Incognito – Travestie Bar

Ich dachte ja, ich hätte so langsam alle Bars und Clubs gesehen, in denen sich in Berlin Travestie abspielt, aber es finden sich doch immer mal wieder kleine Ecken, die man – also ich – noch nicht kannte. Das Incognito dieses Mal.

Das Queerboot war am Wochenende in der Stadt und somit eine ganze Menge Mädels aus ganz Deutschland und es wurde eine Queerboot Preparty im Incognito ausgerufen, die Nadine und ich besuchen wollten und zumindest Melly Wonder wollte auch noch kommen. Okay, Incognito kenne ich zwar nicht, wenn es Travestie ist, warum nicht mal ausprobieren, zumal bei der Begleitung.

Nadine kam erst einmal zu mir.. In Jeans und Top und überlegte eine ganze Weile rum, ob sie auf den mitgebrachten Rock wechseln sollte. Allerdings war er ihrer meinung nach zu durchsichtig… zu durchsichtig geht in dem Fall zwar gar nicht, ich musste aber zugestehen, dass er nicht so 100%ig wirklich blickdicht war.

Aber wozu habe ich einen knallgefüllten Kleiderschrank. Genau! Um jungen Damen in Not auszuhelfen. Ein Griff in den Kleiderschrank, ein Pailettenkleid in der Hand. Dazu eine Einführung in „How to: Doppelseitiges Klebeband“ Et Voilá: ein heisses Geschoss in (m)einem heissen Kleid…  😉

So heiss, dass es ein leichtes gewesen wäre, den doch sehr interessierten Taxifahrer so zu bezirzen, dass er sich locker zu einer Gratisfahrt hergegeben hätte, wenn sie es denn wirklich darauf angelegt hätte. Hat sie aber nicht.

Das Incognito ist ein Travestie-Schuppen, wie man es sich Travestie eben vorstellt: Die Incognito Sisters tragen Glitzerfummel und ausladende Perücken und sind vor allem nie einem knackigen Spruch verlegen. So erwartet man es ja auch.

Insgesamt erinnerte mich das Incognito irgendwie ans Rauschgold, statt Goldfolie ah man hier allerdings Silberfolie. Sterne mit Bildern an der Wand, die Bar insgesamt in rot gehalten und wenn ich jetzt das wort etwas „kitschig“ verwende, dann ist das keineswegs und absolut nicht abwertend gemeint, denn eine Bar mit klassischer Travestie muss so sein. Erfreulich nette Personen hinter der Theke übrigens, gleich als wir das incognito betraten wurde uns ein Glas Prosecco spendiert… welch eine Aufmerksamkeit.

Bis auf Nadine und Melly – die als Typ kam – kannte ich im Incognito niemanden, auch, wenn einige – wenige – Personen mich offensichtlich kannten, machte aber nichts, denn unterhalten fühlte ich mir gut. So unterhielt ich mich beispielsweise gut mit Claas, einem Typen, der im Incognito mal arbeitete und wohl zum Inventar gehört. Eine coole Type mit einem trockenen Humor.

Irgendwann waren die Shows zu Ende. Das Incognito leerte sich von alleine, Nadines Glas durch meine Hilfe und wir überlegten zu dritt, was wir mit dem Abend noch so anfangen sollten… Glücklicherweise nichts, was sich als gute Idee am Nächsten Morgen herausstellen sollte, als mein Wecker schon vor 9 Uhr (ja morgens) klingelte.

Zoe in Stücken

Samstag:

Treffen mit Nadine und unerwarteterweise Anstandswauwau ihrer Mutter am Alexanderplatz im Mio… Immer etwas seltsam dieser Russenkitschladen. An einem schönen Tag aber in den Hängesesseln wirklich nett.

Irgendwie kamen wir auf das Thema Primark und eh ich mich versah, saßen wir im Auto Richtung Schloßstraßencenter.. nur noch allerdings zu zweit um unserem gemeinsamen Schuhfetisch zu fröhnen.

Ich glaube zwischendurch waren es locker 10 Paar Schuhe in unserem gemeinsamen Beutel – was die Sache nicht einfach macht, denn Schuhe in Schuhgröße 41 unterscheidet nun soooo viel nicht von ebendiesen in 40… ausser die Zahl unten und der Schmerz am Abend. Zumal manch Schuhe sich doppelt im Beutel befanden… Suchen anprobieren, aussortieren…

Vollkommen in der typischen Art suchten wir uns nicht nur das höchste des Ladens aus, sondern auch gleich noch das teuerste als spätere einzige Schuhe aus.. was gerade mal 20 bzw 22 € bedeutete…

Meins! … also der Schuh links, da braucht sie gar nicht so grinsen 🙂

Während ich etwa eine Viertelstunde tragen brauchte, um mich für die extrem hohen, extrem coolen High Heels zu entscheiden, ging es bei Nadine eher um an – aus – an – aus.. ein Paradies für Mädels und Transen.

…Aber dass der Typ da sowas öfter trägt, konnten die Mädels dort ja net wissen, bezichteten mich doch zwo Hühner leise lästernd aber doch laut genug für Teloskopohren „einen auf Bruce Darnell zu machen“ … was nur insoweit stimmte, dass sowohl Bruce als auch ich besser auf  High Heels laufen können als die beiden, doch fehlt mir zu seiner Hautfarbe noch die ein oder andere Stunde im Ghettotoaster.. außerdem weine ich nicht so oft. Aber mit den Schuhen an, war ich mindestens zwei Kopf größer als der Rest der rumwuselnden Mädels da – mit Ausnahme von Nadine. Gloria Viagra Feeling beim Schuhekaufen.

2 Stunden, zwei Paar Schuhe, welch miese Ausbeute… Irgendwie ergaben sich während diverser Gespräche an meinem Handy, die allerdings nicht ich führte, Gästelistenplätze im Adagio und um das irgendwie gebacken zu bekommen führte uns der Weg von Steglitz (primark) zu mir in Kreuzberg um Zoe in Stücken abzuholen nach Niederschönhausen ? (oder so) um sich gemeinschaftlich uffzustylen.

Erstaunlicherweise brauchten wir beide in etwa gleich lang, was dem miesen Gerücht entgegen spricht, dass wir extrem lange brauchen würden. Nene Frauen brauchen bisweilen ebenso lange 🙂

Nach genügend Zeit, einer halben Flasche Rotwein und Verwüstung ihrer Küche mit meinem Make Up – was mir einigermaßen peinlich ist – waren wir fertig und warteten auf die noch fehlende Abendbegleitung um gemeinschaftlich zur S-Bahn Richtung Adagio zu stöckeln… zumindest zwo von uns vieren… wobei sich eine von uns vieren (Ein Rätsel: ich wars nicht) noch einmal kurz gegen so hohe und für etwas weniger hohe doch besser tanzbare Schuhe entschied…. Memme 😉 …obwohl die waren schon bannich hoch.

Und warum schrieb ich das nun alles, obwohl weder der Weg zum Adagio noch das Adagio speziell interessant waren? Ach eigentlich nur um dieses nette Bild nicht ganz ohne Artikel zu posten und oben meine tollen neuen blauen Schuhe zu zeigen… 🙂

Zwei absolut nachvollziehbare Gründe, gell.

Update nach Jessis Comment um der Story doch noch ein wenig Pepp zu spendieren:

Musst du umboxen, oder Stechen…

Es gibt ja immer wieder Idioten, die offensichtlich einen Bechern und andere Leute dumm anmachen, und jene die sich dem unbedingt stellen müssen und nicht einfach weggehen können. Erstere Person lief uns über den Weg zweite befand sich in unserer Gruppe.

Ich weiss nicht mehr genau, um was es ging – vermutlich um nichts, aber sie bekamen sich in die Haare… witzig war sein Kumpel, der meinte einen dritten Kumpel vor mir warnen zu müssen

„Achtung, das ist nicht, was nach was es aussieht“

was ja fast ein Kompliment ist, war anders gemeint, genaugenommen Gegenteilig.

Ich: So, was bin ich denn?

Er: Mir brauchst du nichts erzählen, ich bin Türsteher im Schwuz, ich kenn das“

Ich: Aha, sieh an, na und?

Er weiter: Ich bin da der einzige Hetero unter lauter Schwulen

Offensichtlich hat das Schwuz ein Türsteherproblem, denn zu späterer Minute hat ihn meine Anwesenheit immer noch nicht losgelassen und er meinte jetzt seiner Freundin (der im übrigen das einigermaßen peinlich schien) mich erklären zu müssen.

Er: Er….Es…. ääh
Ich (mit einem Lächeln): Sag einfach „Sie“, das erfordert der Anstand
Er (ohne Lächeln in der Devise): Bist du umgebaut? Wie gesagt ich kenn das.

Ich: Was hat denn das, damit zu tun?

Er: Äh

Danke! Ein „Sie“ konnte er sich nicht abringen… Aber ich weiß nun… „Das er das kennt.“ Wie genau er „das kennt“ und ob er wirklich der „einzige hetero unter lautes Schwulen“ ist, kann er gerne mit seiner Freundin ausdiskutieren… das könnte erstaunliches zu Tage fördern…

Ich sollte mal wieder ins Schwuz gehen, nur um diesen armen Türsteher zu verwirren…

währenddessen gesellten sich zu den eigentlichen Streithähnen noch ein Paar Türken, denen ich nach kurzem Blick weitaus egaler war, sie hatten die Aussicht auf einen guten Kampf, den sie mit den Worten „Klärt das wie Männer, musst du umboxen oder stechen…

Dazu kam es dann nicht mehr, zumindest für uns nicht, alles war geklärt und der Idiot hatte nun mit einigen aggressiven Türken zu tun, Zeit sich zu verziehen 🙂