Der 1. Mai in Kreuzberg ist und bleibt spannend. Auch wenn Berlin mehr und mehr gentrifiziert ist, gehört ein 1. Mai doch zum Kreuzberger Selbstverständnis hinzu.
In diesem Jahr zog es mich aber am Morgen erst einmal nach Oberschöneweide. Einem Stadtteil von Berlin, den ich bis einige Tage vorher nicht einmal kannte. Die NPD wollte dort marschieren, wie schon vor einigen Jahren als sie Mitte besetzten… bzw dort marschierten – und die Polizei daher Mitte besetzte.
Mehrere Zugladungen an Gegendemonstranten machten sich daher vom Ostkreuz auf, um den Nazis die Tour zu verhageln. …. Es ist immer ein gutes Gefühl, so viele friedliche Demonstranten für eine gute Sache zu sehen. Echte Stärke.
Leider zeigte sich, dass die Demo nicht so gut vorbereitet war, wie vor einigen Jahren in Mitte. Ging es dort über verschlungene Pfade und einen Schrebergarten direkt Richtung Straße, beider sich eine überrumpelte kleine Polizeiabsperrung einfach überrennen ließ, war dieses Mal kein Durchkommen. …nun gut. Schrebergartenzäune kann man überklettern. Häuser eher schlecht.
Somit standen wir dann vor einer mit Räumpanzer, Wasserwerfer und Polizei-Marsmenschen gesicherten Polizeiabsperrung, die zu war. Keine Chance und weit, weit weg von den Rechten Marschierern. Schade. Ich finde ja, eine Gegendemo sollte mindestens hörbar, besser noch sichtbar sein… war sie hier nicht.
Die Gegendemonstranten wurden zudem auch noch weit zurückgedrängt und ich fand mich auf einmal in der neutralen Zone wieder in meinem Rücken rechte, dann Polizisten und ein Wasserwerfer, vor mir weitere Polizisten , dann die Gegendemonstranten… Ich in der Mitte von allem in der Sonne auf der Strasse mit zwei weiteren Personen und „Susi“ einem Mädel, die dort wohnte und dem Troubel in ihrer Strasse interessiert beiwohnte….Eigentlich alles nett. Zumindest so , bis Susi Nach Hause musste um Gegendemonstranten ihr Bad zu öffnen und CS-Spray aus diversen Augen zu waschen, denn obwohl es eigentlich eine sehr friedliche Demo war, wurde dann doch ordentlich Pfeffer oder CS-Spray in die Menge gesprüht… Dieses zeug ist Teufelszeug und wird von vielen Polizisten offenbar sehr sorglos eigesetzt….
Ich habe übrigens nichts abbekommen, da ich mich aus so etwas ja immer raushalte. Ich bekam nur allerhand Sonne ab und einen großen Sonnenbrand.
Die Gegendemo war weit genug von der eigentlichen Demo entfernt und wurde nicht gestört. Als Erfolg kann man es nicht wirklich werten, trotzdem finde ich es richtig da gewesen zu sein und meinen freien Tag geopfert zu haben, um gegen Rechts zu demonstrieren – selbst wenn Rechts davon nichts mitbekommen hat…. Insofern war ich auch nicht vollständig down, als es zurück nach Kreuzberg ging um das Myfest zu geniessen.
Gloria Viagra ist ja als politisch bekannt und postet alles was in dem Bereich wichtig und wssenswert ist auf Facebook. Manchmal kommen diese Posts auch an. So zum Beispiel ihr Aufruf zur großen Mieten Stop Demo zu erscheinen:
…schönstes Wetter.. WER SCHWINGT SEINEN ARSCH AUCH GLEICH AUF DIE GROSSDEMO GEGEN MIETABZOCKE ..??? wo kann man sich treffen..?
…ich hatte schon lose davon gehört und mir – eben so lose auch überlegt, dahin zu gehen, es aber dann sehr lose – auch wieder vergessen, Glorias Post brachte mich aber tatsächlich dazu, meinen Arsch aufzuschwingen die Ubahn in Richtung Herrmanplatz zu nehmen, um dann tatsächlich direkt nach Hause zum Oranienplatz mitzulaufen.
Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen Arme zu verdrängen
Irgendwie schwierig finde ich das ja, dort aufzukreuzen, wenn ich doch eigentlich selber Teil des Problems bin. Nur zum Verständnis, ich bin ein relativ gut verdienender Mensch, der sich irgendwann mal überlegt hat, dass Berlin toll ist und dass Kreuzberg noch toller ist. Ich habe direkt am Oranienplatz in Kreuzberg eine Wohnung bezogen und zahle dabei sicher mehr Miete, als die alteingesessenen Bewohner meines Hauses. Ich erhöhe damit den Mietenspiegel. Ich kann mir ausserdem noch einige Mietsteigerungsrunden leisten und bin also Mitschuld, wenn sich meine Nachbarn irgendwann die Miete nicht mehr leisten können.
Das goldene Stück Scheisse geht wohl (auch) an mich… aber wann sind dazugezogene eigentlich okay?
Immerhin rede ich nicht schwäbisch, führe keinen Kinderwagen durch Berlin und kaufe auch nicht bio, sondern mag Berlin so, wie Berlin JETZT ist. Trotzdem bin ich das Problem, auch wenn ich der Meinung bin, Berlin auch einiges zurückzugeben.
Wärmedämmung und 85% Mieterhöhungen laut Flyer
Aber auch als Problem kann ich auf das Problem aufmerksam machen und sei es nur durch die Anwesenheit auf der Demo oder diesen Blogbeitrag, denn es zog mch wie gesagt nach Neukölln um der Demo beizuwohnen.
Ich kam aus de U-Bahn und stolperte erst einmal über Info Stände der Linken, Grünen und einiger noch weiter linka anzusiedelnden Parteien und Vereinigungen. Ich war verärgert und war geneigt auch nach der FDP und der CDU zu suchen, die – so kurz vor der Wahl – bestimmt auch irgendwo auf sich aufmerksam machen wollten. Politische Parteien hatte in meinen Augen hier absolut nichts verloren.
Man glaubt keinen Wahlversprechen, egal von welcher Partei. Auch nicht Frau Künast
Richtig glücklich war ich demnach aus, als die Veranstalter allen politischen Vereinigungen mehrfach das Recht absprachen, diese Demo mit ihren Fahnen zu begleiten und sogar so weit gingen, dass sie jedem Demoinstranten das recht zubilligten. Den Fahnenträgern “dabei behilflich zu sein, ihre Fahnen runterzunehmen”. Auch Prominente hätten am Anfang des Zuges nichts verloren. Applaus von der Menge und Applaus von mir. Applaus auch dafür, diese Personen – ohne Fahne – trotzdem auf der Demonstration willkommen zu heissen.
Wenn ich einem Politiker seine Aussagen abnehme, dann ihm. Keine Demo ohne Hans-Christian Ströbele und sein Fahrrad.
Ich habe keine Ahnung, ob sich ausser Herrn Ströbele (und seinem Fahrrad), den ich auf jeder derartigen Demonstration begrüsse Prominente Personen irgendwelcher Parteien dazu hinabliessen, diese Demo zu begleiten, aber das taten wirklich viele Leute. Die Welt sprach von 1.000, die Berliner Morgenpost von 2.500, die Polizei ebenfalls dan 2.500 ud die Veranstalter von 6.000… Ich neige eine Zahl anzunehmen, die nahe an der Veranstalterzahl liegt, denn ich habe den zug einmal von beginn bis fast ende an mir vorbeilaufen lassen und es waren wirklich, wirklich viele.
Der Demoanfang ist nicht zu sehen
Man muss auch den Veranstaltern ein Riesen Kompliment machen, so viele Menschen zu mobilisieren, und gleichzetig eine so gute Demo zu veranstalten. Der zug lief nämlich keinesfalls wahllos durch Neukölln und Kreuzberg, sondern direkt an diversen derzeitigen Brennpunkten vorbei, die gezeigt und erklärt wurden.
Das Demoende auch nicht
Das waren dann Häuser der GSW, die entmietet und verrottet werden, Häuser, die Luxus-saniert werden, Leerräume, die es bald nicht mehr gibt, einer Stadtvilla, die etwa den dreifachen Quadratmeter hat oder das Carloft, dass an diesem Tag von Polizei und ihren Hunden geschützt wurde – übrigens auch der einzige Punkt, an dem die Stimmung umzuschwappen gefahrlief. Denn sie war die ganze Strecke ziemlich gut.
Das Carloft. Auswüchse vollkommener Unsinnigkeit. beschützt von gepanzerten Männern in Grün und ihren Hunden
Was nicht bedeutet, dass die Leute nicht sauer waren. ich hörte einige Gespräche von Personen, die selber entmietet wurden, die wegen Mietsteigerungen umziehen mussten oder in anderer Art sehr unzufrieden waren… Wobei es wirklich ein querschnitt der Mietenden dieser Stadtteile war und nicht etwa eine typisch linke Demo.
Die GSW lässt das Gebäude verrotten, bis auch die letzten Mieter ausziehen
Okay, es gab auch Autonome, Personen der DKP oder andere komische gestalten, aber diese waren eindeutig in der Unterzahl. Ich hatte auch das Gefühl, als sei dieses tatsächlich eine Demo gewesen, die sich mit der Stecke vergrößerte. Sehr gut. Auch wenn es einige komische Blicke bon Balkonen gab, waren die meisten doch von der Demo sehr angetan und zeigen dieses auch.
Erstaunt war ich auch, wie viele Kiez-, Mieter, Hilfsinitiativen es gibt. Viele! Gut, dass es sie gibt, schade, dass es sie geben muss.
Also großes Lob an alle, die da waren und an die Veranstalter, nur einen Hinweis, die nächste auf einen Sonntag, dann findet es auch in den gelesenen Zeitungen am Montag statt…
Berlin ist bunt, Berlin ist spannend, Berlin ist in Deutschland einzigartig, die Stardt ist etwas schmuddelig, sie ist herrlich unfertig und sie zieht Künstler und massig spannende Menschen aus Deutschland, europa und sogar weltweit nach Berlin.
Wenn ich das sage, dann spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Mich hat die Dragszene nach Berlin gezogen und das Gros der dort aktiven spannenden Menschen wären ebenfalls nicht in Berlin, wenn sich hier nicht alle spannenden Menschen sammeln würden. – Und die würden das eben nicht in einem zweiten Frankfurt tun.
Das unfertige von Berlin ist eben der Grund, warum sich dies und jenseits der Spree eine rege Clublandschaft entwickeln konnte, die wohl ihresgleichen sucht. Noble Clubs, wie das Spindler & Klatt, das krasse Gegenteil wie das Kiki Blomfeld, das Yaam, die Bar 25, oder im Nahen Umkreis Clubs wie das sage, den Tresor, das Berghain, die Maria, die wilde Renate oder oder oder…
Genau diese Clublandschaft und das kreative Berlin sind einer der Gründe, warum alleine 2009 fast 20 Millionen Übernachtungen angefallen sind. Klar ein paar kommen wegen Messen, aber Berlin ist keine Messestadt, ein paar kommen aus geschäftlichen Dingen, aber Berlin ist auch keine Stadt mit großem Gewerbe… Bleibt also Tourismus. berlins Historie, Berlins Kreativität.
Wenn ich unterwegs bin, beispielsweise in der Oranienstrasse, dann wimmelt es dort von jungen Touristen, die Berlin klasse finden, ich finde Berin auch klasse und damit das so bleibt bin ich gerne dabei, wenn sich vor meiner Wohnung am Oranienplatz einer der fünf Demonstrationszüge der großen Megaspree Demonstration in Bewegung setzt…
Und es waren eine ganze Menge Menschen mit mir unterwegs. gut so
Man könnte nun sagen: Viel Lärm um wenig. Man könnte aber auch sagen: Erfolg auf ganzer Linie.
Nun Gut, ich hatte mich entschlossen, es nicht so einfach hinzunehmen, dass Rechte am 1.Mai durch Berlin marschieren und hatte vor, dagagen aufzustehen. Folglich stöberte ich im Internet und fand heraus, dass der Treffpunkt um 9 Uhr am Alex war… Puuh 9 Uhr – am Samstag … Naja frühes aufstehen sichert die besten Plätze. Ergo quälte ich mich aus dem Bett, holte die Lederjacke und die Stahlkappenschuhe aus dem Schrank, prüfte den Saft auf meinem Iphone und machte mich auf den Weg zum Alexanderplatz.
An der Weltzeituhr fand ich dann auch ein versprengtes Häufchen möglicher Demonstranten, ein paar Punks, ein paar von “die Linke” einige normale, vielleicht 70 Personen – eher weniger. Ein elendig trauriger Haufen und ich hatte schon die Meinung, dass das alles nix würde. Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Trotzdem ging es los in die verzweigten unterirdischen Ubahnlabyrinthe in Richtung U2-Bahnsteig. Aus allen Eingängen kamen unten ein paar Leute hinzu und es wurden deutlich mehr – ein besseres Gefühl. Dann kamen wir zum U2 Bahnsteig und wir kamen kaum rauf, so voll war er. Das Gefühl wurde ein gutes.
Hier traf ich dann auch Clara und Sebastian, mit denen ich den Tag verbrachte.
Clara wunderte sich über meinen Meinungsumschwung, den ich nicht als einen solchen ansehe.
Ich bin immer noch der Meinung, dass eine angemeldete und friedlich bleibende Demonstration von der Polizei geschütz werden soll und nicht wegen einiger Gegendemonstrationen abgesagt werden soll – sodenn sie genehmigt wurde.
Ich bin aber auch absolut der Meinung, dass eine Genehmigung einer solchen Demonstration an einem symbolträchtigen Datum wie dem 1.Mai nicht passieren darf. Generell bin ich aber der Meinung, dass das Demonstrationsrecht auch für Idioten gilt. Es muss aber auch möglich sein. Laut und Deutlich und vor allem sichtbar, dagegen demonstrieren zu können.
Darum stand ich nun an der U2 und wartete auf die nächste Ubahn, weil die erste restlos überfüllt war und die zweite ebenso voll würde. Man drückte uns einen Zettel in die Hand, an dem unsere Gruppe eingetragen war. Barrikade 1, Barrikade 2, Hauptkundgebung .. und so weiter. Wir waren Barrikade 1. Na super: Kanonenfutter. Was solls. Da haben sich aber einige Leute allerhand Gedanken gemacht. Durch verschlungene Pfade ging es in Richtung einer Schrebergartensiedlung, vor deren Eingang zwar eine Besatzung eines Mannschaftswagens stand, jedoch 6 Beamte einigen hundert Personen wenig entgegenzusetzen hatten, einige Personen suchten derweil sicherheitshalber den Weg durch einen Schrebergarten, wobei ein Zaun nun neu erstellt werden muss. Wäre der Besitzer da gewesen, ich hätte ihm 5 € dagelassen. Er war nicht da.
Dummerweise waren wir hinten, verpassten also den Sturmlauf durch die erste Polizeiabsperrung. Als wir kamen hatten die sich bereits einigermaßen wieder geordnet und wollten uns nicht durchlassen. Dabei zeigte sich aber ganz Deutlich, dass Clara dort Vorteile hatte. Groß in Rock und Pumps, mit Puppenhaften Gesicht, aber doch irgendwie nicht ganz Frau fasste sie den Mut und ging einfach los. Verdutzte Polizeibeamte wussten nicht so recht mit ihr umzugehen und liessen sie passieren. Merke: Als Transe / Drag /Whatever hast Du auch auf Demos Vorteile. Gut zu wissen.
Ich musste mit anderen einen anderen Eingang zur Strasse nehmen. Den gab es und dort waren dann wieder nur ein paar beamte, die deutlich mehr Demonstranten passieren liessen mussten. Ich sah mich auf der Strasse sitzen und schaute in eine Masse an Polizisten und einen Wasserwerfer. Es kam wie es kommen musste – und das nicht unbedingt unerwartet, ich wurde dann irgendwann geräumt und stadt dann wieder ausserhalb der Absperrung, dafür aber wieder mit Clara und Sebastian zusammen.
Okay diverse weitere Wege führten uns dann schlussendlich zur Ecke Wysbier, Bornholmer, Schönhauser Strasse und hier waren mal richtig viele Leute. Die Veranstalter sprachen von 1.500. Kurz überschlagen kam ich auf deutlich mehr. Und es waren Leute aus allen Schichten aus allen Lagern. Punks und Rentner, Linke, Mütter mit Kindern, Politiker, Unpolitische Personen, Antifa, Schwule und Lesben, Ausländer Deutsche. Ja, sogar ein Hansa Rostock Fan, den ich kennenlernte und ein Bild-Mitarbeiter, den ich kenne. Ein echter Querschnitt und wie gesagt. Wirklich viele. Und so viele können wirklich laut sein, wenn sie müssen.
Gegen 14:30 setzte sich dann der Zug der Rechten in Marsch. Und es ist erstaunlich, was die heutigen Medien leisten. Es gab zwar einen Lautsprecherwagen, aber das medium des Tages war das Internet. Twitter links, Twitter rechts, Indymedia, altermedia, Taz und bild ticker. Was passiert, wie sieht es aus, was passiert anderswo und wenn man einfach einmal den Idealismusfaktor von allen Mengenzahlen anzieht oder zurechnet kommt man auf eine ganz gute Lageeinschätzung. Googlemaps weist den Weg zum nächsten Punkt und Taz, Indymedia etc zeigen, was da auf einen zukommt.Es sollten also etwa 500 Rechte marschieren, und alleine an diesem Blockadepunkt war locker die 4-fache Menge. Insgesamt etwa 10.000 gegen 500 oder eben 1 zu 20.
Mehr als nur ein Maskottchen. Ströbele
Erstaunlicherweise fand ich an diesem Punkt die Blockade nicht besonder stark. Okay, 2 Wasserwerfer und eine ganze Menge Polizei in Rüstung Pfefferspray und Schlagstockbewaffnet, Hunde etc, aber im Falle des Falles… schien mir das nicht auf Teufel komm raus gehalten werden sollen, wenn sich die Masse wirklich in Bewegung gesetzt hätte.
Klick für das Bild in groß
Von weitem Sah man den Zug langsam näherkommen, bzw. man sah die Polizeikarawane näherkommen, ein Lautsprecherwagen, viele Mannschaftswagen, ein Räumpanzer, drei Wasserwerfer etc. Dazu die zwei die eh da schon standen. Ne Menge Wasser schaute auf uns. Ganz in der Ferne sah man ein paar schwarz weiss rote Fahnen, die Rechten hielten eine Zwischenkundgebung ab. Sagte ich vorhin, dass solch eine Masse Menschen ganz schön laut sein kann war es nun interessant, wie leise solch eine Menge sein kann. Okay, das mit der Stecknadel stimmt nicht ganz, aber es beschreibt es doch ziemlich gut. Gespannte Ruhe oder die Ruhe vor dem Sturm…
Der Sturm kam nicht. Gegen 17 Uhr passierte seltsames. Die drei Wasserwerfer und der Räumpanzer drehten um und die Fahnen entfernten sich. Die Polizisten wurden lockerer, die Gegendemonstranten blieben noch etwas, die Hunde bekamen Maulkörbe angelegt und die Polizei gab auch die Dächer wieder frei, die sie besetzt hatte. Der Spuk war vorbei.
Statt über 6 Kilometer durch Berlin kam die Demo in der Tat nur bescheidene 600 Meter durch Berlin. Für diese 600 Meter haben sie reine Marschzeit 2 1/2 Stunden gebraucht.Ein Olympiasieg ist damit nicht drin. Auch wenn es mich 10 Stunden und schmerzende Füße gekostet hat, so war es ein Erfolg.
Ach übrigens, so war berlin nicht nur Nazifrei sondern auch Autofrei, wie man hier sehen kann. (Bildquelle: http://twitpic.com/1jxym7) Die Polizei hat gut abgesperrt
Ach übrigens, was die Polizei angeht. Natürlich gibt es rechte dort, aber das Gross der eingesetzten Beamten sind einfach arme Hunde, dass sie dort stehen müssen. Selbstverständlich müssen sie auch ab und an eine Sitzblockade räumen, aber ich denke nur der geringte Teil hat Spaß daran, Rechte zu beschützen. Da tut es ganz gut, auch mal in die Nachrichten der Rechten zu schauen.
Nach einiger Zeit ging es dann endlich weiter, um gleich wieder, diesmal nach längerer Zeit, zu stoppen. Dies sollte dann auch das vorzeitige Ende des Zuges bedeuten. Wir standen ungefähr 30 Minuten, bis man uns seitens der Polizei erklärte, man könne die Blockade angeblich nicht räumen. Wozu bringt die Polizei dann überhaupt zwei Wasserwerfer ins Rollen, wenn sie diese sowieso nicht einsetzen wollten ?
Soll heissen: Die Blockade sollte nicht aufeglöst werden, und weil sie da war, kamen die Rechten nicht weiter.
Ein Erfolg. keine Frage.
….achja, noch ein Wort zur Polizei. sie hat Links und rechts effektiv auseinandergehalten, die hat bei den Blockadeauflösungen “relativ” besonnen reagiert und sich auch bei üblen Beschimpfungen kaum aus der Ruhe bringen lassen. Sie hat die Rechten auf dem Kudamm festgesetzt und das Ende der Demo mit Pfefferspray beruhigt. Die große Blockade wurde nicht geräumt und Wasserwerfer kamen – glaube ich – nicht zum Einsatz. Generell war ich gewillt von einer sehr guten Arbeit der beamten in Grün zu reden – bis ich folgendes sah:
Ganz klar, ich weiss nicht, was davor war, aber das geht garnicht. Und genau dieses Bild bleibt im Gedächtnis.