, die zwischen diversen Terminen auf dem Stadtfest kurz noch eben eine Nummer zum besten gab und auch schon wieder unterwegs zum nächsten Termin war. Damit hat sie die Bühne, mich und das publikum vor einer längeren Leer- und Lehrstunde in Sachen „Moderation zur Überbrückung von Leerzeit und Quasseln um Teufel komm raus“ gerettet.

101_0106-1.JPG

Es folgten noch Edeltraut P. und Tara o’Hara, die beiden Kieztherapeutinnen, ein Orientalischer Tänzer und die Rockband Peter & Friends. Dann war der Spuk auch schon wieder beendet und ich auf dem Weg in den Halb-VIP Bereich um ein nettes Becks Ice und ein paar Nudeln zu mir zu nehmen. Ich denke, ich habe das wirklich gut gemeistert. Weitere Anfragen bitte hier 😉

BTW. wer morgen 15:00 nichts zu tun hat, ich springe auf ebendieser Bühne in einem Dalli Dalli Rateteam ein. Nichtswissen soll da helfen, zu viel Wissen sei eher hinderlich… Na mal sehen. ob ich da punkten kann.

 

Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin

Ein Standardwerk der berliner Transenszene?
tatjana.JPG


Tatjana
, ihreszeichens Berliner-CSD Hoheit von irgendwann bis keinerweisssorecht hat einen zweiten Teil ihres Werkes Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin ins Netz gestellt.

Sie beschreibt darin ihre erfundene Geschichte in der berliner Dragzene, Ihr Eintauchen und ihre Zeit als CSD Hoheit

Hab ich auch den ersten Teil nicht mitbekommen, so ist der zweite auf jeden Fall köstlich. Auch wenn Tatjana „Ähnlichkeiten mit allen anderen Personen oder Geschehnissen in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft“ allenfalls als Zufall betitelt, so kann ich mich dem Umstand nicht entziehen, dass mir diverse der Geschichten, der Personen, Partys oder Gepflogenheiten durchaus nicht ganz als Zufall erscheinen. Noch dazu sind die meisten Personen auch noch gut getroffen. Okay okay, etwas überspitzt doch, aber im Großen und Ganzen nicht vollkommen falsch wiedergegeben worden.

Diese Geschichte könnte man allen Berliner Neutransen als den großen Transenalmanach mitgeben. Tatjana erzählt über das Schwuz, Wigstöckel, das Irrenhouse, das Kumplenest, das GMF, Das Bangaluu, den CSD, die unterschiedlichen Transenszenen in Kreuzberg und Mitte, in Ihrer Geschichte kommen so unterschiedliche Personen wie Kaey Tearing, Gérome Castell, Chicago Rose, :Mataina Ah wie Süß:, Barbie Breakout, Melli Magic, :Nina Queer:, Polla Disaster, Tilly Kreuzfeldt Jakob, Biggi van Blond, :Ades Zabel:, oder Daphne de Baakel.

Wer das gelesen hat, hat schon mal einen ersten Einblick in die Berliner Drag- und Transeszene. Ich bin gespannt auf Teil III

Ein paar Auszüge:

Die tief liegenden Augen hatte ich mit megalangen falschen Wimpern kaschiert, meine Lippen einfach schamlos übergemalt und die Augenbrauen einfach einige Zentimeter über die ursprünglichen, stark gestutzten gemalt. Nur die große Nase konnte ich mit kosmetischen Tricks nicht verbergen, und den Adamsapfel auch nicht.
Aber da ich ja auch als schwuler Mann auftrat, der eine Frau spielt, und keiner wusste, dass ich eine Frau war, die einen Mann spielt, der sich schwul stellt, um eine Transe zu spielen, war es auch nicht weiter schlimm.
Ich hatte sogar extra die Haare an den Oberarmen gelassen, die zwischen Handschuh und ärmellosem Abendkleid hervorguckten. Ich fand, das gab mir in diesen Kreisen so etwas Echtes.

Gérome hatte begonnen, sich ein wenig um mich zu kümmern.
„¾Weißte, Alte, wir Transen müssen zusammenhalten. Jede von uns hat hier Töchter und Schwestern, das System hab ich aus USA mitgebracht. Na, sonst ha`m wa doch keen! Und wer soll sich kümmern, wenn nich die Familie? Ebent! Du bist jetzt meine Tochter. Und für Dich hab ich auch schon eine; Deine Tochter heißt Frank!“
„Meine Tochter heißt Frank? Auf gar keinen Fall,“ wehrte ich ab. „¾Ich kann selber nichts und habe gar nicht die Nerven, mich um so ein verlorenes Balg zu kümmern.“
„¾Frank ist kein Balg,“ sagte Martina ah – wie – Süß, die mit uns am Tresen des Bangaluu`s stand. Martina war die einzig festangestellte Transe der ganzen Stadt. In diesem schicken Club in Mitte, den Kaey sicherlich nur tot betreten würde, war sie die vollendete Gastgeberin. Sie mochte jeden und jeder mochte sie.

Gérome hatte mir Melli Magic und Barbie Breakout am Tresen des GMF vorgestellt. Das GMF war ein schicker Club in Mitte, wo am Sonntagabend die jungen, hübschen und reichen Gays des Berliner Nachtleben das Wochenende ausklingen ließen.
Jetzt verstand ich auch Kaey´s abfällige Bemerkungen über „¾Mitte.“ Die Transenszene in Berlin-Mitte unterschied sich offensichtlich sehr von der in Kreuzberg.
Barbie und Melli verkörperten Glamour pur.

Melanie, ein Lastwagenfahrer im Zebrakleid, der sicher 120 Kilo wog, aber trotzdem stolz bekannte, so jeden Tag zum Bäcker zu gehen und seine Abende im Internet zu verbringen, wo er sich als 47-Kilo-Schönheit vermarktet, oder Sieglinde, die sich nicht traute, ihren Vollbart abzunehmen und darauf Wert legte, sich weder als hetero- noch als homosexuell einordnen zu lassen, aber auch „¾Transmann“ oder „¾multisexuell“ schienen ihrer Identität zu enge Grenzen zu setzen.
„¾Ich bin einmalig, verstehst Du,“ waren ihre Worte.
Mir schwirrte der Kopf. Wie einfach mein Leben doch war! Alles im Endeffekt Schauspielerei!

Nina Queer genoss es, alle Tabugrenzen zu durchbrechen und blieb so immer im Gespräch. Ähnlich exzessiv wie Barbie Breakout oder Gérome, war sie aber noch immer dabei eine clevere Geschäftsfrau, die sich vom Pommesverkäufer zur Partyveranstalterin und zur Besitzerin einer eigenen Kneipe hochgearbeitet hatte. Ihre Go-Go-Tänzer waren ein uraltes, schwabbeliges Ehepaar, die nackt tanzten, und in ihren Shows wurden Bananen ausgekotzt, Nutella verschmiert oder das Publikum mit Hackfleisch beworfen. Die Berliner liebten das.
Ich war bei meinen Auftritten auch immer völlig entfesselt, versaute mein Playback, verlor meine Perücke oder fiel gleich ganz von der Bühne. So erarbeitete ich mir einen soliden, guten Ruf.

Tatjanas Geschichte kommt mir wie ein Zeitraffer von einigen Jahren Berliner Partyszene vor und sie lohnt sich absolut mal zu lesen.

Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil II
Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil I

Männliche und unbekannte Transen im KI

Immer wieder ruft der Klub International

klub-international_klein.jpg

Wenn ich mich nicht ziemlich irre ist der Klub International im Kino International Biggy van Blonds Party und das schon seit einigen Jahren. Zu dieser Einschätzung passt, dass Biggy eigentlich jedes Mal hinter den Turntabels stand als ich den Klub International besuchte.

imgp3287.JPG

Nun sind wir seit einiger Zeit aber ebenfalls jedes Mal am Start, wenn dort die Party abgeht, denn sie ist einfach eine der besten Monatsparties der Hauptstadt. Drei Dancefloors, eine große Bar und massenweise Leute, die man kennt und mag.

Am letzten Samstag war es wieder einmal so weit und wir waren verkleidet. Kitana war erst etwas verwundert, war sie doch alleine neben Janka, Sheila und mir unverkleidet. Das machte aber nichts, denn zum einen wusste ausser uns dreien wohl niemand, dass Faschingswochenende war, denn wir waren die einzigen verkleideten.

imgp3289.JPG

 

Irgendwer meinte allerdings auch in Kitana eine Verkleidung zu finden, wurde sie doch als Desiree Nick bezeichnet… und die ist immerhin über 50… Das war aber nur eine der beiden Beleidigungen, die Kitana über sich ergehen lassen musste. So meinte ein Securitymensch doch, sie darauf hinweisen zu müssen, dass der Tisch auf dem sie zeitweilig saß unter ihrem Gewicht zusammenkrachen würde. Das Sheila und Janka auch eine ganze Zeit auf einem dieser Tische verweilten, machte ihm hingegen wenig aus – und das obwohl Janka nach eigener Aussage zur Zeit ganz schön dick ist… 🙂

imgp3279.JPG

Dabei waren an diesem Abend erstaunliche Personen im KI unterwegs. Statt der üblichen Drags, die man immer wieder auf den üblichen Partys trifft waren am letzten Abend eher unbekannte Gesichter oder zumindest nicht oft gesehene Gesichter. So fanden sich beispielsweise Schwester Daphne von den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz mit einer ebenso bunt geschminkten Kollegin ein oder die beiden bisher nicht gesehenen Mädels Rubin und Sugar, die ich zwar nicht kannte, aber die doch uns bereits kannten. Soetwas solls geben…

imgp3309.JPG

Zwei andere Mädels waren nur in der männlichen Rolle unterwegs. Zum einen war das :Gloria Viagra:, die ich nun bereits mehrfach als Mann gesehen habe und so auch sofort erkannte – und eben Stella DeStroy, die ich, wie bei mir üblich, erst mit etwas Hilfe erkannte. …Jaja, aber nun hab ich auch sie erkannt. Großartig fand ich sie ja immer – nur bisher immer etwas spröde, hat sich dieses Bild nun deutlich geändert. Sympathisch und lustig ist sie.

imgp3313.JPG

Auch sympathish und keineswegs weniger waren die beiden Mädels, die mit Krizzi auf der Party waren. Leider weiss ich nur noch den Namen Anna. Das andere Mädel ist wohl häufiger mal bei Janka zum Haareschneiden und schaut dabei wohl gerne mal unsere neuen Bilder an. …Das offensichtlich so genau, dass ihr selbst Kleinigkeiten aufgefallen sind. Sie fragte mich zumindest, warum ich an diesem Abend keine Sonnenbrille aufhätte. An diesem Abend brauchte ich sie nicht, denn ich hatte ausnahmsweise ja mal keine langen Haare auf dem Kopf, die mir hätten ins Gesicht fallen können.

Nun, sie freute sich auf jeden Fall, uns mal live zu sehen

imgp3307.JPG

Ich freute mich auch – und zwar über einen ziemlich gelungenen Abend an dem ich auf Boxen, Tischen und Tanzflächen tanzte und eine menge Spaß hatte.