Gardenia – Bevor der letzte Vorhang fällt

Freitag Abend in meiner Stammbar ist mir ein Flyer vom „Eiszeit Kino“ in Kreuzberg in die Hände gefallen, in dem der Film „Gardenia – Bevor der letzte Vorhang fällt“ angeteasert wurde. Eine Dokumentation über eine Gruppe alternder Travestiestars, die noch einmal zusammen auf eine große Tournee gehen.

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Das Eiszeit-Kino ist ein kleines Indipendent-Kino in Kreuzberg, das früher in einem instandbesetzten Haus war und heute noch immer diesen Charakter behalten hat, gerade mal zwei Sääle mit gerade 2 mal 54 Kinosesseln und einem Programm, das rechnerisch kaum wirklich zielführend sein kann. Ich mag solche Kinos und freue mich, dass sie noch bestehen.

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Gardenia allerdings lief an diesem Abend vor insgesamt !! 4 !! Zuschauen. Schade. Aber ich gebe zu, es ist ein sehr spezieller Film. Zudem wahrlich kein Feel-Good Film.

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Der Film zeigt leider sehr wenig von der letzten Revue, die auch eher ruhig und melancholisch ist als das was man als Travestie-Revue sonst so kennt – aber der gesamte Film hat eine sehr melancholische Stimmung.

Es zeigt das frühere und vor allem derzeitige Leben von sechs der Gardenia Künstler im Alter von 59-67 und die Leben sind größtenteils eher traurig. Mir scheint es, als sei eigentlich nur eine der Personen mit ihrem Leben und sich selber zufrieden.

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Insgesamt scheinen mir die Gardenia Mitglieder nach dem Ende ihrer Travestie Karriere eher traurig und alleine zu sein. Immer noch auf der Suche nach der Liebe oder Partnerschaft, mit Angst vor dem Tod oder nach vielen Jahren vollkommenen Leben als Frau nun wieder – bis auf Brüste – als Mann lebend, da ältere Transvestiten nicht akzeptiert werden oder noch immer dem Umfeld ungeoutet… Zudem werden die Künstler mit ihrem früheren Leben konfrontiert. Schön, jung, glitzernd, sexy – alldem was in den späten 60ern eines Lebens eben Vergangenheit ist…

06_Gardenia©Axel Schneppat

Wer Travestie macht, sollte sich diesen Film lieber nicht anschauen, er könnte einen zum Nachdenken anregen und vielleicht auch schlecht schlafen lassen… Auf jeden Fall geht man einigermaßen traurig aus dem Film. Zumindest brauchen sowie ich als auch die anderen drei Zuschauer einigermaßen lange um durchzupusten und aufzustehen.

puuuh.

Incognito – Travestie Bar

Ich dachte ja, ich hätte so langsam alle Bars und Clubs gesehen, in denen sich in Berlin Travestie abspielt, aber es finden sich doch immer mal wieder kleine Ecken, die man – also ich – noch nicht kannte. Das Incognito dieses Mal.

Das Queerboot war am Wochenende in der Stadt und somit eine ganze Menge Mädels aus ganz Deutschland und es wurde eine Queerboot Preparty im Incognito ausgerufen, die Nadine und ich besuchen wollten und zumindest Melly Wonder wollte auch noch kommen. Okay, Incognito kenne ich zwar nicht, wenn es Travestie ist, warum nicht mal ausprobieren, zumal bei der Begleitung.

Nadine kam erst einmal zu mir.. In Jeans und Top und überlegte eine ganze Weile rum, ob sie auf den mitgebrachten Rock wechseln sollte. Allerdings war er ihrer meinung nach zu durchsichtig… zu durchsichtig geht in dem Fall zwar gar nicht, ich musste aber zugestehen, dass er nicht so 100%ig wirklich blickdicht war.

Aber wozu habe ich einen knallgefüllten Kleiderschrank. Genau! Um jungen Damen in Not auszuhelfen. Ein Griff in den Kleiderschrank, ein Pailettenkleid in der Hand. Dazu eine Einführung in „How to: Doppelseitiges Klebeband“ Et Voilá: ein heisses Geschoss in (m)einem heissen Kleid…  😉

So heiss, dass es ein leichtes gewesen wäre, den doch sehr interessierten Taxifahrer so zu bezirzen, dass er sich locker zu einer Gratisfahrt hergegeben hätte, wenn sie es denn wirklich darauf angelegt hätte. Hat sie aber nicht.

Das Incognito ist ein Travestie-Schuppen, wie man es sich Travestie eben vorstellt: Die Incognito Sisters tragen Glitzerfummel und ausladende Perücken und sind vor allem nie einem knackigen Spruch verlegen. So erwartet man es ja auch.

Insgesamt erinnerte mich das Incognito irgendwie ans Rauschgold, statt Goldfolie ah man hier allerdings Silberfolie. Sterne mit Bildern an der Wand, die Bar insgesamt in rot gehalten und wenn ich jetzt das wort etwas „kitschig“ verwende, dann ist das keineswegs und absolut nicht abwertend gemeint, denn eine Bar mit klassischer Travestie muss so sein. Erfreulich nette Personen hinter der Theke übrigens, gleich als wir das incognito betraten wurde uns ein Glas Prosecco spendiert… welch eine Aufmerksamkeit.

Bis auf Nadine und Melly – die als Typ kam – kannte ich im Incognito niemanden, auch, wenn einige – wenige – Personen mich offensichtlich kannten, machte aber nichts, denn unterhalten fühlte ich mir gut. So unterhielt ich mich beispielsweise gut mit Claas, einem Typen, der im Incognito mal arbeitete und wohl zum Inventar gehört. Eine coole Type mit einem trockenen Humor.

Irgendwann waren die Shows zu Ende. Das Incognito leerte sich von alleine, Nadines Glas durch meine Hilfe und wir überlegten zu dritt, was wir mit dem Abend noch so anfangen sollten… Glücklicherweise nichts, was sich als gute Idee am Nächsten Morgen herausstellen sollte, als mein Wecker schon vor 9 Uhr (ja morgens) klingelte.