Politische Dragqueens

So schnell kann es gehen.

gestern noch adelte ich :Gloria Viagra: als die Politischte Drag Queen in Berlin und schon heute muss ich diese Einschätzung widerrufen.

Mehrere geheime Informanten haben mir nämlich heute folgendes brisantes Material zugespielt, dass eindeutig zeigt, dass in diversen wichtigen Ämtern politische Drag Queens am Hebel sind. Sowohl im Bundesrat, oder im Roten Rathaus und selbst auf Ministerebene haben politische Drag Queens still und heimlich führende Positionen eingenommen.

Wenn man sich das so anschaut, dann kann man fast von einer dragqueenisierung der deutschen Politik sprechen…

Natürlich gibt es dabei Politiker, bei denen das eher zu erwarten war, aber eben auch welche, bei denen ich damit beim besten Willen nicht gerechnet hätte. Zu ersterer Garde gehören hier natürlich eindeutig die beiden Bürgermeister unserer beiden größten Städte. Ole von Beust und Klaus Wowereit. Beide schon seit geraumer Zeit als schwul geoutet und es interessiert niemanden. Nun können sie langsam den nächsten Schritt gehen.

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Während sich Ole zurückhaltend hanseatisch gibt, zeigt uns Wowi SEINE Farbe. Rot. …. Und wenn ich jetzt so richtig nachdenke… Auf dem CSD in Hamburg haben ja alle geschimpft, dass Ole nicht da war. Wer weiss es, vielleicht ist er ja gar
mitgelaufen, aber niemand hat ihn erkannt…

Aber neben diesen beiden, mir persönlich sehr sympathischen Polit-Transen, gibt es noch Personen, deren Politik meines achtens wohl eher darin besteht, abzulenken, dass auch sie ein weiches Herz haben. Vielleicht müssen diese beiden Polit-Transen sich auch einfach noch selber über sich bewusst werden. Wenn ich mir die Bilder so ansehe, sind sie sicher noch ziemlich am Anfang ihres Weges.

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Ich denke, da geht noch einiges. Vielleicht sollten sie einfach einmal eine gute Visagistin an sich ranlassen und wer weiss, vielleicht sehen wir ja alle vier einträglich auf dem nächsten Berliner CSD. Das wäre doch etwas.

Amy Winehouse @ Irrenhouse

Unter Strom im Irrenhouse.
Nina Queer im Irrenhouse

Am Wochenende bin ich mal wieder in die Heimat gefahren um ein pass zukunftsweisende Dinge zu klären und meine alten Winterreifen gegen meine in Hamburg lagernden Sommerreifen zu tauschen. Aber auch wenn es mich am Wochenende nach Hamburg führt komme ich nicht drumherum, an jedem dritten Samstag im Monat in Berlin zu sein, um die :Irrenhouse Party: von :Nina Queer: zu besuchen.

Also Mitfahrerinnen (erstmalig vier Frauen) eingepackt und rauf auf die Autobahn nach Berlin… Das ganze dauert natürlich immer etwas länger als gedacht und ab und an kommt auch noch ein wenig etwas dazwischen – naja auf jeden Fall kommt man meist später an als geplant. Bei mir war das etwas 22 Uhr… Essen, noch etwas entspannen, fertigmachen etc… Das schaffe ich nicht. Sheila angerufen „ich fahre heute selber“ und langsam ans Werk gemacht.

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Irgendwo gegen 10 vor 1 bin ich dan los und prüfte als letzte Amtshandlung meine Digitalkamera. – leer – . Und zwar so leer dass sich nichts tat. Hmmmm Mist. Das letzte Mal Irrenhouse hatte ich meine Kamera noch nichtverstanden und so keine Videos, diesmal war sie leer. Ergo. es würde auch keine Videos geben…. Wenn nicht… Ja, wenn ich nicht eine Steckdose für mein Ladekabel finden würde.

Ich fand! Ganz hinten in einer Ecke im Irrenhouse in der Sitzecke gab es eine freie Steckdose, die ich in Beschlag nahm. Mit der festen Gewissheit „Bis die Show beginnt bewege ich mich keinen Zentimeter hier weg“ saß ich dort also neben meiner gerade ladenden Kamera und langweilte mich. Nett, dass sich immer wieder Menschen um mich sorgten, ich aber mit Fug und recht behaupten konnte, dass mit mir alles okay sei und dass mir nichts fehlen würde – ausser eben ein Stündchen Strom für meine Kamera. Wie gesagt. Alle vergnügten sich, nur ich langweilte mich etwas.

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Aber was tut man nicht alles dafür, die Show in Bilder und auf Video zu bannen, denn tatsächlich gibt es jetzt die Premiere in diesem Blog. Irrenhouse Videos. …Jaja, ich weiss, dass man die bei Sheila schon lange bewundern kann. Aber hier ist es bene neu 🙂 Diese Ankündigung bedeutet aber auch, dass mein langeweile Einsatz erfolgreich war. Die Kamera war gut genug aufgeladen am ende.

Kommen wir also zum Wesentlichen, der Show.

Wie sagte :Nina Queer: noch? „Mit dieser Frisur sei klar, was da auf uns kommen würde“ Da war es, denn es war eine Amy Winehouse Frisur und folglich würde sie Amy Winehouse bringen. Ich mag ja die Musik von Amy Winehouse, schmissig, soulig irgendwie klasse – und sie selber ist natürlich auch eine – sagen wir mal spannende – Persönlichkeit, aber das ist Nina ja auch. Erst singend auf der Bühne, dann singend mit weisser Nase hinter Gittern. Ja, die Mädels suchen sich gerne die Härtefälle für ihre Darstellungen aus. Neulich Britney, heute Amy.. Wobei ich die beiden nicht wirklich vergleichen möchte. Das wäre ja, wie eine Schangeltranse mit Mataina zu vergleichen….

:Mataina Ah Wie Süß: kam nämlich danach und verzückte uns mit einer arabischen Nummer einem standesgemäßen Kopftuch und zweier sehr bärtiger Transen, die scheinbar lange lange keinen Rasierer mehr aus der Nähe gesehen hatten. Irgendein Ali, der mit seiner Mascha gerne würde, das dem Pascha aber nicht so recht gefällt und aus dem Bariton dann im Laufe des Liedes eher eine hohe Stimme wird. Eine Schere ist auch noch im Spiel… Meingott, wo gräbt die gute Mataina nur immer diese Lieder aus. Und wo hatte sie diese beiden bärtigen Transen nur her.. Irgendwie kamen die mir bekannt vor, nur die Bärte passten irgendwie nicht. hmmm schwer.

Keinerlei Erklärungsnöte gab es mit der nächsten Numer. Stella DeStroy ist nicht erklärungsbedürftig und auch das Lied Goldfinger aus James Bond sollte einem jeden ein Begriff sein. Stella hatte dazu ein großartiges goldschimmerndes Kleid an, um dass ich diverse Male im letzten Dezember herumgeschlichen war und es natürlich weg war, als ich mich dafür entschied. Jaja, ich weiss, Sheila sagt immer, „sofort kaufen“.. Es stimmt ja. Egal zurück zu Stella. Goldfinger also und das ganze gewohnt souverän abgespult. Mit durchaus einem Überraschungseffekt, der Youtube bestimmt dazu bringt, dieses Video zu sperren. Na mal sehen. Komisch, dass Nina solche Nummern zulässt. Ich hätte gewettet, sowas sei ihr auf ihrer Party vorbehalten 😉 Egal, es war ganz groß.

Groß ist dann auch die richtige Überleitung zur nächsten Nummer… aber ich glaube für heute reicht es erstmal mit Shownummern, morgen gibt es noch zwei.

… Als ich dann aber gestern so in meiner Ecke saß und meine Kamera auflud kam ein Typ zu mir und meinte, ob ich ihn noch kennen würde. Aus Frankfurt. …Da ich noch nie in Frankfurt war, verneinte ich das. Wir würden uns aber nicht aus Frankfurt kennen, sondern er sei aus Frankfurt… Des Rästels Lösung war, dass Babsi Heart der Job nach Berlin führte sie und diesen Abend mal als Man Berlin unsicher machte.

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Mal muss man ja auch aus Frankfurt raus kommen immerhin ist Frankfurt nicht gerade als Drag Hauptstadt bekannt. Da gäde es einfach keine Drags – schon gar keine Konkurrenz. Da wäre gerade noch Marlene Deluxe, aber die wäre eigentlich nur im Cocoon anzutreffen und das wäre es dann schon. Berlin bietet da wohl einiges mehr 🙂

Power für Polla

Dragqueen Familienfest für den guten Zweck
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Ein großes Lob an :Gloria Viagra: für die Ausrichtung der Benefizparty für Polla Disaster. Da muss ich ihr einmal vollständig zustimmen, wenn sie sagt:

Man kann so viel tun, man muss es eben nur machen.

Insgesamt kann man nach dieser Party sagen, dass die Szene zusammenhält, dass es aber offensichtlich schwer ist, weitere Personen als Gäste für solch eine Veranstaltung zu gewinnen. Leider war es, zumindest bei mir, unerwartet leer und :Superzandy: sollte Recht behalten, als sie anfangs meinte dass Benefiz immer schwierig sei.

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Chicago Rose & Linda Pearl

Ich hatte in der Tat mit einem Full-House im Kino International erwartet und war schon etwas verwundert als ich ankam und keinerlei Schlange vor dem KI vorfand. Nu, ich kam erstaunlich früh bereits kurz vor 12 und konnte direkt zur Kasse gehen… Ausnahmsweise und erstmalig fand ich es an diesem Abend einmal richtig und ich war liebend gerne Bereit, Eintritt zu zahlen. Immerhin war es ja für einen guten Zweck.

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Blenda Med & ich

Und Gloria räumte später noch alle Gerüchte weg, die über die Eintrittsverteilung bestanden haben könnten. Bis auf die Reinigungskosten gingen an diesem Abend alle Eintrittspreise und alle Getränkeüberschüsse direkt an Polla. Insofern gut angelegtes Geld. Und es kommt ja noch einiges Geld durch die Partys, die sich noch an der Aktion beteiligen, hinzu.

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Biggy van Blond & :Gloria Viagra:

Aber wie bereits erwähnt hätten ein paar Personen mehr der ganzen Aktion gut getan. So war es irgendwie eine Freunde von Polla Party mit einem schier unglaublichen „Transen pro normaler Besucher“-Verhältnis. Die wenigsten der berliner Drags, die nicht schon seit längerer zeit anderweitig gebucht waren, liessen sich nehmen, vorbeizuschauen.

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Tatjana

Nicht alle habe ich allerdings auf den ersten Blick erkennen können. So kam ich an die Bar im Frösi und sah dort einen Mann, den ich nicht kannte und eine Person im Ganzkörperlycra-Anzug mit kleinen Augenlöchern und einem Mundloch in das gerade einmal ein Strohalm passte. Okay okay nun werde ich Melli Magic in Zukunft auch ohne Makeup erkennen und als der Ganzkörperanzug mir seine „Super“-Kette zeigte, war es auch klar. Superzandy war in the House. Sie hatte nur keine Lust, sich fertigzumachen – fand es aber eben auch nicht richtig ungedresst zu erscheinen. So war es wieder ein ziemlich einzigartiges Outfit.

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Superzandy

Ansonsten freuten sich die verschiedenen Fotografen über diverse Fotos jeglicher perückenbekleideter Personen. Wo bekommt man sonst schon mal 5-7 Perücken auf ein Foto 🙂 An diesem Abend war das ziemlich einfach.

Und es kamen tatsächlich sogar mehr Drags als auf dem Flyer standen, so standen zum Beispiel auch Kaspar Kamäleon oder Chicago Rose auf der Bühne

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Mataina Ah wie Süß & Kaspar Kamäleon

Aber natürlich gab es auch normale Besucher auf dieser Party und da dieses ein echt nettes Bild ist, will ich das niemandem vorenthalten. Normalerweise kennt man diese „Ich-nehm-dich-auf-den-Arm“Bilder ja immer nur von Janka, die allerdings immer kleine Zwerge auf den Arm nimmt. Andersherum ist es doch auch wirklich süß, oder?

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Rezension: Die Diva ist ein Mann

Die Diva ist ein Mann – Das große Tuntenbuch

We are all born naked – the rest is drag! Ru Paul

Die ersten Meinungen, die ich zu diesem Buch gelesen habe, stammten leider von Leuten, die es eigentlich nur aufgrund des Titels beurteilten, es aber nicht gelesen hatten. Diese Meinungen spiegelten aber sehr deutlich eine nicht gerade große Akzeptanz für dieses Buch wieder. „auf genau dieses differenzierte Bild bunter Paradiesvögel unter diesem unterhaltsamen Titel habe ich gewartet… “ und ähnliche Meinungen waren zu lesen. Die Transgender Fraktion stellte die Waffen auf und das nur aufgrund eines Buchtitels.

barbie2.jpgDas war aber völlig unbegründet, denn dieses Buch heißt nicht von ungefähr Das große Tuntenbuch.

Okay, der Titel ist reisserisch und mit Barbie Breakout als Covergirl gibt es die wohl coolsten Tattoos berlins sowie eine Diva der Berliner Szene auf dem Umschlag, aber das ist okay, denn dieses Buch handelt eben nicht von der vielschichtigen Gruppe der Transgender sondern von der eben auch ziemlich vielschichtigen Gruppe der Tunten, die dieses Wörtchen garnicht als Schimpfwort verstehen.

Nichtsdestotrotz wird aber auch in diesem Buch deutlich erklärt, dass es eben mehr gibt…

„Tunte – die; n (ugs. für Frau; Homosexueller mit femininen Gebaren)“ In der Realität hat der schwule Mann im Kleid aber längstVerstärkung bekommen: die lesbische Tunte, die Hetentunte, der heterosexuell lebende Transvestit, die Drag Queen. Gender Trouble par excellence.

Klasse, soetwas zu lesen. Klasse dass überhaupt daran gedacht wurde. Ja, die Tunte ist in der Tat vielseitig und es gibt eben all diese Facetten. Das hat sich übrigens teilweise nichteinmal in der Tuntencommunity herumgesprochen, werde ich doch immer mal wieder wie ein Auto angesehen, wenn irgendwer feststellt, dass ich nicht auf Männer, resp. Männlichkeit stehe.

…Die Tunte kann dazu nichts sagen, da es die Tunte nicht gibt. Es gibt viele Tunte: Gelegenheits- und Dauertunten, homo-, hetero-, bi-, und multi-sexuelle, revolutionäre und opportunistische, frauenfeindliche und feministische Tunten.

… und Personen aller Facetten kommen hierin zu Wort. Trashtunten, Crossdresser, Dragqueens, Travestiestars, Polit-Transen usw…

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Schon das Vorwort wurde von einer Person geschrieben, der wohl lange niemand mehr Effekthascherei vorwerfen würde. Lilo Wanders höchstpersönlich schrieb einige Sätze für das Buch. Dahinter geht es Schlag auf Schlag. Nennt mir eine bekannte Drag oder Transe und die Chance ist groß, dass auch sie hier zu Wort kommt Olivia Jones, Gloria Viagra, Mary, Ru Paul, Daphne De Baakel, Ades Zabel, Gaby Tupper, Kaey Tearing, Mataina Ah Wie Süß, Nina Queer, Kaspar Kamäleon, Lady Bunny und und und. okay okay, ein paar fehlen, aber es ist doch schon ein ziemlicher Aufmarsch.

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100 Portraits und Interviews erzählen unterschiedlichste Ansichten, Lebensgeschichten und Erlebnisse. es kommen Tunten aus der frühen Tuntenbewegung zu Wort, es wird an verstorbene schillernde Figuren erinnert, es wird der manchmal schwere Stand der Tunte in der Gaycommunity ebenso zu Wort gebracht, wie die Dienste, die die Tunten dieser Community geleistet haben. Man findet die wichtigsten Filme zum Thema. Wigstock wird ebenso behandelt wie Wigstöckel. Aids ist ein Thema und die Schwestern der Perpetuelln Indulgenz. Viele Liedtexte und Zitate runden das ganze ab

Alles in allem sind es 223 sehr lesenswerte Seiten, die versuchen das Bild der Tunte etwas geradezubiegen. Ich finde es ist sehr gelungen und ja, ich kann mit dem Wort Tunte sehr gut leben.