Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin

Ein Standardwerk der berliner Transenszene?
tatjana.JPG


Tatjana
, ihreszeichens Berliner-CSD Hoheit von irgendwann bis keinerweisssorecht hat einen zweiten Teil ihres Werkes Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin ins Netz gestellt.

Sie beschreibt darin ihre erfundene Geschichte in der berliner Dragzene, Ihr Eintauchen und ihre Zeit als CSD Hoheit

Hab ich auch den ersten Teil nicht mitbekommen, so ist der zweite auf jeden Fall köstlich. Auch wenn Tatjana „Ähnlichkeiten mit allen anderen Personen oder Geschehnissen in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft“ allenfalls als Zufall betitelt, so kann ich mich dem Umstand nicht entziehen, dass mir diverse der Geschichten, der Personen, Partys oder Gepflogenheiten durchaus nicht ganz als Zufall erscheinen. Noch dazu sind die meisten Personen auch noch gut getroffen. Okay okay, etwas überspitzt doch, aber im Großen und Ganzen nicht vollkommen falsch wiedergegeben worden.

Diese Geschichte könnte man allen Berliner Neutransen als den großen Transenalmanach mitgeben. Tatjana erzählt über das Schwuz, Wigstöckel, das Irrenhouse, das Kumplenest, das GMF, Das Bangaluu, den CSD, die unterschiedlichen Transenszenen in Kreuzberg und Mitte, in Ihrer Geschichte kommen so unterschiedliche Personen wie Kaey Tearing, Gérome Castell, Chicago Rose, :Mataina Ah wie Süß:, Barbie Breakout, Melli Magic, :Nina Queer:, Polla Disaster, Tilly Kreuzfeldt Jakob, Biggi van Blond, :Ades Zabel:, oder Daphne de Baakel.

Wer das gelesen hat, hat schon mal einen ersten Einblick in die Berliner Drag- und Transeszene. Ich bin gespannt auf Teil III

Ein paar Auszüge:

Die tief liegenden Augen hatte ich mit megalangen falschen Wimpern kaschiert, meine Lippen einfach schamlos übergemalt und die Augenbrauen einfach einige Zentimeter über die ursprünglichen, stark gestutzten gemalt. Nur die große Nase konnte ich mit kosmetischen Tricks nicht verbergen, und den Adamsapfel auch nicht.
Aber da ich ja auch als schwuler Mann auftrat, der eine Frau spielt, und keiner wusste, dass ich eine Frau war, die einen Mann spielt, der sich schwul stellt, um eine Transe zu spielen, war es auch nicht weiter schlimm.
Ich hatte sogar extra die Haare an den Oberarmen gelassen, die zwischen Handschuh und ärmellosem Abendkleid hervorguckten. Ich fand, das gab mir in diesen Kreisen so etwas Echtes.

Gérome hatte begonnen, sich ein wenig um mich zu kümmern.
„¾Weißte, Alte, wir Transen müssen zusammenhalten. Jede von uns hat hier Töchter und Schwestern, das System hab ich aus USA mitgebracht. Na, sonst ha`m wa doch keen! Und wer soll sich kümmern, wenn nich die Familie? Ebent! Du bist jetzt meine Tochter. Und für Dich hab ich auch schon eine; Deine Tochter heißt Frank!“
„Meine Tochter heißt Frank? Auf gar keinen Fall,“ wehrte ich ab. „¾Ich kann selber nichts und habe gar nicht die Nerven, mich um so ein verlorenes Balg zu kümmern.“
„¾Frank ist kein Balg,“ sagte Martina ah – wie – Süß, die mit uns am Tresen des Bangaluu`s stand. Martina war die einzig festangestellte Transe der ganzen Stadt. In diesem schicken Club in Mitte, den Kaey sicherlich nur tot betreten würde, war sie die vollendete Gastgeberin. Sie mochte jeden und jeder mochte sie.

Gérome hatte mir Melli Magic und Barbie Breakout am Tresen des GMF vorgestellt. Das GMF war ein schicker Club in Mitte, wo am Sonntagabend die jungen, hübschen und reichen Gays des Berliner Nachtleben das Wochenende ausklingen ließen.
Jetzt verstand ich auch Kaey´s abfällige Bemerkungen über „¾Mitte.“ Die Transenszene in Berlin-Mitte unterschied sich offensichtlich sehr von der in Kreuzberg.
Barbie und Melli verkörperten Glamour pur.

Melanie, ein Lastwagenfahrer im Zebrakleid, der sicher 120 Kilo wog, aber trotzdem stolz bekannte, so jeden Tag zum Bäcker zu gehen und seine Abende im Internet zu verbringen, wo er sich als 47-Kilo-Schönheit vermarktet, oder Sieglinde, die sich nicht traute, ihren Vollbart abzunehmen und darauf Wert legte, sich weder als hetero- noch als homosexuell einordnen zu lassen, aber auch „¾Transmann“ oder „¾multisexuell“ schienen ihrer Identität zu enge Grenzen zu setzen.
„¾Ich bin einmalig, verstehst Du,“ waren ihre Worte.
Mir schwirrte der Kopf. Wie einfach mein Leben doch war! Alles im Endeffekt Schauspielerei!

Nina Queer genoss es, alle Tabugrenzen zu durchbrechen und blieb so immer im Gespräch. Ähnlich exzessiv wie Barbie Breakout oder Gérome, war sie aber noch immer dabei eine clevere Geschäftsfrau, die sich vom Pommesverkäufer zur Partyveranstalterin und zur Besitzerin einer eigenen Kneipe hochgearbeitet hatte. Ihre Go-Go-Tänzer waren ein uraltes, schwabbeliges Ehepaar, die nackt tanzten, und in ihren Shows wurden Bananen ausgekotzt, Nutella verschmiert oder das Publikum mit Hackfleisch beworfen. Die Berliner liebten das.
Ich war bei meinen Auftritten auch immer völlig entfesselt, versaute mein Playback, verlor meine Perücke oder fiel gleich ganz von der Bühne. So erarbeitete ich mir einen soliden, guten Ruf.

Tatjanas Geschichte kommt mir wie ein Zeitraffer von einigen Jahren Berliner Partyszene vor und sie lohnt sich absolut mal zu lesen.

Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil II
Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil I

Justice D.A.N.C.E – Art Brut St.Pauli

Ich habe meine Besuche in Berlin immer mal wieder dazu genutzt, auf Musik hinzuweisen, die dort gehört habe und die selten von Hamburger Radiosendern gespielt wurden. Das letzte Mal ist allerdings lange her und daher muss ich jetzt mal wieder auf zwei Bands hinweisen, die vermutlich jedem ein Begriff sind, mir aber bislang nicht waren.

Hier in berlin höre ich ständig diese beiden Namen – aber ich könnte wetten, dass sie in Hamburg auch dieses Mal nicht gespielt würden – und wenn doch, dann spricht es nur dafür, dass die Lieder wirklich klasse sind.

Justice – D.A.N.C.E

cool, ich weiss nicht wer Justice sind, aber ein Kinderchor und Beats wie von Daft Punk haben mich schon beim ersten hören mitgerissen. Elektronische Musik, die abgeht und voll reinhaut. geil.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=fo_QVq2lGMs[/youtube]

Art Brut – St. Pauli

Art Brut nenne ich hier nicht, weil sie besonders klasse sind, sondern weil mal wieder ein wenig Lokalcolorid in dieses Blog muss. Eigentlich sind die jungs eher für den Song Direct Hit bekannt, aber einen Song der St:Pauli heißt und vor allem aus der Textzeile „Pank Roc is nict tot.“ besteht, der muss einfach von mir gefeatured werden. Erstrecht wenn der mässig coole Radiomoderator zu bemängeln hatte, dass irgendeine Band ein lied kreuzberg nannte und art Brut eben St.Pauli. Ob denn wohl die nächste Band nun einen Titel mit dem Namen „Schwabing“ herausbringen müsste.

Pfff St.Pauli und Kreuzberg mit Schwabing zu vergleichen…

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=MB05ba9-_xI[/youtube]

Schlüsseldienst in Berlin

Ich bin aus Kreuzberg, Du Muschi.
kreuzb.jpg

In Zukunft kann ich diesen Satz aus dem Film Prinzessinnenbad ebenfalls sagen, denn seit zwei Tagen bin ich mit einer Wohnung in Berlin heimisch. Genauergesagt in Kreuzberg, Legiendamm, abgehend vom Oranienplatz knapp 300-400 Meter von meiner neuen Arbeitsstelle in der Oranienstrasse. 61 m² sind dort jetzt in der vierten Etage ganz oben an mich vermietet.

Damit bin ich nichteinmal zwei Jahre nach meinem ersten Besuch in Berlin und letztens monatlich ein bis drei Besuchen in dieser Stadt nun vollständig dort angekommen.

fernsehturm2.jpgZwei Sachen habe ich jetzt schon gelernt:

  • Der vierte Stock gibt, wenn man ihn so oft mit schweren Kartons nach oben rennt Muskelkater.
  • Immer abschliessen, denn Schlüsseldienste öffnen nichtabgeschlossene Türen in Sekunden.

Ja, genau Schlüsseldienst. …. Kaum wurde mir oben die Wohnung übergeben und das Übergabeprotokoll unterschrieben, machte sich der Makler mit der Gewissheit gerade zwei Monatsmieten an mir verdient zu haben wieder nach Hause auf. Da ich gleich etwas hochtragen wollte, folgte ich ihm auf dem Fusse. …Die neuen Schlüssel lagen dabei auf dem Übergabeprotokoll und das lag wiederum in meinem Wohnzimmer. Von mir nur durch eine geschlossene Tür getrennt.

Ich hatte mich also, kaum die Wohnung übernommen, und noch nicht einen Karton hochgetragen, schon ausgesperrt. Fuck.

Ein Schlüsseldienst musste also her. Ab ins nächste Internetcafe und verschiedene Schlüsseldienste in Berlin angerufen. Ich weiss nicht ob das tatsächlich so ist, oder ob es nur mein Gefühl ist, dass bei einem Schlüsseldienst nur Räuber und Verbrecher arbeiten. Die ersten drei verschiedenen Firmen mit unterschiedlichen Nummern bin ich offensichtlich in der gleichen Zentrale gelandet, denn alle nannten mir 100%ig die gleichen Preise. 20€ pro angefangene 15 Minuten Anfahrt und Abfahrt sowie 20 € pro angefangene 15 Minuten Arbeit + 19% MWSt…. Klar, dass die dann natürlich mindestens 16 Minuten jeweils fahren und arbeiten.

…ich verhandelte mit der nächsten Schlüsseldienst-Nummer einen Festpreis von 78 € bei garantierter Nicht-Zerstörung meines Schließzylinders, wartete und ärgerte mich über mich selber. Insgesamt hat der Schlüsseldienst keine 2 minuten Arbeit mit meiner Tür gehabt und ich weiss jetzt, dass es super-simpel ist, eine nichtabgeschlossene Tür zu öffnen.

Das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Ab jetzt wird immer abgeschlossen, damit ich so schnell nicht wieder einen Schlüsseldienst brauche.

Übrigens ist die Wohnung klasse und die Gegend irgendwie auch. Viele Cafes, Bars, Restaurants. Zwar hat mein Haus erstaunlich viele Ö’s oder Ü’s bei den Klingelnamen, aber das geht schon. Die ersten Hausbewohner haben auch schon Erfahrung mit Transen machen müssen, denn Sheila ist bereits meinen ersten Hausbewohnern über den Weg gelaufen.
Wie sagte Sheila noch von einigen Tagen

Sheila: Da steige ich nicht aus.
Ich: Seit wann bist Du denn so memmig.
Sheila: Nicht memmig – lebensbejahend.

Sie lebt noch, also geht das alles seinen richtigen Gang 😉

Aber ob es so richtig ist, dass bereits am zweiten Tag in dieser Wohnung in weniger als 100 Meter Entfernung eine knappe Polizeihundertschaft, zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer der Polizeit stehen mussten, das fragte ich mich gestern schon.

wasserwerfer.jpg