Bad Religion in Berlin

Schöne neue Internetwelt – oder auch nicht.

bad religion

Heutzutage gibt es Facebook und man liest da so allerhand mit, was gerade andere Leute so erleben oder denken. Das ist heute eben so und gehört irgendwie zu leben der neuen Internetwelt. Manches spannendes, manches, was einen auch selbst betreffen könnte.

So las ich heute bei Tanna, dass sie gerade erfahren hätte, dass heute Bad Religion in Berlin spielen würden und sie da UNBEDINGT hin wollte. Kurze Zeit nach ihrem Posting auf Facebook hatte sie offensichtlich eine Karte. Schöne neue Internetwelt. Man erfährt eine tolle Nachricht, postet kurz etwas und schon wird alles gut.

Ich wiederum erfuhr aus Tannas Posting davon, dass Bad Religion in Berlin spielen würden… leider etwa erst anderthalb Stunden vor dem Auftritt. Nun ist Bad Religion allerdings nach New Model Army seit vielen vielen Jahren meine erklärte zweitliebste Band und nicht ganz von ungefähr ziehrt ein durchgestrichenes Kreuz seit vielen Jahren meine Lederjacke. Wenn also Bar Religion in Berlin sind, sollte ich auch dort sein, dachte ich mir, also fuhr ich zum Huxleys, denn ich habe noch immer irgendwie für die Konzerte eine Karte bekommen, wo ich wirklich hinwollte.

Leider stand am Huxleys ein großes Schild “Sold Out” und auch strategisch günstiges Stehen direkt an der U-Bahn brachte nicht das gewünschte Papier zutage

Verdammtnochmal, wo sind die Schwarzmarkthändler, wenn man sie mal braucht.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich soetwas mal sage oder denke, denn eigentlich stehen Schwarzmarkthändler auf einer Stufe mit Laufmaschen und Schimmel auf Brot, aber früher war das so einfach, wenn man niemanden fand, der einem die Karte zum normalen Preis verkaufen wollte, weil er sie loswerden wollte, dann standen da bestimmt irgendwo ein paar Arschlöcher herum, die Karten zu gepfefferten Preisen verkauften. Heute? Fehlanzeige.

  • Keine Karten an der Kasse mehr, die hatten die letzten Karten sicher schon über Hekticket verkloppt
  • Keine Schwarzmarkthändler, die hatten ihre Karten sicher schon über Ebay verkauft
  • Keine normalen Besucher mit Karten über, die waren sie sicher schon über Facebook oder Twitter losgeworden.

Na toll, da hat also die tolle neue Internet dafür gesorgt, dass ich überhaupt Wind davon bekommen habe, dass Bad Religion in Berlin spielen, aber die tolle neue Internetwelt hat auch dafür gesorgt, dass ich keine Karte mehr bekommen habe. Da bleibt mir also nur, eine meiner CDs einzuschieben, oder eben etwas Bad Religion bei youtube zu stöbern. – Schöne neue Internetwelt sei Dank.

Gender X in der Roten Flora

Gestern habe ich eine Email bekommen, mit der Bitte für eine kleine Veranstaltung Promotion zu machen und da kann ich schwerlich “Nein!” sagen, denn ich würde am liebsten selber hingehen. Es handelt sich um eine Filmvorstellung mit Konzert in einer coolen Locatio n meiner Heimatstadt.

gender-x

Julia Ostertag zeigt in Hamburg in der roten Flora “Under the red umbrella” und “Gender X” , dazu wird in der Flora das gespielt, das Schanzenviertel am besten kann, Punk, HC und Electropunk, all das in der kaputtesten Einrichtung in der Schanze, der roten Flora, einem ehemaligen Revuetheater, dass besetzt und zum Stadtteilzentrum umgewandalt wurde.

Wie dem auch sei, in der Flora habenich manch Nacht gefeiert und ich hätte mich gefreut, das zu guter Musik und Gender X ebenfalls zu tun, aber das ist bereits am Freitag und da gehen in Berlin die Teddy Awards vor. Wer allerdings in Hamburg ist, sollte unbedingt in die Flora gehen und sich Gender X ansehen, der lohnt sich und Hamburg braucht eh immer noch etwas Drag-Nachhilfe.

Spannend ist, dass Julia erhöhtes Interesse an Gender X feststellen kann, entweder hat sich die gesellschaft geändert, oder ein Low-Budget Film braucht einfach seine Zeit, bis er sich per Mundpropaganda herumspricht… beise schön, wenn es so weit ist.

Keine Angst vor Punk

Keine Angst vor Punk
Oder: Randale machten andere

Was musste ich in Freitag lesen, als ich eigentlich nur nach dem Ergebnis des Freitagsspiels der Bundesliga schauen wollte. Spiegel Online schrieb von übelsten Ausschreitungen in Kreuzberg und ich habe von alledem nichts mitbekommen. Wer aucgh immer das war, die Punks, die sich gerade mit mir vor der Trinkteufel Bühne versammelt hatten und die Towerblocks hörten – und das waren eine ganze Menge – hatten nichts damit zu tun. Überhaupt schien mir das ganze eher von anderer Seite auszugehen, aber davon an anderer Stelle mehr.

Also auf der Trinkteufel Bühne spielte die Towerblocks und die Strophe “Be proud to be Punk, be proud to be psycho or maybe a skinhead” konnte ich so absolut unterschreiben. Okay okay, ich bin weder das eine noch das andere und auch nicht das letzte, aber ich komme aus der musikalischen Ecke mit laut und dreckig. oder laut und melodisch. Und die Towerblocks boten das. Interessant für mich war, dass es super friedlich war. Sowohl Gäste als auch Security waren vollkommen entspannt. Ein Punk, der angetrunken war wurde von anderen mehrfach von der Absperrung gepflückt und wenn er doch einmal rüberkam wurde er ebenso mehrfach freundlich von der Security eingefangen und wiieder vor die Absperrung gebracht. Super Security.

Überhaupt kann man den Machern vom Myfest nur gratulieren. Tolle Orga, gelassene aber genügend und gute Security, und sogar bezahlte Flaschensammler, die potentielle Wurfgeschosse einsammelten.

Was die Musik anging hat dieses Jahr die Trinkteufel Bühne gegen die Coretex Bühne gewonnen. Gut indess und von Massen an kunstvollen Irokesen-Frisuren und Flats bevölkert waren beide Bühnen. Und es hat sich auch nichts beim Ausdruck “bevölkert” getan, als später an anderer Stelle Randale war. Das schöne Sprichtwort “Da geht der Punk ab” stimmte nicht, der ging auf und vor der Bühne ab. Beispielsweise noch mit The Headlines, dessen Bassistig eindeutig Punkte für ihre Frisur bekam, während bei Frontkick diese Punkte eher an den Herren an der Leadgitarre gingen. Auf jeden Fall ging es um Attitüde und um Musik, nicht jedoch um Randale. Der Sinn des Myfest ging also absolut auf.

Später, als die meisten Bühnen bereits dicht gemacht hatten, tanzte ich an der Viva Con Aqua Bühne und keine 30 Meter weiter brannte es dann doch noch. Jugendliche mit – wie man so schön sagt – Migrationshintergrund brannten auf der Strasse Pappe und Kartons an. Klar, die brennen gut, verbrennen aber auch ganz schön schnell. Insgesamt schien mir das allerdings eher Kinderkram zu sein. Idioten und Krawallmacher ohne politische Botschaft. Man hätte ihnen links und rechts eine zimmern sollen. Die Polizei jedoch ging auf Nummer sicher und gab eine wohldosierte (wohl reichlich dosierte) Ladung Pfefferspray ab, dass dann leider auch unbeteiligte vor der Viva Con Aqua Bühne traf. Ganz schön durchdringend das Zeug.

Insagesamt muss ich aber auch der Polizei ein riesen Lob machen, obwohl sie zu späterer bzw. früherer Stunde in 30er Trupps schwergepanzert durchs Myfest streunten, blieben sie einigermaßen locker und liessen sich auch von Provokationen nicht aus der ruhe bringen. Nur das mit dem Pfeffersprach hätte eben nicht wirklich sein müssen.

diese Liebe war einseitig

Insgesamt: Punks ruhig und gelassen, Security ruhig und gelassen, Polizei ruhig und gelassen. Und dass idioten die Feuer machen und Barrikaden bauen nen Knüppel und Pfefferspray bekommen ist deren eigene Schuld. Insgesamt scheint mir, je kunstvoller der iro, desto weniger ein Chaot.

RuPauls Giftschrank

Als RuPul irgendwie noch anders war

Es gibt Dinge, die waren einem eigentlich immer klar obwohl man nie wirklich drüber nachgedacht hat. Es gibt darüberhinaus Dinge, die nach denen man irgendwie garnicht so genau nachfragen wollte.

Klar ist, dass keine Dragqueen als die Person auf der Bildfläche erscheint, die sie ist, wenn sie das bereits ein paar Jahre macht. Meistens ist der eigene Stil noch nicht so recht gefunden und in den allermeisten Fällen das schminktechnische Können anfangs noch nicht wirklich ausgeprägt. Eigentlich vollkommen logisch und absolut nachvollziehbar.

Dennoch war ich kurzzeitig verwundert, dass selbst Ru Paul nicht als die Über-Glamour-Dragqueen auf die Welt gekommen ist, die sie seit vielen Jahren ist. Wer hätte das gedacht. Ru Paul besaß einmal einen nicht unerheblichen Trashfaktor und eine Punk-Attitüde. Verwunderlich – und irgendwie doch wieder nicht. Ich zumindest hatte das irgendwie nicht erwartet.