Ich bin stolz auf meinen Kiez

Als ich nach Berlin zog, und mir Kreuzberg aussuchte, hatte das vor allem den Grund, dass meine Wohnung,
a) mir schnell gefiel
b) mir besser gefiel als die anderen drei
c) sie nur ein paar hundert Meter von meiner damaligen Arbeit entfernt war.

die tolle Oranienstrasse mit dem ersten St. Pauli Fanshop berlins passte dazu, Kreuzbergs Vergangenheit ebenfalls.

Kurzum,ich habe mich gleich in Kreuzberg heimisch gefühlt und ich glaube nicht, dass es einen besseren Kiez in Berlin gibt. Ich mag meinen Kiez, der trotz gentrifizierungstendenzen immer noch cool ist. Das habe ich jetzt erst wieder bei der Bundestagswahl gesehen, dessen Ergebnis mir in Kreuzberg sehr gefiel – und erst Recht in meinem Wahlkreis.

In meinem Wahllokal hätte Rot/Grün eine absolute Mehrheit und benötigt dazu nicht einmal die SPD. Mit der zusammen wären es sogar 78% … Zudem erreichten die CDU, FDP, AFP, NPD und die Republikaner ZUSAMMEN 9,0 % und damit exakt genauso viel wie die Piraten und „Die Partei“.

Was kann man mehr von seinem Wahllokal mehr wollen… Vielleicht einen grünen Direktkandidaten: und der heisst Hans-Christian Ströbele 🙂

Danke Kreuzberg, danke Wahllokal 310

bundestagswahl kreuzberg

Mieten-Stop Demo Berlin

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Gentrifidingsbums

Gloria Viagra ist ja als politisch bekannt und postet alles was in dem Bereich wichtig und wssenswert ist auf Facebook. Manchmal kommen diese Posts auch an. So zum Beispiel ihr Aufruf zur großen Mieten Stop Demo zu erscheinen:

…schönstes Wetter..
WER SCHWINGT SEINEN ARSCH AUCH GLEICH AUF DIE GROSSDEMO GEGEN MIETABZOCKE ..???
wo kann man sich treffen..?

…ich hatte schon lose davon gehört und mir – eben so lose auch überlegt, dahin zu gehen, es aber dann sehr lose – auch wieder vergessen, Glorias Post brachte mich aber tatsächlich dazu, meinen Arsch aufzuschwingen die Ubahn in Richtung Herrmanplatz zu nehmen, um dann tatsächlich direkt nach Hause zum Oranienplatz mitzulaufen.

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Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen Arme zu verdrängen

Irgendwie schwierig finde ich das ja, dort aufzukreuzen, wenn ich doch eigentlich selber Teil des Problems bin. Nur zum Verständnis, ich bin ein relativ gut verdienender Mensch, der sich irgendwann mal überlegt hat, dass Berlin toll ist und dass Kreuzberg noch toller ist. Ich habe direkt am Oranienplatz in Kreuzberg eine Wohnung bezogen und zahle dabei sicher mehr Miete, als die alteingesessenen Bewohner meines Hauses. Ich erhöhe damit den Mietenspiegel. Ich kann mir ausserdem noch einige Mietsteigerungsrunden leisten und bin also Mitschuld, wenn sich meine Nachbarn irgendwann die Miete nicht mehr leisten können.

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Das goldene Stück Scheisse geht wohl (auch) an mich… aber wann sind dazugezogene eigentlich okay?

Immerhin rede ich nicht schwäbisch, führe keinen Kinderwagen durch Berlin und kaufe auch nicht bio, sondern mag Berlin so, wie Berlin JETZT ist. Trotzdem bin ich das Problem, auch wenn ich der Meinung bin, Berlin auch einiges zurückzugeben.

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Wärmedämmung und 85% Mieterhöhungen laut Flyer

Aber auch als Problem kann ich auf das Problem aufmerksam machen und sei es nur durch die Anwesenheit auf der Demo oder diesen Blogbeitrag, denn es zog mch wie gesagt nach Neukölln um der Demo beizuwohnen.

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Ich kam aus de U-Bahn und stolperte erst einmal über Info Stände der Linken, Grünen und einiger noch weiter linka anzusiedelnden Parteien und Vereinigungen. Ich war verärgert und war geneigt auch nach der FDP und der CDU zu suchen, die – so kurz vor der Wahl – bestimmt auch irgendwo auf sich aufmerksam machen wollten. Politische Parteien hatte in meinen Augen hier absolut nichts verloren.

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Man glaubt keinen Wahlversprechen, egal von welcher Partei.
Auch nicht Frau Künast

Richtig glücklich war ich demnach aus, als die Veranstalter allen politischen Vereinigungen mehrfach das Recht absprachen, diese Demo mit ihren Fahnen zu begleiten und sogar so weit gingen, dass sie jedem Demoinstranten das recht zubilligten. Den Fahnenträgern „dabei behilflich zu sein, ihre Fahnen runterzunehmen“. Auch Prominente hätten am Anfang des Zuges nichts verloren.  Applaus von der Menge und Applaus von mir. Applaus auch dafür, diese Personen – ohne Fahne – trotzdem auf der Demonstration willkommen zu heissen.

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Wenn ich einem Politiker seine Aussagen abnehme, dann ihm.
Keine Demo ohne Hans-Christian Ströbele und sein Fahrrad.

Ich habe keine Ahnung, ob sich ausser Herrn Ströbele (und seinem Fahrrad), den ich auf jeder derartigen Demonstration begrüsse Prominente Personen irgendwelcher Parteien dazu hinabliessen, diese Demo zu begleiten, aber das taten wirklich viele Leute. Die Welt sprach von 1.000, die Berliner Morgenpost von 2.500, die Polizei ebenfalls dan 2.500 ud die Veranstalter von 6.000… Ich neige eine Zahl anzunehmen, die nahe an der Veranstalterzahl liegt, denn ich habe den zug einmal von beginn bis fast ende an mir vorbeilaufen lassen und es waren wirklich, wirklich viele.

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Der Demoanfang ist nicht zu sehen

Man muss auch den Veranstaltern ein Riesen Kompliment machen, so viele Menschen zu  mobilisieren, und gleichzetig eine so gute Demo zu veranstalten. Der zug lief nämlich keinesfalls wahllos durch Neukölln und Kreuzberg, sondern direkt an diversen derzeitigen Brennpunkten vorbei, die gezeigt und erklärt wurden.

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Das Demoende auch nicht

Das waren dann Häuser der GSW, die entmietet und verrottet werden, Häuser, die Luxus-saniert werden, Leerräume, die es bald nicht mehr gibt, einer Stadtvilla, die etwa den dreifachen Quadratmeter hat oder das Carloft, dass an diesem Tag von Polizei und ihren Hunden geschützt wurde – übrigens auch der einzige Punkt, an dem die Stimmung umzuschwappen gefahrlief. Denn sie war die ganze Strecke ziemlich gut.

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Das Carloft. Auswüchse vollkommener Unsinnigkeit.
beschützt von gepanzerten Männern in Grün und ihren Hunden

Was nicht bedeutet, dass die Leute nicht sauer waren. ich hörte einige Gespräche von Personen, die selber entmietet wurden, die wegen Mietsteigerungen umziehen mussten oder in anderer Art sehr unzufrieden waren… Wobei es wirklich ein querschnitt der Mietenden dieser Stadtteile war und nicht etwa eine typisch linke Demo.

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Die GSW lässt das Gebäude verrotten, bis auch die letzten Mieter ausziehen

Okay, es gab auch Autonome, Personen der DKP oder andere komische gestalten, aber diese waren eindeutig in der Unterzahl. Ich hatte auch das Gefühl, als sei dieses tatsächlich eine Demo gewesen, die sich mit der Stecke vergrößerte. Sehr gut. Auch wenn es einige komische Blicke bon Balkonen gab, waren die meisten doch von der Demo sehr angetan und zeigen dieses auch.

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Erstaunt war ich auch, wie viele Kiez-, Mieter, Hilfsinitiativen es gibt. Viele! Gut, dass es sie gibt, schade, dass es sie geben muss.

Also großes Lob an alle, die da waren und an die Veranstalter, nur einen Hinweis, die nächste auf einen Sonntag, dann findet es auch in den gelesenen Zeitungen am Montag statt…

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Das Kanzlerduell

Ich bin sicher keine Polit-Transe aber durchaus politisch interessiert und bewandert und mit einer relativ klaren Parteilichkeit, die der ein oder andere sicher auch schon erraten hat… Ich könnte auch sagen: Ich wohne nicht umsonst in Berlin Kreuzberg.

Nun ist ja gerade der Wahlkampf in vollem Gange, was man auch am Schilderwald an den Strassen erkennen kann, den ich gerne beobachte. Wann steht welches Plakat wo, welche sind mit Spraydosen verschönert worden und wo stehen Plakate vollkommen undsinnig herum. Ausserdem findet man anhand der Plakate Koalitionsmöglichkeiten, die man vorher noch garnicht kannte. Genaugenommen muss ich Sheilas Aussage, dass die Wahlwerbung langweilig sei, doch ziemlich widersprechen.

strobele

Schon als sie diesen Eintrag schrieb musste ich gedanklich widersprechen, hatte ich doch gerade vier Tage vorher obiges Wahlplakat von Hans-Christian Ströbele mit den Worten „So muss ein Wahlplakat aussehen“ getwitpic’t. Eines der Coolsten Wahlplakate, die ich je gesehen habe und Ströbele ist wohl der einzige Politiker, dem ich solch ein Plakat zugestehe. Ausserdem steht es direkt vor meiner Wohnung.

Und die steht wie gesagt in Kreuzberg und neben Grün steht eines fest: Kreuzberg ist rot. Zu sehen ist das ebenfalls an den Wahlplakaten, die FDP und die CDU sind hier kaum zu sehen, stattdessen tauchen hier Wahlplakate von Parteien auf, die man schon lange für ausgestorben hält, wie beispielsweise die DKP. So gibt es hier beispielsweise Laternenpfähle, die extrem rot eingefärbt werden. Dabei zeigt sich offensichtlich, je höher, desto linker.

dkp-linke-spd-wahlplakatganz links (DKP)
sehr links (Die Linke)
etwas links (SPD)

Eines der ganz wenigen FDP-Wahlplakate hat mich dann aber auch noch überzeugt, dass FDP-Linke vielleicht doch gar keine so vollkommen ausgeschlossene Koalitionsoption ist, auch wenn alle das natürlich sofort verneinen würden, wollen sowohl die Linke als auch die FDP doch eigentlich das gleiche: einen Fairen Lohn für faire Arbeit. Da sollten sich der Herr Westerwelle und der Herr Lafontaine mal über einen Zusammenarbeit unterhalten… Wobei ich glaube, dass die das doch irgendwie wieder anders meinen, als es da steht…

2-arbeit-muss-sich-lohnenEigentlich wollen beide das selbe

Überhaupt macht es Spaß mal zu schauen, was die Linke so möchte und da kommt erstaunliches zu Tage. Die will nämlich eigentlich genau das Gegenteil, was man von ihr erwartet. Genaugenommen ist die Linke die einzige Partei, die für allumfassende Steuererhöhungen für Jedermann eintritt. Das tut sie allerdings ziemlich smart und clever und nicht wirklich auf einem Plakat, man muss hier schon zwei zusammen nehmen. Zum einen fordert die Partei „Reichtum für alle“ um ein paar Laternenpfähle später „reichtum versteuern“ zu verlangen. …Man braucht Reichtum nur etwas anders definieren und wumms. Steuererhöhungen für alle 🙂

1-reichtum-fur-alle-reichtum-besteuernReichtum für alle und Reichtum besteuern
ergo
mehr Steuern für alle

Aber in einem muss ich Sheila recht geben, die Slogans für sich genommen sind nicht wirklich spannend. Interessant wird es allerdings dann doch. So zum Beispiel beim einzig wahren Kanzlerduell. Dem Steinmeier nimmt ja sowieso niemand den Kanzler ab. Anders ist das bei Helga Zepp-LaRouge. Sie ist Kanzlerkandidatin und tritt gegen Angela Merkel, die amptierende Kanzlerin an. Die hat zwar frei nach Starwars die Macht äääh Kraft. Frau Zepp-LaRouge allrings hat das Patentrezept. Wofür genau sie allerdings die Kraft und das Patentrezept haben, dass erzählen sie nicht so recht.

3-wir-haben-die-kraftKanzlerduell: Kraft gegen Patentrezept

Aber ganz ehrlich, Angela Merkel ist wirklich keine weitere Amtszeit zuzumuten, wenn man sieht, was sie seither durchgemacht hat. Nun hatte Angela Merkel ja noch nie Chancen bei Deutschland sucht das Supermodel oder wie die Show noch heisst, aber in Hamburg ist ein Wahlplakat aufgetaucht, dass wirklich von ihrem derzeitigen Zustand berichtet. Vermutlich lässt sich durch das Wahlplakat, dass ich beio Matt Wagner gefunden habe auch erklären, warum sie in diesem Wahlkampf eigentlich überhauptnicht auftaucht. Mal sehen ob sie ihre maskenbildnerinnen zum morgigen kanzlerduell wieder herrichten können…

cdu_bundeskanzlerin_kommt_2-751456

by Matt Wagner

Interessant sind sie, die Wahlplakate, aber irgendwie helfen die Wahlplakate bei der Wahlentscheidung nicht wirklich weiter. Braucht man am ende eben doch wieder den Wahlomat zur Hilfe.

grün schaden durch grün wählen?

Wenn Politiker auf Emails nicht antworten, dann liegt das zumeist sicher an zu viel Arbeit im Zuge einer kommenden Wahl oder an ungeliebten Wahrheiten? Ich schätze mal, dass meine Frage somit mit einem „Ja“ zu beantworten ist und werde daher in der Bundestagswahl gegen meine Überzeugung als grüner Wähler und taktisch wählen.

Welchen Direktkandidaten ich da fragte, lass ich mal offen…

Moin XXX,

ich habe da mal eine Frage. Ich habe in der letzten Zeit viel über das Thema Erst-Zweitstimmen nachgedacht Für mich als in Kreuzberg wahlberechtigt war eigentlich immer klar, Ströbele zu wählen und auch andere Direktkandidaten moralisch zu unterstützen. Allerdings frage ich mich nun, liege ich damit nicht falsch.

Anders und ein wenig provokant ausgedrückt:

Schadet nicht den grünen als Partei derjenige, der einen grünen Direktkandidaten wählt?

Vor vier Jahren hat die SPD in Hamburg mehr Direktmandate erreicht als Prozente und so ein Überhangmandat erreicht. Den Grünen würde selbst beim (unwahrscheinlichen fall) zweier gewählter Grüner Direktkandidaten vermutlich kein Überhangmandat herausspringen. Der Partei helfe ich also nicht wirklich, oder?

Andererseite ist (zumindest im Moment) die Voraussage so knapp, dass ein Bundestagsmandat zusätzlich im nicht-Schwarz-Gelben Lager durchaus den Grünen die Möglichkeit bieten könnte in (schwarz-gelb-grün), (rot-gelb-grün), (rot-rot-grün) mitzugestalten.

Wenn schwarz-gelb die Mehrheit erreicht dürfte ja alles klar sein, wenn das nicht klappt – und sei es durch ein, vielleicht gar zwei Direktmandate der SPD – dann gibt es keine Partei, die eine bessere Ausgangsposition hat als die Grünen.

Insofern die Frage:

Ist es nicht falsch als grüner Wähler meine Erststimme einem grünen Direktkandidaten zu geben?

besten Gruß
Zoe