Abendausklang im Bangaluu und am Reichstag

Dem deutschen Volke zuliebe – ab ins Bangaluu

Da es nicht weit vom Irrenhouse gelegen ist, kamen wir ziemlich schnell zum Bangaluu.

Als wir ankamen kam uns ein Mädel entgegen, die ziemlich begeistert erst mich ansah, dann in die runde schaute und von uns dreien begeistert war, sagen wir doch alle klasse aus. Schönes Kompliment.

Der Türsteher des Bangaluu schien das etwas anders zu sehen, fragte er uns doch danach ob wir eine Einladung gehabt hätten. (Das erinnerte mich an das Hamburger Golden Cut, die nach einem Schlüssel oder einer Reservierung fragten). Es ist eben eine einfachere Ansage statt einem „Ihr kommt hier nicht rein“.

ich schrieb es bereits an anderer Stelle, dass ich es traurig finde, wenn ein Club an einem Tag zu einer bestimmten Party eine gewisse Toleranz vorgibt, diese aber an anderen Tagen vermissen lässt. Im Golden Cut ist das die Unisex Party und im Bangaluu die wöchentliche La Loca Party. Ich wäre jetzt genervt gegangen und hätte das Bangaluu von der Liste meiner bevorzugten Clubs gestrichen – Sheila nicht. Sie betrieb etwas namedropping und nach kurzer Zeit liess uns der Türsteher tatsächlich rein. Vielen Dank.

Rein – und zwar gratis – liessen uns dann auch die beiden Mädels an der Kasse. Sie wollten uns für eine Dreiviertelstunde keine 10 € mehr abknöpfen. merci auch dafür.

Damit bleibt es ganz klar in meiner Liste der Coolen Clubs ganz vorne.

Tatsächlich machte das Bangaluu aber bald dicht und wir mussten uns irgendetwas suchen, was wir denn nun täten.

FOTOS! Und zwar am Reichstag.

Ein wenig Kultur zum Morgen war angesagt. Genaugenommen war uns der kulturelle Auftrag egal. wichtig waren ein Paar Fotos an wichtiger Stelle. So früh am Morgen hatte der Reichstag natürlich noch nicht auf und auch der Strom der Besucher war noch nicht da. Niemand störte uns also – doch halt ein Pächen sah uns und nahm schnell Reissaus. Sahen wir vielleicht so früh morgens nicht mehr wirklich gut aus? Hmmmmnööö ich glaube, die waren einfach nur Scheu.

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Nun wurde mir langsam kalt und ich musste ins Bett – übrigens noch viel Früher als mein Kollege Rik, der allerdings viel früher raus musste – was er morgens auch laut zeternd kundtat 😉

Witzig, dass rik am Abend von einem Bekannten, der ihn besuchte gefragt wurde, ob er makeup benutzen würde… Ooops da hab ich wohl etwas vergessen 😉

Baccara im Haus B

Baccara spielen sind alte Damen

Baccara

Du musst dringend nach Berlin kommen, säuselte Sheila ins Telefon, Da spielen Baccara im Haus B – In Originalbesetzung.Nun war Baccara für mich eher ein Kartenglücksspiel und die Originalbesetzung wären somit 312 Spielkarten eines französischen Blattes gewesen. Und selbst hier hätte ich nichteinmal die Regeln aufsagen können, denn mein Lieblingsspiel in der Spielbank ist Black Jack. …aber ich schweife ab.

Ein Blick in Wikipedia erzählte mir aber, dass es sich bei Baccara in diesem Fall mitnichten um ein Kartenspiel sondern viel eher um ein Popduo handelte, dass 1977 / 78 erfolgreich war. Man bitte mir nachzusehen, dass die Damen mir nicht sonderlich bekannt waren, waren sie doch erfolgreich, als ich so ca zwei Jahre alt war. Trotzdem musste ich zugeben, dass ich die beiden wichtigsten Lieder „Yes Sir, I can Boogie“ und „Sorry, I am a Lady“ tatsächlich kannte.

Ich gestehe.

Warum also nicht, sich das mal anschauen?

Wir besuchten also mal wieder das Haus B und es geschah, was nie hätte geschehen dürfen. Es war eine Schlange vor der Tür und wir mussten warten. Ich dachte Berlin sei da anders, wenn ich vor einer Disco in der Schlange warten möchte, dann könnte ich auch in Hamburg ins Golden Cut gehen, da bräuchte ich nicht extra Berlin asteuern.

baccara.jpgNaja irgendwann kamen wir rein und es war erstaunlich voll. Wollten etwa alle die Baccaras sehen? Nein, kann irgendwie nicht sein, denn die meisten anwesenden konnten die beiden Damen nur vom Hörensagen kennen – und die allerjüngsten wareen beide auch nicht mehr. Mittfünfziger schätze ich mal.
Nun Baccara sangen Halbplayback und man kann nicht wirklich sagen, dass das Publikum ausgeflippt wäre. Heillose Euphorie schaut irgendwie anders aus. Richtig interessant wurde es eigentlich nur, als eine der beiden Damen den DJ aufsuchen musste um eine der Halbplayback CDs zu übergeben und die andere sich und dem publikum die Zeit vertrieb und ohne Musik irgendeinen französischen Chansong zum Besten gab.

Ich muss zugeben, da hat man gemerkt, dass die Dame wirklich singen kann….

Ansonsten spulten sie profihaft ihre paar Hits herunter, gaben noch ein bis zwei Zugaben und verschwanden mit zwei riesigen Blumensträussen wieder von der Bühne.

Weil wir von der Show und dem Haus B gelangweilt waren, verschwanden wir auch und zur zur After Aua Party ins Kinzo.

Und ja auch, dieser Partyabschnitt hatte einen Soundtrack.

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Baccara – Sorry I’m a Lady

Unisex Gold

Unisex GoldEigentlich hatte ich ja gesagt, dass ich das Golden Cut nie wieder besuchen würde, da Läden, die mich nicht wollen auch Läden sind, die mich nicht verdienen. Ich hatte aber berechtigste Zweifel, dass man mich im Unisex Gold ebenfalls an der Tür abweisen würde, so vesuchte ich es also doch noch einmal mit dem Golden Cut.
(Gerne möchste ich immer noch wissen, ob die Türsteher an „normalen Tagen“ und am Tage des „Unisex Gold“ identisch sind.

Als wir kamen stieg irgendeine Drag gerade in eines der dort wartenden Taxis. Und aus dem Umstand, dass sie von der Clubinnenseite kam, schlussfolgerte ich, dass sie wohl reingekommen ist. Richtig! Das generelle Reinkommen war nicht das Problem. Das Problem war eher darin gemünzt, wann wir reingekommen sind.

Ich weiss nicht warum, aber in Hamburg ist es irgendwie einfach nicht so, dass man lässig an Schlangen vorbeistöckelt, und an der Kasse mit einem „Herzlich Willkommen“ durchgewunken wird. Ein echter Nachteil und vielleicht auch einer der Gründe, warum man die Transen und Drags in Hamburg, die auf Partys zu sehen sind an einer Hand abzählen kann. Da lobe ich mir doch Valerys Pearls of the night.

Okay, okay, hier hiess es anstellen und in der Kälte warten. Kälte alleine ist ja nicht so schlimm, wenn nicht Wind dazu kommt. – Der kam aber – und wie. Das Golden Cut liegt direkt an einer Häuserecke, die widerum direkt neben dem Hamburger Hauptbahnhof liegt – und der ist knapp 90 Meter breit. Etwa 45 Meter Wind verdichten sich also zu jeder Seite und kämpfen sich pro Seite vorbei. Das ganze endet in einem Sturm, der genau auf die Ecke beim Golden Cut trifft. Ich fühlte mich zeitweise Wie Marilyn Monroe. Zumindest flog das Kleid ebenso durch die Luft. Es war bitterkalt.

Reingekommen sind wir dann natürlich doch noch und im Gegensatz zum Foo Club war es zum Unisex Club eher zu voll als zu leer. Interessanterweise hab ich selten auf einer Gayparty so viele gutaussehende Mädels gesehen. Vermutlich haben diese einen normalen Golden Cut Abend erwartet und erst drinnen den Unterschied bemerkt. Das tat deren Feierlaune aber keinen Abbruch sondern war dem eher zuträglich. Vermutlich bewunderten sie ebenfalls wie Claudia die „wirklich vielen knackigen Jungs“ oder wunderten sich ebenfalls darüber, warum so viele kein T-Shirt mehr tragen würden… Nun so ist es eben.

Djana legte gewohnt klasse Musik auf und wir hatten eine ganze Menge Spaß und viel zu schauen. Mir wurde noch ein doppelter Vodka Redbull in die Hand gedrückt (sozusagen als Bestechung, dass wir nach der Party noch ins Daniels kommen würden) und Claudia stellte fest, dass selbst wenn Drag oder Frau vielleicht für die grosse Masse uninteressant seien, so die Kombination doch einigermaßen gut ankommen würde 🙂 Wen wunderts.

Auf jeden Fall lohnten sich die 12 € für den Unisex Club

Expeditionen ins T-Reich

Subkulturen: Studenten, Transsexuelle und 60ies Soulhörer.

Irgendwann wird es überall langweilig, so wurde es uns auch in der Un-Schlagbar langweilig, denn noch immer konnte ich wenig an der Gesamtthematik finden und ausserdem wollten wir ja noch weiter.

Zum einen wurde Claudia + 1 auf die Gästeliste des kürzlich neueröffneten Foo Club auf dem Hamburger Berg gesetzt und schlussendlich wartete noch die Unisex Gold Party auf unser Erscheinen.

Na nun bin ich ja mal gespannt, was passiert, wenn ich mit Dir losziehe…

meinte claudia und wollte mir nicht recht gleuben, dass wenig bis garnichts passieren würde… Okay okay, wir trugen beide keine Brillen, was die Zahl der erkannten Blicke auf ein Minimum schrumpfen lässt, aber es passierte eben tatsächlich wenig.

Irgendwann gegen 23 Uhr suchten und fanden wir den Foo Club um festzustellen, dass dieser erst um 0:00 die neu renovierten Pforten öffnet. An weniger Stellen in Hamburg kann man eine Stunde besser verbringen als auf dem Hamburger Berg. Uns zog es daher in unser erstes Subkulturstudienobjekt, die barbarabar.

Barbarabar

Die Barbarabar ist eine der typischen Musikkneipen auf dem Hamburger Berg und liegt komischerweise direkt neben dem Foo Club. Bevölkert wird sie, wie die meisten Läden in dieser Strasse vor allem von Studenten oder Personen, die zumindest mal Studenten waren.

Dienstags laufen Hörspielkassetten von den drei fragezeichen, auf den Tresenfernsehern laufen Heidi oder Barbapapa, Mittwochs wird gekickert und Donnerstag swing gehört. Ein alles in allem urfreundlicher Laden. Auch zu uns, den Claudia musste zugeben, dass man uns wirklich nicht allzusehr viel Beachtung schenkte.

Etwas weniger beachtung wäre mir allerdings von dem Typen lieb gewesen, der mich fragte, ob ich Kokain zu verkaufen hätte. (irgendwie verstärkt das mein Gefühl als sind alle Drags Drogendealer). Egal, damit Claudia etwas zu bestaunen hätte, schleppte ich sie auf die andere Stressenseite ins zweite Subkulturenstudienobjekt, die Villa Kunterbunt.

Von der Villa Kunterbunt gibt es zum glück kein Foto, und wenn, dann könnte man es von einem durchschnittlichen Schnellimbiss kaum unterscheiden. Ein Langweiliger Laden, der beliebter Treffpunkt nicht-deuschsprachiger Transsexueller, die dort streitend, zeternd und klönend auf Sex und Freier warten und hoffen.

An der Theke sitzt dann die Schar der Verlierer, die ebendarauf hoffen, sich das zu leisten, aber nicht gewillt oder gekonnt sind, oder selbst dann nicht rangelassen würden. Ich wurde den Ganzen Abend über auf jeden Fall nirgendwo so eingehend gemustert oder beobachtet, wie hier. …Was will die Transe heir und warum ist sie mit einer Frau hier?.. Die Villa Kunterbunt ist übrigens einer der Läden, wo Frau die Männertoilette besuchen sollte, da diese eindeutig sauberer ist.

Wir tranken auf jeden Fall schleunigst aus und zogen nun in den Foo Club der generell angenehmer war.

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Der Foo Club hiess schon Crazy Cat und hatte sicher auch schon x-andere Namen. Irgendwann war ich mal zum Familienkombinat in dem Laden und es war wirklich lustig. jetzt wurde er neu aufgamcht und soll als Foo Club die Massen anziehen. Leider kamen die Massen aber nicht. Wir kamen auf Gästeliste gratis rein und unterhielten uns etwa anderthalb Stunden mit dem einen DJ über Gott, die Welt, Musik, Subkulturen, Mods und Northern Soul.

Als irgendwann gegen 2 klar war, dass sich hier jetzt keine weiteren Besucher zu uns gesellen würden, fuhren wir ins Golden Cut zur Unisex Party, um mal zu sehen, ob es diesmal Gnade an der türe für mich geben würde.