Biggest Gayevent Dirty Nights

Oder eher doch nicht das „biggest gayevent“

…ich halte es da ja in den allermeisten Fällen eher mit hanseatisch vornehmer Zurückhaltung. Daher habe ich persönlich auch immer ein kleines Problem damit, wenn jemand den Mund sehr weit aufreisst. Vermutlich ist dieses einer meiner kleineren Fehler, dass ich selber das nicht so recht kann. Selbstverständlich weiss ich, dass es Grosssprech ein beliebtes Marketingmittel ist und auch oft nötig ist um eine gewisse Wertigkeit und damit eine ebenso gewisse Größe zu erreichen.

Grossprech hat auch die neue Partyreihe Dirty Nights Berlin betrieben und sich ganz wichtig als „biggest gayevent Berlin“ bezeichnet und damit gleich einmal gezeigt, wo die Stellung in der Berliner Gayszene hingehen soll. Klub International, Propaganda, Irrenhouse, alle sollten sich hinter Dirty Nights Berlin einordnen, denn das Kosmos Kino sollte der neue Tempel der Szene werden. …so war es zumindest angedacht und es wurde eine ganze Menge Werbung für diese neue Veranstaltung gemacht.

Leider kam es ein wenig anders und nicht nur die Schlange vor der Gästeliste und die fehlende Schlange an der Abendkasse zeugten davon. Insgesamt verirrten sich – vermutlich – viel zu wenige Personen ins Kosmos und viele der wenigen Besucher irrten ein wenig gelangweilt durchs große Kosmos. Weder im großen Saal noch im kleinen Saal, den Gloria Viagra und Polla Disaster beschallten mochte so richtige Partystimmung aufkommen. …Irgendwie ist das Kosmos aber für berliner Verhältnisse auch ein wenig steril.

Vielleicht war es aber auch einfach nicht sinnvoll, das Osterwochenende als Erstdatum auszusuchen, ist Berlin dort doch fast so leer, wie zu Weihnachten, denn alle berliner lassen sich in der Heimat mit Ostereiern und lecker Essen bei Mutti mästen. Und diejenigen, die noch in Berlin sind, besuchen zu großen Teilen dann vielleicht doch eher die Hasenjagd im Kino International… Und zwei Kinobesuche an einem Wochenende ist ja vielleicht doch etwas zu viel verlangt.

Ich befürchte, die erste Dirty Nights Berlin war eher ein finanzielles Debakel aber es soll eine zweite Party geben, die ob ihres Datums kaum schiefgehen kann. Zum CSD wird also im Kosmos Kino wieder gefeiert und dann ist Berlin so voll, dass schon zahlenmäßig auch diese Party nicht leer sein kann… Und wenn sie ähnlich gut Werbung machen, dann wird die Dirty Nights Berlin zum CSD ja vielleicht tatsächich zum Biggest Gayevent Berlin.

Fürs erste müssen sich das KI und das Propaganda auf jeden Fall keine größeren Sorgen machen.

Schwuz nachm Grandprix und Mc Donalds

Alle wollen was anderes als normal.

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Kaey mach die No Angels

Nach der Ed Hardy Party im Felix, die uns einfach viel zu voll war überlegten wir, was wir sonst so tun könnten. Eine Blu oder Siegessäule waren aber nicht zur Hand und ausserdem wussten wir, was an dem Wochenende so los war – nämlich eigentlich nichts…. ausser eben die Grand Prix Party im Schwuz, die sich aber – nun bereits lang nach Beendigung der Auszählung in eine stinknormale Bump Party umgewandelt hatte.

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Folglich war es auch voll wie zu einer normalen Schwuz Party: Gut gefüllt aber eben lange nicht übervoll. An den Reglern stand wie auch am letzten Wochenende im Irrenhouse Polla Disaster hinter den Reglern, die nach ihrer Leidenszeit wieder einigermaßen auf dem Damm zu sein scheint. Großartig das.

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Ansonsten tanzte da aus der Mehringdamm-Connect

ion noch Trixi von Heute herum, die seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte auch irgendwie verändert aussah. Ich weiss nicht ob es die Haare waren oder was genau es war, aber ich fand sie sah besser aus, als die letzten Male, an denen ich sie sah.

Achja und KoRa van Tastisch, die mich darauf hinwies, dass sie und Margot Schlönzke am gesamten kommenden Wochenende die AHA bevölkern würden und das beste aus 5 Jahren gemeinsamer Travestie aufführen werden… …Nun kann ich nicht sagen, was genau das bedeutet, denn a) hab ich die beiden ausser beim Punktezählen noch nie auf einer Bühne zusammen gesehen und b) war ich vor fünf Jahren nur ein schlechtes Bild im Internet…. Trotzdem bin ich sicher, es ist lohnenswert. Jeweils übrigens Start 20:00…

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Ich würde vorschlagen, Sonntag hinzugehen, denn die beiden haben es nicht auf die Reihge bekommen, den Flyer richtig zu datieren, daher wissen nur Eingeweihte, Schlönzke-Newsletter-Leser und Leser meines Blogs, dass Sonntag überhaupt Vorstellung ist. Könnte also eine Privatvorstellung werden 😉

Aber zurück zu diesem Abend. Wir waren also im Schwuz undn es war wie eigentlich immer im Schwuz nett. Mich dürstete also zog ich zur Bar und bestellte einen Pepsi Boston und für Sheila, die mir gefolgt war einen Caipi, den ich ihr sponten ausgeben wollte… Trinkt sie ja immer …. nur heute nicht.

Nachdem ich also bestellte, überlegte sie sich, nur einen Weisswein zu wollen.. War garnicht so leicht, dem Barkeeper das klar zu machen. Also: Pepsi Boston pour moi und ein Weisswein für die Dame neben mir KEINEN Caipi bitte. Ging dann auch glatt, aber Sheila schaute mich an wie ein Auto als ich den Cocktail bekam… Schaute dann wie ein Auto auf den Cocktail und fragte mich, wass das sei….. Nun ein Pepsi Boston, den ich eigentlich immer trinke. Einige alte Tunten haben halt im Schwuz immer noch eine gewisse Daseinsberechtigung.

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big Sister is watching you.

Ein Cocktail zu Ehren der Schwuz Tunte Pepsi Boston, der nicht umsonst in der Pepsi Boston Lounge im Schwuz serviert wird. Sehr schmackhaft. Sie glaubte mir, wollte aber nicht probieren… Sheila musste krank sein an diesem Abend.

Nicht so krank aber, um und drei noch zu unserem Stamm Mc Donalds in der Skarlitzer Strasse zu fahren um unser typisches Ende-einer-Drag-Nacht-Fastfood zu bestellen… und dabei passierten erstaunliche Dinge. Eigentlich nur Kleinigkeiten, aber da scheint ein System hinterzustecken.


mc donalds again from zoe delay on Vimeo.

Janka, ernährt sich normalerweise bei McDonalds von Chicken Mc Nuggets mit viel viel Sauce, aber irgendwas hat sie geritten, an diesem Wochenende einen Salat zu bestellen… Da stimmt irgendwas nicht… Ich bin mir nicht sicher, was es sit. Ist sie vielleicht zu dick geworden? Rollt sich ihr Bauchspeck vielleicht… Ich konnte nichts dementsprechendes erkennen, aber anders ist nicht zu erklären, warum Janka einen auf gesund machte… Wirklich lange hielt sie das aber auch nicht durch. merkte sie doch irgendwan, dass meine Packung Majonnaise noch unberührt war und einige frittierte Kartoffeln auch noch da waren. So stopfte sie eben eine Packung Majo mit drei Pommes in sich hinein. …So wird das aber nichts mit dem Abnehmen..

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Frau „Ich ernähre mich nun gesund“ Kroft

Das ist dann wie die Person, die mal vor mir stand und in etwa einmal die gesamte Karte bestellte – Und eine Cola LIGHT.. *Kopfschüttel*

Ich allerdings muss eher zunehmen, hab ich doch selbst mit Tape kaum genug Speck am Körper um auch mit Tape und Klebeband nur ein sehr unweibliches Dekolleté hinzubekommen, also statt meiner Apfeltasche lieber die Chicken Mc Dings für mich mit Pommes und Majo… die aß dann wie erwähnt Janka und ich gewann beim Mc Donalds Gewinnspiel – na was wohl – eine Apfeltasche… Es war also wie immer – und schon lange hell, also ab nach Hause.

…Irgendwie zu spät – oder zu früh oder irgendwas anderes war, denn ich war Sonntag wie gerädert und vollkommen fertig..

Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin

Ein Standardwerk der berliner Transenszene?
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Tatjana
, ihreszeichens Berliner-CSD Hoheit von irgendwann bis keinerweisssorecht hat einen zweiten Teil ihres Werkes Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin ins Netz gestellt.

Sie beschreibt darin ihre erfundene Geschichte in der berliner Dragzene, Ihr Eintauchen und ihre Zeit als CSD Hoheit

Hab ich auch den ersten Teil nicht mitbekommen, so ist der zweite auf jeden Fall köstlich. Auch wenn Tatjana „Ähnlichkeiten mit allen anderen Personen oder Geschehnissen in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft“ allenfalls als Zufall betitelt, so kann ich mich dem Umstand nicht entziehen, dass mir diverse der Geschichten, der Personen, Partys oder Gepflogenheiten durchaus nicht ganz als Zufall erscheinen. Noch dazu sind die meisten Personen auch noch gut getroffen. Okay okay, etwas überspitzt doch, aber im Großen und Ganzen nicht vollkommen falsch wiedergegeben worden.

Diese Geschichte könnte man allen Berliner Neutransen als den großen Transenalmanach mitgeben. Tatjana erzählt über das Schwuz, Wigstöckel, das Irrenhouse, das Kumplenest, das GMF, Das Bangaluu, den CSD, die unterschiedlichen Transenszenen in Kreuzberg und Mitte, in Ihrer Geschichte kommen so unterschiedliche Personen wie Kaey Tearing, Gérome Castell, Chicago Rose, :Mataina Ah wie Süß:, Barbie Breakout, Melli Magic, :Nina Queer:, Polla Disaster, Tilly Kreuzfeldt Jakob, Biggi van Blond, :Ades Zabel:, oder Daphne de Baakel.

Wer das gelesen hat, hat schon mal einen ersten Einblick in die Berliner Drag- und Transeszene. Ich bin gespannt auf Teil III

Ein paar Auszüge:

Die tief liegenden Augen hatte ich mit megalangen falschen Wimpern kaschiert, meine Lippen einfach schamlos übergemalt und die Augenbrauen einfach einige Zentimeter über die ursprünglichen, stark gestutzten gemalt. Nur die große Nase konnte ich mit kosmetischen Tricks nicht verbergen, und den Adamsapfel auch nicht.
Aber da ich ja auch als schwuler Mann auftrat, der eine Frau spielt, und keiner wusste, dass ich eine Frau war, die einen Mann spielt, der sich schwul stellt, um eine Transe zu spielen, war es auch nicht weiter schlimm.
Ich hatte sogar extra die Haare an den Oberarmen gelassen, die zwischen Handschuh und ärmellosem Abendkleid hervorguckten. Ich fand, das gab mir in diesen Kreisen so etwas Echtes.

Gérome hatte begonnen, sich ein wenig um mich zu kümmern.
„¾Weißte, Alte, wir Transen müssen zusammenhalten. Jede von uns hat hier Töchter und Schwestern, das System hab ich aus USA mitgebracht. Na, sonst ha`m wa doch keen! Und wer soll sich kümmern, wenn nich die Familie? Ebent! Du bist jetzt meine Tochter. Und für Dich hab ich auch schon eine; Deine Tochter heißt Frank!“
„Meine Tochter heißt Frank? Auf gar keinen Fall,“ wehrte ich ab. „¾Ich kann selber nichts und habe gar nicht die Nerven, mich um so ein verlorenes Balg zu kümmern.“
„¾Frank ist kein Balg,“ sagte Martina ah – wie – Süß, die mit uns am Tresen des Bangaluu`s stand. Martina war die einzig festangestellte Transe der ganzen Stadt. In diesem schicken Club in Mitte, den Kaey sicherlich nur tot betreten würde, war sie die vollendete Gastgeberin. Sie mochte jeden und jeder mochte sie.

Gérome hatte mir Melli Magic und Barbie Breakout am Tresen des GMF vorgestellt. Das GMF war ein schicker Club in Mitte, wo am Sonntagabend die jungen, hübschen und reichen Gays des Berliner Nachtleben das Wochenende ausklingen ließen.
Jetzt verstand ich auch Kaey´s abfällige Bemerkungen über „¾Mitte.“ Die Transenszene in Berlin-Mitte unterschied sich offensichtlich sehr von der in Kreuzberg.
Barbie und Melli verkörperten Glamour pur.

Melanie, ein Lastwagenfahrer im Zebrakleid, der sicher 120 Kilo wog, aber trotzdem stolz bekannte, so jeden Tag zum Bäcker zu gehen und seine Abende im Internet zu verbringen, wo er sich als 47-Kilo-Schönheit vermarktet, oder Sieglinde, die sich nicht traute, ihren Vollbart abzunehmen und darauf Wert legte, sich weder als hetero- noch als homosexuell einordnen zu lassen, aber auch „¾Transmann“ oder „¾multisexuell“ schienen ihrer Identität zu enge Grenzen zu setzen.
„¾Ich bin einmalig, verstehst Du,“ waren ihre Worte.
Mir schwirrte der Kopf. Wie einfach mein Leben doch war! Alles im Endeffekt Schauspielerei!

Nina Queer genoss es, alle Tabugrenzen zu durchbrechen und blieb so immer im Gespräch. Ähnlich exzessiv wie Barbie Breakout oder Gérome, war sie aber noch immer dabei eine clevere Geschäftsfrau, die sich vom Pommesverkäufer zur Partyveranstalterin und zur Besitzerin einer eigenen Kneipe hochgearbeitet hatte. Ihre Go-Go-Tänzer waren ein uraltes, schwabbeliges Ehepaar, die nackt tanzten, und in ihren Shows wurden Bananen ausgekotzt, Nutella verschmiert oder das Publikum mit Hackfleisch beworfen. Die Berliner liebten das.
Ich war bei meinen Auftritten auch immer völlig entfesselt, versaute mein Playback, verlor meine Perücke oder fiel gleich ganz von der Bühne. So erarbeitete ich mir einen soliden, guten Ruf.

Tatjanas Geschichte kommt mir wie ein Zeitraffer von einigen Jahren Berliner Partyszene vor und sie lohnt sich absolut mal zu lesen.

Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil II
Tatjana, Schicksalsjahre einer Königin Teil I

Power für Polla

Dragqueen Familienfest für den guten Zweck
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Ein großes Lob an :Gloria Viagra: für die Ausrichtung der Benefizparty für Polla Disaster. Da muss ich ihr einmal vollständig zustimmen, wenn sie sagt:

Man kann so viel tun, man muss es eben nur machen.

Insgesamt kann man nach dieser Party sagen, dass die Szene zusammenhält, dass es aber offensichtlich schwer ist, weitere Personen als Gäste für solch eine Veranstaltung zu gewinnen. Leider war es, zumindest bei mir, unerwartet leer und :Superzandy: sollte Recht behalten, als sie anfangs meinte dass Benefiz immer schwierig sei.

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Chicago Rose & Linda Pearl

Ich hatte in der Tat mit einem Full-House im Kino International erwartet und war schon etwas verwundert als ich ankam und keinerlei Schlange vor dem KI vorfand. Nu, ich kam erstaunlich früh bereits kurz vor 12 und konnte direkt zur Kasse gehen… Ausnahmsweise und erstmalig fand ich es an diesem Abend einmal richtig und ich war liebend gerne Bereit, Eintritt zu zahlen. Immerhin war es ja für einen guten Zweck.

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Blenda Med & ich

Und Gloria räumte später noch alle Gerüchte weg, die über die Eintrittsverteilung bestanden haben könnten. Bis auf die Reinigungskosten gingen an diesem Abend alle Eintrittspreise und alle Getränkeüberschüsse direkt an Polla. Insofern gut angelegtes Geld. Und es kommt ja noch einiges Geld durch die Partys, die sich noch an der Aktion beteiligen, hinzu.

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Biggy van Blond & :Gloria Viagra:

Aber wie bereits erwähnt hätten ein paar Personen mehr der ganzen Aktion gut getan. So war es irgendwie eine Freunde von Polla Party mit einem schier unglaublichen „Transen pro normaler Besucher“-Verhältnis. Die wenigsten der berliner Drags, die nicht schon seit längerer zeit anderweitig gebucht waren, liessen sich nehmen, vorbeizuschauen.

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Tatjana

Nicht alle habe ich allerdings auf den ersten Blick erkennen können. So kam ich an die Bar im Frösi und sah dort einen Mann, den ich nicht kannte und eine Person im Ganzkörperlycra-Anzug mit kleinen Augenlöchern und einem Mundloch in das gerade einmal ein Strohalm passte. Okay okay nun werde ich Melli Magic in Zukunft auch ohne Makeup erkennen und als der Ganzkörperanzug mir seine „Super“-Kette zeigte, war es auch klar. Superzandy war in the House. Sie hatte nur keine Lust, sich fertigzumachen – fand es aber eben auch nicht richtig ungedresst zu erscheinen. So war es wieder ein ziemlich einzigartiges Outfit.

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Superzandy

Ansonsten freuten sich die verschiedenen Fotografen über diverse Fotos jeglicher perückenbekleideter Personen. Wo bekommt man sonst schon mal 5-7 Perücken auf ein Foto 🙂 An diesem Abend war das ziemlich einfach.

Und es kamen tatsächlich sogar mehr Drags als auf dem Flyer standen, so standen zum Beispiel auch Kaspar Kamäleon oder Chicago Rose auf der Bühne

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Mataina Ah wie Süß & Kaspar Kamäleon

Aber natürlich gab es auch normale Besucher auf dieser Party und da dieses ein echt nettes Bild ist, will ich das niemandem vorenthalten. Normalerweise kennt man diese „Ich-nehm-dich-auf-den-Arm“Bilder ja immer nur von Janka, die allerdings immer kleine Zwerge auf den Arm nimmt. Andersherum ist es doch auch wirklich süß, oder?

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