Cabaret @ Tipi am Kanzleramt

Cabaret @ Tipi am Kanzleramt

In der Regel durch irgendwelche Beteiligung von Sheila war ich mittlerweile schon wirklich oft im Tipi, dem großartigen Zelt am Kanzleramt. Ich habe dort schon viele tolle Shows wie beispielsweise die Briefs gesehen und andere Veranstaltungen, die mich nicht immer vollkommen vom Hocker gehauen hatten. Immer allerdings liebe ich den Veranstaltungsort.

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Sally Bowles, der Star des Kit Kat Klubs
© Jan Wirdeier

Als ich nun neulich erfuhr, dass Cabaret mal wieder aufgeführt würde – und als Sheila dann wiederum erfuhr, dass ich wohl die einzige Person in Berlin sei, die dieses noch nicht gesehen haben, führte es zu einer Karte zur Wieder-Premiere.

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Alpenglühn im Cabaret
© Jan Wirdeier

Erstaunlich voll war es im Tipi, obwohl doch an dem Abend die Deutsche Nationalmannschaft gegen – Algerien gleiche ich – im Viertelfinale antrat und aufgrund der Fanmeile der Weg absolut nicht frei von Strassensperren war und der Parkplatz-Platz in der Nähe auf – 0 – geschrumpft war. Ich parkte dann etwa 15-20 Minuten Fußläufig vom Tipi entfernt, dennoch sollte sich dieser Fußweg lohnen, denn ich wurde mit einem tollen Stück entlohnt. Mit eben oben genannten Cabaret.

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Cabaret 2014 – Franziska Lessing als Sally Bowles und Michael Kargus als MC ©Jan Wirdeier

Nun war ich nicht nur der vermutlich einzige Mensch auf der Premiere, der das Stück noch nie im Tipi gesehen hatte, ich war auch der einzige Mensch auf der Premiere, der Cabaret ÜBERHAUPTNICHT kannte. Auch der doch sehr bekannte Film ist vollständig an mir vorbeigegangen – und somit auch die Story. Einzug drei Lieder kannte ich.

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Bombenstimmung
Kargus / Eggemann / Wüscher / Wolff © Jan Wirdeier

Und mit dem ersten ging es gleich los mit einem großartigen Confroncierge, der durch das Stück führte und uns in das Berlin der 30er Jahre, in einen sündigen Cabaret Club namens Kit Kat Club – Na sowas aber auch – irgendwoher kenne ich den Namen doch.

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Cabaret 2014 – Franziska Lessing als Sally Bowles
©Jan Wirdeier

In eine Welt mit Schmuggel, mit Stripperinnen, Transen, Frivolität, Menschen die in Berlin eigentlich ein Projekt durchführen wollen (wie beispielsweise ein Buch schreiben) und dann in den Strudel der Nacht eintauchen, in Beziehungen und problematische Beziehungen, in Wohnungsnot und Arbeitsnot, in eine Welt mit Alkohol und kurzfristigen Liebschaften – und mit Politik.

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Seht sie mit meinen Augen!
Kargus © Jan Wirdeier

Klingt wie heute, klar. Ist es aber nicht, es ist das Berlin anfang der 30er Jahre, in denen Homosexualität ein Problem darstellt und ein Jude zu sein erst Recht und somit die Politik ebenfalls eine deutlich andere ist.

So erzählt der erste Teil von Cabaret wie der amerikanische Autor Cliff Bradshaw in den Strudel von Berlins Nachtwelt eingesogen wird im Kit Kat Club und eine Beziehung zum Showgirl Sally Bowles eingeht. Ein schnelles, heiteres Stück, mit Liebe am Leben.

Im zweiten Teil wird es dann düster seine Vermieterin Fräulein Schneider verliebt sich in den Ladenbesitzer Herrn Schultz einem in Deutschland geborenen Juden. Und dieses bei den dunklen Wolken, die über Berlin und Deutschland aufziehen mit der hässlichen Fratze des Nationalsozialismus.

Mich hat das Stück ab den ersten Tönen des großartigen Conférencier begeistert und das Spiel von Fräulein Schneider war großartig, mit einfachen Mitteln schaffte es das Tipi, großartige Bilder zu zeigen und mir mehrfach Gänsehaut auf die Haut zu zaubern. Im ersten Teil saß ich zumeist mit einem Dauergrinsen da, im zweiten Teil mit einem offenen Mund. Ein tolles Stück und ich werde es sicher nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Nur das Gegröhle der Fanmeile im Hintergrund störte etwas, aber da kann man dem Tipi ja nun wirklich keinen Vorwurf machen

Hedwig and the Angry Inch @ Admiralspalast

Hedwig and the angry Inch im Admiralspalast

OLYMPUS DIGITAL CAMERACopyright der „Hedwig Bilder“ Copyright, Peter Frank Hellbrück

Ein Vögelchen zwitschert mir eigentlich seit Jahren zu, dass der Film Hedwig und the Angry Inch ein Knaller sei und mindestens zum cineastischen Grundstock gehören sollte – erst Recht, wenn man sich etwas näher mit der Thematik dieses Filmes beschäftigt bzw. sich in dem Bereich bewegt… Und das tue ich nun einmal…

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Von soetwas habe ich mich aber noch nie beeindrucken lassen. Film und so ist mir größtenteils egal… Meist antworte ich dann damit, dass ich mich dafür ganz gut im Bereich Musik auskenne…. Doof allerdings wenn es sich dann wie in diesem Fall um einen Film mit viel Musik handelt, der sogar als Musical auf dem Broadway gespielt wird oder wurde…

Okay, der Off-Broadway zwar „Nur“ aber wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein… genaugenommen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass dieses Stück am glitterglitzerbombast Broadway funktionieren würde. dafür ist es einfach zu subersiv, wie ich gestern erleben konnte, denn gestern war die Premiere vom Hedwig and the Angry Inch Musical im Admiralspalast

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Und was hab ich da nicht schon alles gesehen… Musicals wie beispiel Moulin Rouge, die zur Pause bereits die Hälfte des Publikums vergraultspielt hatten genauso wie echte Kracher (The Producers, Rocky Horror Picture Show) mit verdienten Standing Ovations und glücklichen Gesichtern… Vorweg: Für mich gehört Hedwig And The Angry Inch eindeutig in die letzte Kategorie. Ich habe mich köstlich amüsiert und unterhalten gefühlt… Und mich ständig gefragt, wie so etwas in Amerika laufen kann, denn das Musical gehört eindeutig in diese Stadt und außerdem – wie können die prüden Amerikaner soetwas anschauen..

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Hedwig ist nämlich ein Berliner Junge, der im Osten aufwächst. Hedwig ist laut, berlinert, bisweilen obszön, trashig, musikalisch, pampig, mit großer Bünenpräsenz, dabei verdammt cool und ne Transe oder um es einfach zu machen, eine Melange aus viel Gloria Viagra mit Squeezebox ohne Sherry Vine, angereichert mit etwas Sweety Glitter und gewürzt mit dem besseren einer Nina Queer und einigen anderen Berliner Nachtgeschöpfen.

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Die Geschichte dieses jungen ist einfach erzählt. Hans – ein femininer Berliner Junge eingesperrt in der DDR – scheinbar verdammt guter Bläser verliebt sich in einen GI. Mit Perücke, einer gescheiterten OP, die ihm den Angry Inch übrig lässt und dem Pass der Mutter sowie einer Heirat mit diesem GI reist Hans als Hedwig in die USA aus.

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Der GI betrügt sie, im Trailerpark sieht sie in den USA die Mauer fallen… Nun ist sie eine weltweit ignorierte Chanteuse und man sitzt inmitten einem ihrer Konzerte und erfährt ihre Lebensgeschichte und was es mit diesem Tommy Gnosis auf sich hat, der all ihre Songs geklaut hat und damit zum Star wurde… aber dazu sollte man Hedwig im Admiralspalast besuchen… und dazu rate ich jedem.

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Hedwig and the Angry Inch ist wohl das Musical mit dem höchsten Wortanteil, das ich je gesehen habe, aber extrem witzig, subversiv, cool. Mit massig Anteilen, die man eigentlich nur verstehen kann, wenn man Berlin kennt – zumindet ein kleines bisschen. Ich hab mich niemals gelangweilt aber umso häufiger herzhaft gelacht. Die Musik dazu ist rockig-trashig tanzbar, ich finde, sie hätten die Stühle auch zur Seite räumen können um einfach zu tanzen. Dazu ist die Absinth-Bar im Keller des Admiralspalast ein wirklich optimaler Ort für solch ein Musical. Kurzum: Alles richtig gemacht.

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Ich wünsche den Machern, dass es ein großer Erfolg wird und die Berliner den Keller im drei mal insolventen Admiralspalast (lernte ich aus dem Musical 😉 ) bevölkern. Also: mein Befehl hingehen und unterhalten lassen … 🙂

Nacht-Tankstelle @ St. Pauli Theater

Nacht-Tankstelle @ St. Pauli Theater
oder aber
Selten ein Musical mit so wenig Inhalt gesehen

Nachtankstelle - St.Pauli Theater
Foto: Oliver Fantitsch
Danke an das St. Pauli Theater

man kennt sie ja aus Funk und Fernsehen. Die bekannteste und mit sicherheit auch umsatzstärkste Tankstelle Deutschlands. Die ESSO „Kieztanke“ auf der Hamburger Reeperbahn. Tausende wenn nicht noch viel mehr Geschichten ranken sich um diese Tankstelle. Alleine ich habe eine ganze Menge Geschichten, die um diesen Rund-Um-Die-Uhr-Supermarkt und Kiez-Treffpunkt handeln.

Sei es der Kauf von Rotwein und Kerzen für eine nächtliche Elbstrand-Party oder der üble Weg zu meiner allerersten Trannyparty, der mich an der Kieztanke vorbeiführte. Stoff für tausende mögliche Theaterideen oder aber für ein Musical.

Kiez-TankeDie original Kiez Tanke

So hat sich das St. Pauli Theater gedacht, und die Nacht-Tankstelle vor einigen Jahren ins Programm genommen. Der Gedanke ist gut: verschiedene vollkommen verschiedene Charaktäre verbringen den Heiligabend aus unterschiedlichsten Gründen mehr oder weniger zusammen an der Kieztanke

Die junge Punkerin, der junge Hip Hopper, der keine Lust auf seine spiessige Familie hat, der etwas intellektuelle ältere mann, der mit seiner Frau nicht so gut auskommt und seinen Kummer in Rotwein stilvoll im Glas ertränkt, der alleinlebende Seemann und die rüstige Rentnerin, die aus dem Altersheim ausgebüxt ist… Dazu diverse Personen die mal eben vorbeikommen…

nacht tankstelle

Alles mit ein wenig Melancholie und das ganze Singend, denn es handelt sich bei der nacht-Tankstelle um ein Musical. Ein erfolgreiches noch dazu… und ein hochgelobtes:

Hamburger Abendblatt:
„Hamburgs bestes Musical spielt auf dem Kiez. Der neue Liederabend von Franz Wittenbrink wurde bei seiner Premiere im St. Pauli Theater mit großem Jubel und absolut verdienten Bravos gefeiert.“

Die Welt:
… sieben sensationelle Darstellter liefern pralles Musiktheater.“

…Ehrlich? Ich bin mir nicht sicher, welche anderen Musicals das Hamburger Abendblatt noch so gesehen hat, aber ich habe in den letzten Jahren wirklich eine ganze Menge Musicals gesehen bei denen großer Jubel und Bravos verdient waren. Die Nacht-Tankstelle war leider keines davon. (Nicht nur) Ich fand, dass aus den tausenden möglichen Geschichten kaum etwas gemacht wurde. Genaugenommen hatte das ganze Musical eigentlich keine wirkliche Handlung, kaum Text und keine hamburg oder Kiezspezifischen geschichten, die eben nicht auch irgendwoanders hätte passieren können. Dazu waren viele der Songs zwar gut gesungen aber nicht jeder hätte wirklich sein müssen.

Nacht-Tankstelle

Kurz gesagt, ich war etwas enttäuscht und meine beiden Begleitungen ebenfalls. Aber nichts gegen das St. pauli Theater, ich habe dort wirklich schon tolle veranstaltungen gesehen, nur dieses Musical hat mich nicht wirklich überzeugt.. Dafür war es dann doch zu teuer.

Grease @ Admiralspalast Berlin

Grease Musical.
Fliegende Tellerröcke, Rock’N’Roll und etwa eine Minute Daniela Katzenberger

grease admiralspalast

Man sah es schon lange auf Plakaten in der Hauptstadt: Grease würde im Admiralspalast aufgeführt werden. Nicht als Eigenproduktion des Admiralspalast sondern ein fahrendes Musical, dass nach etwa einem Monat im Admiralspalast zur nächsten Location weiterzieht.

grease musical admiralspalast

Daran wollen wir aber nicht denken, denn jetzt war erst einmal die Premierenveranstaltung und zu der hatte ich zwei Karten. Ein guter Anlass mal meine Ex-Kollegin Andrea auf einen Musicalbesuch einzuladen, für den sie sich extra noch ein schwarz weiss gepunktetes Kleid kaufte. Dass wir dann beide ebenso gepunktet unterwegs waren, war dabei aber weder abgesprochen noch geplant. Obwohl es war ja bei mir kein Kleid, sondern nur ein wunderbarer Rock von Redcat 7.

DSC00902mein Rock ist von Redcat 7

Aber zum Musical… Ich denke zu Grease braucht man generell wenig zu sagen. Den Film sollte jeder schon einmal gesehen haben, dass dort John Travolta und Olivia Newton-John den Begriffen „Pomade“ und „Tellerock“ ein Denkmal gesetzt haben. Ein Musicalfilm mit großartiger Musik und viel Tanz.

grease musical

Selbstverständlich gehört solch ein Film auch auf die Bühne. Und diese war in diesem Fall der Admiralspalast. Leider gibt es bei reisenden Musicals ja immer das Problem, dass die Bühnen und Kulissen eben für jede Bühne funktionieren müssen und so eben nicht auf eine besondere Bühne zugeschnitten sein, aber von Mama Mia weiss man ja, dass auch einfache Kulissen funktionieren können, wenn der Gesang nur stimmt.

grease

Und der stimmte – und der Tanz auch – und im Gegensatz zum vor langer Zeit mal als fahrendes Musical gesehenem Musical „Moulin Rouge“ absolut auch die Kleidung… Die allerdings hätte ich mir beim Publikum etwas ausgefeilter gewünscht. Es war immerhin eine Premiere doch leider zeigte das Publikum dieses nicht unbedingt. Keine 50er, keine 60er kein nix. Schade!

DSC00904…Sheilas Kleid auch ist ebenfalls von Redcat 7

Insgesamt war Grease im Admiralspalast eine ziemlich kurzweilige Angelegenheit… Apropos kurz. Man las im Vorweg der Premiere davon, dass Daniela Katzenberger eine Rolle im Musical übernehmen würde. Eine Lehrerin mit etwa 3-5 Sätzen und einer Länge von vielleicht 2 Minuten….. Wirklich keine Rolle, die das Musicalgenre von Grund auf verändern würde und trotzdem ein Grund, sie zum Verneigen vollständig in die Mitte zu nehmen… Hmmm

daniela Katzenberger Grease

Da hätte ich die beiden Hauptdarsteller erwartet von denen ich mir die ganze Zeit überlegte: woher kenne ich die Sandy nur… Irgendwo meinte ich die schon einmal gesehen – wir allem aber gehört zu haben. Dem Begleitheft entnahm ich, sie war in Tanz der Vampire in Berlin dabei.. und ich möchte wetten, dass ich sie daher kannte. Erstaunlich. Stimmen kann ich wiedererkennen, Personen nicht.

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So erkannte Sheila auf der Aftershow Party irgendwelche Schauspieler, die ich noch nie gesehen habe, Andrea erkannte das halbe GZSZ Ensemble und ich erkannte mal wieder überhaupt niemanden, aber so ist es eben. Es war trotzdem ein sehr netter Abend mit Grease im Admiralspalast und ich freue mich jetzt schon diebisch auf die Rocky Horror Show , die zum Jahresende wieder im Admiralspalast aufgeführt wird, denn letztes Mal war sie wirklich wirklich gut

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