Travestie @ Bar de las Estrellas

Noch einmal Travestie in Kuba

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Am frühen Abend brachte mich der Bus von der Trauminsel Cayo Largo Del Sur wieder im realen Kommunismus von Havanna ab. Genaugenommen im Hotel Nacional De Cuba. Nun erwähnte ich ja bereits, dass dieses Hotel einer der wenigen Plätze in Havanna ist, bei dem es eine – wengleich langsame und teure – Internetverbindung gibt. Da konnte ich nicht widerstehen und ich fand eine Email eines deutschen Bekannten, der noch etwas über Travestie in Kuba in Efahrung bringen konnte.

Travestie-Show; jeden Fr., Sa. & So. Havanna
Jeden Freitag, Samstag und Sonntag findet ab 21:00 Uhr in der ‚Bar de las Estrellas‘ in Havanna die wohl beste Travestie-Show Kubas statt. Samanta leitet das begeisterte Publikum mit charmanter Moderation durch die Show, welche die Künstlerinnen mit ihren unvergleichlichen Auftritten bestreiten. Das Repertoire reicht von sanfter Ballade bis zu heißen Salsa-Rhythmen, getanzt und gesungen von Celia Rober und ihrem Partner Oscar de Leon. Weitere Künstlerinnen sind auch im neuen kubanischen Film keine Unbekannten: Diana (Hauptdarstellerin in in Bailando Chachacha) und Mari Dalia (Habana Blues) haben sich so schon international einen Namen gemacht.
Als weitere Künstlerinnen sind Paloma Dietrich, Vanessa, Raquel, Desiré, Orianna Charol, Naila und andere zu bewundern. Das Publikum ist bunt gemischt und für das leibliche Wohl ist mit Getränken und kleinen Speisen gesorgt. Ein unvergeßlicher Abend ist sicher!

Da ich nun gar keine Ahnung hatte, wo die Bar de las Estrellas denn sein sollte, suchte ich mir das nächstbeste Taxi und versuchte zusammen mit etwa sechs Taxifahrern herauszufinden, wo besagte Bar denn sein sollte. Auch die genannte Adresse war schwer zu finden, nichtsdestotrotz fuhr mich ein Taxifahrer zum Festpreis zur Bar.

Dort irgendwo in den Weiten von Havanna Stadt allerdings weit weg von Havanna Innenstadt wurde ich herausgelassen und absolut nichts zeigte den Anschein einer Bar. Stattdessen wurde ich an einem Friseursalon herausgelassen, wo ich fragend erfuhr, dass ich vollkommen richtig sei, die Bar de Las Estrellas sei direkt darüber… und so führte eine keine Treppe im Friseursalon nach oben.

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Dort wiederum fand ich einen kleinen Raum mit ebenso kleiner Bühne und eine resolute Kassiererin, die von mir einen vermutlich viel teureren Preis verlangte, als ihn normale Personen normalerweise zahlen müssten. Nun immerhin war es etwas weniger als ich für einen 4-Personen Tisch hätte zahlen müssen. Dafür gab es eine Flasche TuCola und eine Flasche Havanna Club, die ich ablehnte, da ich noch fahren musste.

Dummerweise war ich sehr früh dort, so dass ich der allererste Gast war und laaange warten musste, bis sich der Saal langsam füllte und etwas Stimmung aufkam. Die Damen allerdings liessen noch etwas auf sich warten und fingen eher gegen 23 denn gegen 21 Uhr mit ihrer Show an. Getränk war zu diesem Zeitpunkt bereits fast alle, die Eiswürfel bereits geschmolzen und mein Handy leer – was doof war, denn so konnte ich mich in meinem Hotel nicht anmelden…

Vorerst hiess es aber, der Travestieshow zu folgen dun mal zu sehen, was die dritte Show in Havanna denn so zu bieten hat… Einiges: ca sechs Mädels, die sich unten im Friseursalon zurechtmachten und dann die kleine Bühne enterten um ihre Nummern dazubieten und das Publikum zu unterhalten.

Ich könnte jetzt sagen, dass dieses leicht sei, wenn doch jeder Besucher mindestens eine viertel Flasche Havanna Club intus hätte, aber daran lag es nicht, dass die stimmung gut war, die Drags gaben sich nämlich wirklich müde und hatten zum Teil klasse Performances auf Lager.

Offensichtlich ist es ähnlich wie in Berlin, eine Drag tritt nicht nur an einem Ort auf, sondern eben dort, wo jemand daür bezahlt, so konnte ich einige Drag Queens schon aus den anderen beiden Shows wiedererkennen, eine gar mit der gleichen Nummer 🙂

Um allerdings nicht in der Nacht vor verschlossener Türe stehen zu und in meinem Auto schlafen zu müssen, suchte ich nach etwa einer Stunde das weite und versuchte mit meinen wirklich allerallerletzten 7 CUC ein Taxi zu bekommen… es kam nur keines, allerdings kam ein Auto, dass Getränkenachschub in den Friseursalon brachte und mich für ebendiese 7 CUC gerne zum Hotel Nacional fuhr.

Erst gegen knapp ein Uhr kam ich an der Villa Alicia, meiner Wohnung an, musste zwar Marta meine Gastgeberin herausklingeln, das war aber okay. Ziemlich kaputt schlief ich schnell in die letzte Nacht auf Kuba ein.

Valettis Travestie @ Irrenhouse

Pailettentravestie in Ninas Irrenhouse

Valetti zeigt Nina Queer, wer hier den Hut aufhatNina Queer & Valetti @ Irrenhouse

Wenn man für eine Zweit-Veranstaltung die Boheme Noir verlässt, muss man dort schon einiges erwarten und das tut man eigentlich immer, wenn es um das Irrenhouse von Nina Queer und die Transenshow gegen zwei Uhr Morgens geht. Der einzige wirkliche Monatstermin, der immer ansteht und immer Pflicht ist.

Travestie von vor 100 Jahren

Nun ist das Irrenhouse im Grunde genommen aber schon relativ ähnlich. Eine Gemeinschaft von vielleicht 10 Drags steht dort Monat für Monat auf der Bühne und unterhält das Publikum mit oftmals großartigen Performances und manchmal großen Sauereien auf der Bühne.

Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen

Dabei hat Nina das Geschehen immer vollständig in ihrer Hand und selbst wenn Mataina Ah Wie Süß mal das Mikrofon nehmen darf um wiederum Nina anzusagen, kommt das ganze einer Sensation gleich. Im Irrenhouse sorgt die Househerrin für die reibungslose Transenshow und die etwa vier Nummern. Da hat niemand reinzureden… eigentlich… Dieses Mal war alles anders.

Dicke Mädchen aus dem Valettis besuchen das Irrenhouse
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Nina hatte die Valettis eingeladen, die ihrerseits seit einigen Monaten waschechte Pailettentravestie in ihrer bunten Bühne am Alexanderplatz zelebrieren und dabei – man höre und staune – nicht nur glitzern und funkeln sondern auch noch live singen….

Ein Bett im Kornfeld

Keine Ahnung, wie es zu der Kooperation gekommen ist, aber dass Nina sich auf eine kurze Begrüssung geschränkt und ansonsten Gäste mit Mikrophonen auf ihre Bühne lässt, das ist schon bemerkenswert… Nun sage ich ja immer, es wäre besser, wenn nicht jeder der live singen möchte, dieses auch tun würde… Allerdings kann ich den Valettis dabei absolut nichts vorwerfen.

Nein, abersherum wird sogar ein High Heel draus. Man muss den Damen allergrößten Respekt zollen, haben sie sich doch sozusagen in die Höhle der Löwinnen begeben und in die Breiten der Disco Travestie – und selbst da in die Breiten der verwöhnten Disco Travestie. Ein Publikum dass vieles schon gesehen hat und das nihts mehr so leicht aus der Fassung und zum Ausrasten bringt.

Ohren zuhalten gilt nicht
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Insofern haben sich die Valettis dann auch garnicht daran gemacht, mit Whitney Houston oder Lady Gaga gegen die Hausherrinnen anzutreten, sondern verlegten sich auf ein anderes Schlachtfeld, dem höchstens noch Mataina hätte folgen können. Dem deutschen Schlager…

Valetti will keine Schokolade

Lieder die jeder kennt und die jeder mitsingen kann, vorgetragen aus großen Resonanzkörpern und mit großer Stimme… Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Valettis das Publikum begeistert hatten. Wobei dieses auch keine Chance hatte, hatte Nina höchstselbst doch gefordert, dass so lange Zugabe gefordert würde, bis entweder das Publikum oder die Künstlerinnen tot umfallen würden… Ganz so weit ging es dann nicht, aber das Irrenhouse hat noch nie einen längeren Showblock gesehen.

Dabei war deutlich, dass tatsächlich alle Spaß daran hatten. Das Publikum ging großartig mit, Mataina feierte in Zivil und auch Nina und Stella hatten deutlich ihren Spaß – obwohl ich letztere noch nie so verstört gesehen habe, wie in den Augenblick als die Valettis „Herzilein von den Wildecker Herzbuben“ anstimmten. Das nennt man dann wohl ganz deutlich Bad Taste.

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Aber ich bin mir sicher, auch die Damen hatten ihren Spaß beim Ausflug in die Welt der Disco-Travestie, stiessen sie doch auf ein extrem dankbares Publikum, dass in bester Feierlaune war und dankbar „Herzilein“ Mambo von Herbert Grönemeyer“, „Über den Wolken von Reinhard May“ oder den Klassiker schlechthin „Er gehört zu mir“ aufsaugte und ohne Ende Zugaben forderte.

Nina versuchte derweil, die Damen mit reichlich Jägermeister bis zum Sanktnimmerleinstag auf der Bühne zu behalten und ihnen die Verwünschungen auf einem Rollo nicht näherzubringen. Aber ich glaube die waren eh nicht ganz so gemeint, denn schlussendlich hatten alle großen Spaß und dann ist eine Show erfolgreich. Diese war sehr erfolgreich.

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