Die Grünen feiern 10 Jahre Hamburger Ehe

Jubiläumsveranstaltung 10 Jahre Hamburger Ehe

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So sollten politische Veranstaltungen immer aussehen, dann wäre die Politikverdrossenheit geringer…. 10 Jahre ist es her, dass die Grünen in Hambureg die „Hamburger Ehe“ – den vorgänger der eingetragenen Partnerschaft – im damaligen rot-grünen Senat durchgedrückt haben. Damals so unerhört, dass aus Bayern gewettert wurde, man könne ja auch gleich einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

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Egal, dieser Pakt wurde eingegangen und daraufhin diverse Partnerschaften, bis dann dieser Vorgänger durch die eingetragene Partnerschaft abgelöst wurde… Das Ganze ist jetzt 10 Jahre her und ein guter Grund zu feiern und eine ganze Menge Strassenbäume in Hamburg Mitte mit Plakaten für diese Veranstaltung schon mal zu besetzen um sie danach mit dem Konterfei von Direktkandidat Farid Müller auszutauschen. Geschickt eingefädelt.

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Nein, der Grund zu feiern ist ein wichtiger und die Veranstaltung im Schmidt Theater sollte eine gute werden… Das ganze hätte man auch eine „grüne best of Schmidt Theater Show“ nennen können, denn es waren ausschliesslich Künstler auf der Bühne, die sehr mit dem Schmidt Theater verbunden sind, dort groß wurden oder zumindest tolle Zeiten dort verbracht haben… und sie waren wie Corny Littmann alle heterosexuell… also zumindest so heterosexuell wie er selber….

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So stockheterosexuelle Künstler wie Kay Ray, wie Lilo Wanders, Frau Emmi und Herr Willnowsky und der Scwulenchor Schola Cantorosa und noch einige andere. Moderiert wurde das ganze vom Ehepaar Corny Littmann und Valery Pearl, die vorher doch einigen Bammel davor hatte. Nicht weil sie Angst vor Menschen hätte, aber auf der Bühne des Schmidt Theaters noch dazu in einer politischen Veranstaltung war ihr doch etwas too much… Hat sie aber doch gut hinbekommen.

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Die Show begann mit Frau Emmi und Herrn Willnowsky und gerade Frau Emmi war an diesem Abend großartig ausfgelegt. Das merkte man weniger an ihrem eigentlichen Programm, dass natürlich großartig war, aber dieses jedoch natürlich immer ist. Es kommt immer darauf an, was passiert, wenn etwas eben nicht geplant ist, so in dem Fall, wenn irgendwer aus dem Publikum immer etwas dazwischensabbelt… Da spielt sich die Schlagfertigkeit der beiden aus, nun wurde aber Frau Emmi noch einige Male auf die Bühne gerufen und war immer ein Gewinn.

Doch war das ganze ja auch eine politische Veranstaltung und so erzählte Krista Sager ein Paar Worte zu der Situation damals, den ersten Paaren und der Anekdote, als schwarz / dunkelschwarz in Hamburg die Wahl gewannen und jemand zu ihr meinte „das haben sie nun davon, sie mit ihren Schwulen“… mit dem Gedanken, sie würde sich noch wundern, was sie für einen Bürgermeister bekäme… 🙂 Das war interessant, bewegend allerdings war, als eines der ersten Paare erzählten, sie waren vor 10 Jahren bereits über 28 Jahre zusammen und lebten schon unerhört offen mit beiden Namen am Klingelschild zusammen.

Den beiden Männer folgten einige mehr. Der Schwulenchor Schola Cantorosa,der ja bereits auf der CSD Opening Gala abgeräumt hat, schaffte es auch hier, das Publikum zu begeistern. Das Programm war zwar identisch zum Sonnabend vorher, aber das machte nichts, denn soetwas kann man sich auch gerne ein zweites Mal anhören und ansehen.

Ebenfalls ein zweites Mal innerhalb weniger Tage sah ich danach den Justizsenatpr Till Steffen auf der Bühne. Hatte ich seine Eingangsrede zum CSD noch wirklich komisch gefunden, fand ich ihn dieses Mal wirklich gut auf der Bühne. Trotzdem ihm Corny Littmann mit wirklich fiesen Fragen löcherte blieb er erstaunlich gelassen. „Was wäre denn, wenn ein Knacki und ein Vollzugsbeamter zusammen ein Kind adoptieren würden“ und muss man eigentlich als Gleichstellungsbeauftragter Wissen, wovon man redet, also die Frage, habe er in seiner Jugend homosexuelle Erfahrungen gamcht… Und dann kam auch noch Frau Emmi auf die Bühne und wollt eine Beziehung zu ihm eingehen, dann müsse jedoch das Kind noch an ein nettes homosexuelles Pärchen veradoptiert werden… Das wollte er dann doch nicht. Aber er hat auf der Bühne gute Miene zum bösen spiel gemacht und sich beachtlich aus der Affäre gezogen. Den Eindruck der Opening Gala hat er hier positiv wieder vollkommen wettgemacht.

Apropos beachtlich. Danach kam eine weniger wichtige Einlage aus „Hossa“ , dann jedoch ein Säger, den Cory Littmann nicht ohne Grund als „Besten Sänger auf der Bühne des Schmidt Theaters“ ankündigte. Leider weiss ich den Namen nicht, aber er hatte eine gigantische Stimme, die zwar schon bei der ersten Nummer auffiel, dann allerdings bei Prince’s Purple Rain richtig zur Geltung kam. Mitreissend.

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Und weil auf etwas tolles ja meist etwas weniger großartiges folgt, folgte das Interview mit Direkkandidat Farid Müller, dass ein doch schon etwas angeschickerter Corny Littman etwas wirr führte und in dem Farid Müller mit Politiker Marketingsprech antwortete. „Warum willst Du nach Berlin“ „Weil ich finde, dass mal Zeit für einen Wechsel ist.“ Ähhh ja. Aha.

Aber auch hier rettete Frau Emmi aus dem Schlamassel, indem sie trotz bestellt und nicht abgeholt iren Senf dazu gab, ein wenig über das Einheitswahlrecht, über Berlin und noch ein wenig über den justizsenator fabulierte. Wie gesagt, Frau Emmi war großartig drauf an diesem Abend.

Danach folgten – um die best of Schmidt-Theater Schow zu komplettieren noch Lilo Wanders, die ihren CSD Song zum besten Gab und Kay Ray der ebenfalls noch einige Stücke aus seinem Repertoire brachte, und dieses an diesem Abend ganz ohne Flasche Vodka, die ihm ja zumeist geschenkt wird, auf die Reihe brachte.

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Insgesamt ein sehr gelungener Abend für ein schönes Jubiläum. So sollten Parteiveranstaltungen immer aussehen, dann würde auch die Politikverdrossenheit sinken. Schön wenn eine Partei mal so daran erinnern kann, was sie geleistet hat und man darauf auch uneingeschränkt stolz sein kann.

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CSD Opening Gala @ Fliegende Bauten

Puuh ich komme im Moment garnicht so richtig hinterher. Also, am letzten Samstag war in den Fliegenden Bauten die CSD Opening Gala Hamburg 2009 und ich war selbstverständlich da. Nachdem ich auch einen adäquarten Platz gefunden hatte, konnte die Show losgehen. Eine Show, die Höhen und Tiefen hatte, aber dazu mehr im Laufe des Artikels.. Über die kreative Designoffensive mit Herrn Steffen berichtete ich je bereits gestern..

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Bei einer Großen Gala erwartet man ja auch ein großes Programm, doch – muss ich gestehen – bislang weder von TJ-Wheels, noch von Wolfgang Trepper, Ina Z oder dem Chor Schola Cantorosa gehört zu haben. Kein Grund sich das allerdings nicht anzusehen, denn wer weiss, welche Perlen sich dort finden. Zumindest Orange Blue und Coco Lores waren mir bekannt – und selbstverständlich Kim Fischer und Sascha Korb.

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Es begann mit Ina Z, zu der die Welt wie folgt schrieb: …nachdem Chansonnier Ina Z mit wenig Stimme und flach gereimten Klischees die 400 Gäste auf die Geduldsprobe gestellt und viele Buhs geerntet hatte. Ich fand sie zwar nicht ganz so schlecht, aber doch bestenfalls beliebig. Aber es war ja auch erst der Anfang der Show. Steigerungspotential war also auf jeden Fall vorhanden. Und was die Stimme angeht, so gab es deutlich besseres auf der Bühne

Beispielsweise den Schwulenchor „Schola Cantorosa“. Schätzungsweise 25 Matrosen, die aus vollen Hälsen Lieder zum besten gaben, nicht allerdings Shanty-Songs, wie das Äussere vielleicht vermuten liess, sondern Schlager, witziges und urkomisches. „Ein rosarotes Risenraumschiff voll mit lauter Tunten war beispielsweise ein Song, großartig auch die Canons diversester Schlager, die man sich so vorstellen kann. An der Nordseeküste zusammen mit „In München steht ein Hofbräuhaus“, 7 Fässer Wein, Viva la mexico und und und. Großartig. Eine der beiden Acts, die richtig abgeräumt haben. so die einhellige Meinung.

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Auch der zweite Act, der richtig abgeräumt hat, hatte mit Schlagern zu tun. Kennt Ihr Wolfgang Trepper? Nein? Ich kannte ihn bisher auch nicht. Ein Comedian, wie man heute ja sagt, ein großartiger noch dazu. Merkt Euch den Namen. Wolfgang Trepper seziert Schlager auf seine Sinnhaftigkeit und erklärt sehr eindrucksvoll, was für ein Mist da zusammenmusiziert und getextet wird. Nehmen wir mal sein Beispiel des Michael Holm Klassikers „Auf der Strasse nach Mendocino“ Da nimmt also jemand ein Mädchen mit und fährt es – obwohl er nach San Fernando will – mal eben nach Mendocino. Das sind laut Google Maps 507 Meilen also 8 1/2 Stunden.

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Dabei ist der Typ so doof und fragt nichteinmal nach ihrem Namen… Drum fährt er in der Zukunft JEDEN Tag nach Mendocino…. 1000 Meilen jeden Tag… Und als sei das noch nicht genug hält er an jeder Tür auf dem Weg an und fragt nach seinem Girl aus Mendocino…. …Und jetzt kommts, in der Mitte beider Städte liegt San Francisco.. Jede Tür, Jeden Tag, 1000 Meilen… Oh Gott. Ich habe auf neben und unter dem Tisch gelegen. Der Mensch ist ein Genie und hat, wie Sascha Korb richtig feststellte, den Laden eben mal auf Links gedreht.

Das musste auch der Sänger von Orange Blue ganz am Ende feststellen, der völlig zu Recht feststellte, dass das Publikum bei dem Comedian eben viel besser mitgegangen sei. Stimmt, denn Orange Blue bestechen zwar mit einer tollen Stimme, auch mit tollen Songs, die man allerdings schon so oft gehört hat, dass sie nur so mittel mitreissen. Sorry Orange Blue, aber Wolfgang Trepper sowie die Schola Cantorosa wurden von den meisten Personen als Highlites genannt.

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Daneben gab es noch artistische Einlagen, Coco Lores, die nur mit Gesang weit weniger spannend als mit Moderation ist. (Da fehlt eben ihre Schlagfertigkeit) sowie je eien Nummer von Sascha Korb und Kim Fischer, die im übrigen auch eine wirklich tolle Stimme hat. Den Texas Lightning Klassiker „No No Never“ hätte Jane Comerford kaum besser bringen können.

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Insgesamt war es eine Gala mit Stärken und Schwächen aber auf jeden Fall ein kurzweiliger Abend, auch wenn ich mich der Meinung von Ricardo M anschliessen kann, der lieber mehr Hamburger Acts gesehen hätte. Aber letztendlich eine wirklich nette Show mit den fliegenden Bauten zum CSD Hamburg in einem tollen Ambiente.

100_0239mit Ricardo M

Till Steffen über Creative Citys und Gays

CSD Hamburg Opening Gala I
oder …und plötzlich saß ich neben dem Justizsenator Till Steffen.

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Okay, die CSD Opening Gala 2009 und ich mittendrin. Nina und Ina begrüssten mich und wiesen mich in die Plätze. „Ganz hinten rechts, sind die Presseplätze, nicht wundern, das seien nicht die bequemsten und ich könne mich gerne während der Gala umsetzen, wenn irgendwo etwas leer sei.

Zuallererst nahm ich aber den Presseplatz ein, wo ich einem weiteren Pressevertreter ersteinmal erklären durfte, dass seine Aussage. „Dann musst Du Dich nachher mit der Echten Presse um die Plätze streiten“ mich relativ kalt liesse, denn auf dem kleinen Bändsel, dass ich bei mir trug stehe schon drauf, dass ich hier sitzen dürfe.. Warum nimmt mich gedresst immer nieman ernst? 😉

Egal, unterhielt ich mich lieber mit Miss Russia über Travestie im allgemeinen und Trümmertunten im besonderen. Sie hatte da eine ziemlich rabiate Meinung, der ich mich nicht wirklich uneingeschränkt anschliessen konnte. Aber jedem seine Meinung.

Das Programm fing an. Um ordentlich Bilder schiessen zu können stellte ich mich neben die Bühne bis mir erklärt wurde, dass ich wohl etwas zu groß sei. Das alleine sei aber nicht das Problem, leider sei ich aber auch zu undurchsichtig. Ich erinnerte mich an das Thema Platzwahl und erkannte einen freien Platz am Tisch ganz vorne rechts, fragte, ob der frei sei und ich mich wohl dazusetzen konnte…. Ich durfte.

Erstaunt war ich dann, als der Mann neben mir zum Eröffnungsansprache auf die Bühne gerufen… Aha, ich saß also neben dem Hamburgischen Justizsenator Till Steffen, der in Ermangelung von Ole von Beust erschienen war. …Ich scheine zu lange aus Hamburg weg zu sein. Seine Vorgänger Roger Kusch und Ronald Schill hätte ich erkannt – und es hätten mich keine zehn Pferde auf einen freien Platz neben den beiden Gestalten gebracht. Dann doch lieber einen grünen Justizsenator.

Seine Rede fand ich allerdings in einigen Phasen komisch. Er sprach vom hamburgischen Leitbild als „Creative City“ und darüber was, die Gaycomunity dabei ist. Offensichtlich vor allem – oder gar nur? – ein Marketingpluspunkt für Hamburg… oder hat das jemand anders verstanden. Dazu kam dann noch der Hinweis, dass der Schwarz grüne Senat zur CSD-Parole „Flotter dreier Fürs Grundgesetz“ keine Meinung habe und er das als vollkommen richtig ansehe… Hmm irgendwie finde ich ja, dass es generell nie verkehrt ist, eine Meinung zu haben. Dann kann man wenigstens über diese diskutieren. Meinungslose Politiker… Irgendwie traurig, oder? Vermutlich sprach wohl der Politiker, der weiss, dass der Koalitionspartner das nicht mitmachen würde…Abschliessend verwies er darauf, dass Gleichbehandlung eben einen langen Atem braucht und wohl noch lage dauern würde…

Naja in Zeiten von Steinmeiers 4 Mio neuen Jobs darf man ja schon über Politiker froh sein, die nicht das blaue vom Himmel reden… Trotzdem: irgendwie eine Eröffnungsrede mit einem etwas schalen Beigeschmack, Herr Steffen.

Nichtsdestotrotz haben Sie sich kurze Zeit später auch der gala 10 Jahre Hamburger Ehe vollständig rehabilitiert