Pecha Kucha Night

Warum ich bald einen Feldhamsterverleih aufmache.

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Ein Kollege hat mir gesagt, dass es da eine Pecha Kucha Night im Ballhaus Kreuzberg geben würde…. Eine klasse Veranstaltungsort, in dem ich schon tolle Lesungen gehört habe, aber an diesem Tag gab es dort Peche Kucha.

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Pecha Kucha? Nie gehört? Ich auch nicht. Des Rätsels Lösung ist folgende. Pecha Kucha nennt man kleine Vorträge zu jeglichen möglichen Themen, hauptsache es ist eine 21 Seitige Powerpoint-Präsentation, bei dem alle 30 Sekunden die nächste Folie beginnt.

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Nach 21*30 Sekunden ist zu Ende, Keine Verlängerung möglich. Sehr gut ist das bei langweiligen oder eher stragen Vorträgen, bei denen man weiss, nach dieser Zeit endlich Schluss ist, doof bei den guten. Von beidem gab es einiges:

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Ein Vortragender filosofierte über die Geschichte der Vollräusche und Partyabstürze von der Steinzeit bis heute, ein anderer erzählte über die Bürgerbewegung für das Gasometer in Berlin, wieder ein anderer erzählte von seiner Arbeit als Video und Audiovisualist für verschiedenste Events und Paul Kalkbrenner.

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Der Hit allerdings war aber Robert Ullrich, seineszeichens ein Abteilungsleiter Stadtplanung in einer kleinen Stadt bei Köln, der ebenfalls über seine Arbeit berichtete, genaugenommen über das was ihm Arbeit macht und welche kleinen Tierchen wirklich große Änderungen in Stadtplanungprozessen erbringe können.

Genaugenommen erzählte er, wie man als Bürger gegen bebauungspläne vorgehen kann. Welche seiner Lieblingsbücher man lesen und welche Tiere man kannen sollte. Ich sagen nur Feldhamster und Flussregenpfeiffer-verleih… Dieses Video ist unbedingt anzusehen, es startet mit 4 etwas langweiligen Minuten aber zum Ende wünschte man sich, es hörte nie auf. !!! Unbedingt ansehen !!!

Auch interessant, wenngleich etwas weniger lachhaft war ein weiterer Vortrag eines Fotografen, der ganz ohne zu viel Worte seine Bilder aus der ehemaligen DDR von knapp nach der Wende zeigte, Tristesse à la DDR. Da ich erstmals vor etwa 5 Jahren weiter im osten als in Travemünde war, ist das spannend mal zu sehen. Insgesamt gab es 2 extrem langweilige, 4 bestenfalls ordentliche sowie 4 gute und zwei sehr gute Vorträge. Kann man mal machen solch eine Pecha Kuche Night.

Tittentanz im Spitzenschlüpfer

Tittentanz im Spitzenschlüpfer-Berlins erste Lesung zum Ankieken

Trini Trimpop Lesung

Wenn meine Ex-Kollegin Andrea ruft, dann fällt es mir wirklich schwer, nein zu sagen, zumal das bisweilen in wirklich kurzweiliger Unterhaltung endet. So vor einiger Zeit geschehen, als sie mich fragte, ob ich Lust hätte, mit zu der Lesung von Rocko Schamoni in den Festsaal Kreuzberg zu kommen, was sich als wirklich gute Idee und großartige Unterhaltung erwies.

So brauchte ich auch dieses Mal keine fünf Sekunden überlegen um herauszufinden, dass ich auf eine Lesung von Trini Trimpop in ebendiesem Festsaal Kreuzberg Lust hätte. Wieder Mal ein Altpunk, dieses Mal eine Ex-Tote Hose würde unter dem Motto Tittentanz im Spitzenschlüpfer erotische Kurzgeschichten zum Besten geben. Das ganze wurde als

Berlins erste Lesung zum Ankieken

verkauft und ich wusste nicht so recht, was ich davon halten, bzw. überhaupt darunter zu verstehen hätte. Nun Trini Trimpop (was für ein bescheuerter Name übrigens) sollte sicherlich anzuschauen sein, wenn er den gerade liest.

fräulein rot - trimi trimpop

Nebenbei sollte aber, wie ich erst im Festsaal Kreuzberg erfuhr auch burlesque geboten werden? A-Ha… ? Wo kommt der Kerl noch her? Aus Köln? Da kenne ich burlesque Sternchen nicht, kann also interessant werden.

Vorerst warteten wir aber eine ganze Weile bei einer Club-Mate sowie den Blick auf einen großen und großartigen Leosessel, bis sich der Altpunker gegen 21 Uhr darauf niederliess und eines von drei eingeschlagenen Büchern zückte, um die erste erotische Kurzgeschichte vorzutragen.

Es ging darin um einen Mann, der aufwacht und wahrlich nicht weiss, was er letzte Nacht getrieben hat – und mit wem – und überhaupt. Wer ist das da neben ihm und wer ist Gaby, die die Schlüssel der Handschellen hat, und wer ist Uwe, der die Handschellen ohne Schlüssel hat und so weiter. Großartig und ich würde gerne den Tipp geben, wo man sie nachlesen kann, aber Trini Trimpop hat wie gesagt sein Buch unleserlich eingeschlagen…

Normalerweise dient solch eine Lesung ja immer dem Buch – also genaugenommen den Verkaufserfolgen des Buchs. Nicht so in diesem Fall. Die Alt-Hose schreibt nicht selber, sondern liest nur das Werk von anderen… Und das nichteinmal besonders gut.. Also das Lesen, nicht das Werk.


Die Geschichten waren bis auf eine kurzweilig bis großartig, was so alles passieren kann, wenn man bekifft mit seiner Freundin in der Wanne sitzt und wie Verbalerotik zweier Betriebswirtschaftler aussehen kann. Ziemlich klasse und durchaus den nicht billigen Eintrittspreis wert, wie auch der Teil, der dann zum Kieken war.

teaserettes im festsaal kreuzberg

Burlesque war angekündigt und kam dann tatsächlich auch – nicht jedoch aus Köln, wie ich erwartete, sondern aus Berlin, wie ich sehen konnte, als Cherry Temple die Bühne betrat. Und wo die ist, da ist der Rest der Teaserettes nicht weit. Und in der Tat, Fräulein Rot, Cheetah Bang Bang und Sandy Beach übernahmen das Ankiekprogramm zwischen den Kurzgeschichten. Eine witzige Idee und wirklich ein kurzweiliger Abend im Festsaals Kreuzberg zu Tittentanz im Spitzenschlüpfer

Rocko Schamoni Lesung

Rocko Schamoni – Ein Dorfpunk in der Großstadt

Vor einigen Tagen Tagen sah ich eine Twitter-Meldung meiner Ex-Kollegin, in der sie Begleitung zur Rocko Schamoni Lesung suchte. ….Rocko Schamoni? Da hatte ich doch vor einiger Zeit etwas bei Motor FM gehört. Dort wurden Teile aus seinem Buch Dorfpunks gelesen und das war schon großartig.

Rocko Schamoni ist als Dorfpunk vor vielen, vielen Jahren in Lütjenburg mit seiner Band Warhead unterwegs gewesen, bevor es ihn nach Hamburg zog, wo er mit der Punkband „Die goldenen Zitronen“ auf Tour ging. Später gründete er dann in Hamburg den großartigen „Golden Pudel Club“ Heute ist aber nicht mehr Musik sein Leben, sondern die Hochliteratur mit Büchern wie Risiko des Ruhms, Dorfpunks oder Sternstunden der Bedeutungslosigkeit.

Wie gesagt, aus dem „Dorfpunk“ hörte ich großartige Ausschnitte, die mir so gefielen, dass ich spontan zusagte und mit zur Lesung in den Festsaal Kreuzberg kam. Cool, direkt am „Kotti“ der wohl übelsten Stelle von Berlin ist ein kleiner, lauschiger Festsaal mit ca 300-350 Plätzen, hart mit Holzstühlen besetzt, die wiederum an diesem Abend voll besetzt waren.. Wer hätte das gedacht, die Lesung war bereits im Voraus ausverkauft. Karten an der Abendkasse? Fehlanzeige. Glücklicherweise hatten wir bereits welche, denn es lohnte sich extrem.

Rocko Schamoni ist großartig, er las aus allen seinen drei Büchern vor und sie waren alle ziemlich krank und sehr sehr lustig. Damit aber nicht genug, auch er selber ist sehr lustig. Die ganze Veranstaltung wurde von ihm zur Raucherveranstaltung erklärt, dazu sei es aber auch eine Trinkerveranstaltung, man sollte die Raucher also durch übermäßiges Biertrinken unterstützen und letztendlich sei es auch eine Handyveranstaltung, dass durchaus anbleiben durfte… Auch bei ihm, denn mitten in der Vorlesung rief beispielsweise Jochen Distelmeyer (ex Blumfeld bei ihm an und wollte sich mit ihm auf ein Bier treffen….

Aber der Fokus wurde natürlich auf seine Bücher gelegt – und seine Anekdoten darüber – und natürlich die Interaktion mit dem Publikum. Dazwischen Bier, viele, viele Zigaretten und massig Lacher.

..Ich bin mir nicht sicher, wie kaputt man sein muss um sich solch kaputte Geschichten zu überlegen. Seine Bücher handeln von echt spacigen Stilleben als Bilder, von Traktoren in New York, von Doppelboden-Öltankern und Reisen auf Ihnen, von Dorfpunks und englischen Skinheads, von Psychatern und allerhand Drogen. Manches mag autobiografisch sein, aber ich schätze, nicht allzuviel, denn für seine 43 Jahre hat sich Rocko Schamoni gut gehalten. …Ich bin mir sicher, dass sähe anders aus, wenn mehr als nur ein wenig aus seinen Büchern stimmen würde.

Es waren zwei extrem witzige, vergnügliche und verdammt kurzweilige Stunden, die jeden Cent des Eintrittspreises wert waren. Und auch wenn Rocko Schamoni ankündigte nur unter bestimmten Voraussetzungen noch einmal zu singen, sang er den Abend noch. Hört es Euch im Video an. Ein Kracher.

Also, wenn irgendwo mal Rocko Schamoni lesen sollte, dann geht unbedingt hin, es lohnt sich. Oder kauft Euch die Bücher – vielleicht noch viel besser, die Hörbücher, sodenn sie von ihm selber gesprochen werden.