Karneval in Venedig VII – Traditionalisten und andere.

Karneval in Venedig VII – Traditionalisten und andere.

Ich dachte ja schon immer, ich sei ein kleines bisschen verrückt – genaugenommen ein großes Bisschen, wenn ich über die Kosten des Kopfschmuckes und des Mantels für drei Tage Venedig nachdachte. Und darüber, dass ich mir diese Mühe überhaupt machte, doch ich muss nach einem Besuch im Florian feststellen, dass es aber viel verrücktere Menschen gibt… Und wenn ich hier verrückt schreibe, so meine ich dieses im positiven Sinne.

Ich habe mich im Cafe Florian mit einem netten Pärchen unterhalten, die das Ganze etwas ernster nehmen. Fünf Tage bedeuten dort für den Karneval in Venedig nicht weniger als 5 Kostüme, drei große Koffer plus ein volles Handgepäck. Und wenn ich sage 5 Kostüme, dann sprechen wir nicht von 5 mal irgendwas, sondern 5 mal hochwertigstes, originalgetreues.

1-DSC01579

Für die beiden ist nur echt original, oder so originalgetreu wie irgend möglich. So gab es offenbar damals keine linken und rechten Schuhe, sondern nur ein gleiches Paar von einem Spann. Also sind ihre Schuhe ebenso zudem handgefertigt. Die Stoffe sind teilweise eigens gefärbt und sogar die Knöpfe selber gegossen. Die Perücken der Edelmänner waren damals offenbar aus Büffel und Yak-Haar, also sind es auch ihre Perücken.

Aber wie in allen Bereichen gibt es eben auch dafür eine Szene, bei der es zu bestehen gilt 🙂 Ich finde das zwar extrem, aber irgendwie auch wirklich faszinierend.

Klasse übrigens, dass sie diese Maßstäbe zwar an sich anlegen, aber trotzdem allen anderen zugestehen, dieses nicht einhalten zu müssen. So habe ich mich mit Pierre unterhalten, der zwar die Art und Weise der Kostüme und Uniformen mag, diese aber eben modisch der Zeit anpasst und auf cool pimpt. Seine Uniform hatte eine Freundin gemacht, die auch sehr viel Wert auf Originalität legt und sicher seinen Veränderungen nichts abgewinnen kann … Sie weiss davon aber auch nichts, so seine Antwort als ich fragte, ob das denn okay sei, eine fast originale Uniform zu verändern. Also… psssst

Karneval in Venedig VI – Venedig überflutet

Karneval in Venedig VI – Venedig überflutet

1-DSC01604

stöckeln im Canale Grande

Gegen 19:00 im Cafe Florian hörten wir Sirenen und man sagte uns, es gebe heute Abend eine Flut. immer 4 stunden vor einer großen Flut würden in Venedig die Sirenen erschallen, damit sich alle Menschen, die es interessiert, wappnen könnten, damit sie die Schotttore schließen könnten und frühzeitig auf den Heimweg machen.

1-DSC01612

Wir machten uns auch auf den Heimweg in unser Hotel und wollten abends noch los – zum einen zum Venice Jazz Club, später dann in eine Disco …. Wir hatten uns gegen die Bälle entschieden, da die wirklich unglaubliche Preise aufriefen und wir leider noch keine Kontakte hatten, die uns hätten eine private – deutlich günstigere – Party bieten können

Glücklicherweise entschied ich mich an diesem Abend für die billigen Lackpumps anstelle der Wildlederpumps, die ich ebenfalls noch im Koffer hatte. Es sollte sich zu einen bezahlt machen, zum anderen so gar nicht.

1-DSC01606

Das Wasser sollte ablaufen

Schon als wir das Veporetto, das Busboot verließen sahen wir – Mist Anleger überflutet.Lena hatte sich für dicke und hohe Stiefel entschieden und sprang so mit drei Hüpfern relativ trockenen Fußes auf das Festland… Meine High Heels ohne Platoe – und wenn dieses auch viel zu niedrig ließen mir diese Option eindeutig nicht und ich bekam die ersten nassen Füße. Venedig bei Flut ist nicht für High Heels gemacht.

1-DSC01609

Wasser sollte weiterhin ablaufen 🙂

Der Canale Grande ist ganz schön nass, kalt und tief – und an allerhand Stellen in Venedig bei einer Flut anzutreffen. So gab es beispielsweise keine andere Möglichkeit, zum Venice Jazz Club zu kommen, außer 40 Meter 10-15 cm tiefen, kalten Canale Grande zu durchqueren… Nun war mir das auch egal. Also durchschritt ich ihn graziös, nicht ohne selbstverständlich zumindest meinen neuen Redcat 7 Mantel zu heben, denn der musste ja nun nicht auch noch gewässert werden. Nein für High Heels ist Venedig bei Flut wirklich nicht gemacht.

1-DSC01603

Lena trug keine Stöckel, da wirkte die Plastiktüte länger

Der Venice Jazz Club, den ich dann mit nassen Füßen und ebenso nassen Schuhen erreichte ist irgendwie nicht das, was ich mir immer unter einem Jazz Club vorgestellt habe. Ich würde mir etwas plüschiges, samtiges, warmes vorstellen.

1-DSC01590

Etwas gemütliches, lauschiges… Das alles ist der Venice Jazz Club nicht. Er hat eine Keller-Atmosphäre. Kahle weiße Wände. Kahle große Säulen in der Mitte, so dass man je nachdem wie man sitzt immer nur einen Teil der Band sehen kann. Seltsam irgendwie, doch die Musik, die dem offenbar fachkundigen Publikum dargeboten wurde, war gut.

1-DSC01595

Das Publikum schien gänzlich vor der Flut gekommen zu sein und hatte vollständig trockene Füße – damit dieses auch so bliebe, wurden Plastiktüten ausgeteilt, die das Wasser die etwa 40 Meter abhalten sollte… Da das Wasser aus den Schuhen abgelaufen war, und die Füße zumindest wieder warm, wenngleich auch nicht etwas feucht waren, versuchte ich es gerne… Es kam aber wie es kommen musste und wie jeder halbwegs intelligente Mensch vermutet hätte – High Heels und Plastiktüten sind nur eine minder gute Kombination. Es dauerte keine drei Schritte und die Absätze zerstörten die Plastiktüte, und ich schleppte fortan den Canale Grande per Plastiktüte mit den Füßen weiter… Erwähnte ich, dass High Heels für Venedig bei Flut einfach nicht gemacht sind?

1-DSC01599

In der Disco hieß es dann also wieder. Auslaufen lassen und aufwärmen. Die Mädels in der Disco kannten das mit den High Heels übrigens, denn die Gummistiefeldichte war größer als bei einer handelsüblichen norddeutschen Bauern- und Dorfdisco 😉

1-DSC01610

Über den Weg, denn Lena dann auf dem Rückweg vorgab und meine Probleme mit diesem hülle ich mal den Mantel des Schweigens. Nur so viel. Ich vermute bis jetzt, sie habe das extra gemacht 😉

Karneval in Venedig IV – CSD in Venedig?

Manchmal passieren doch auf Reisen komische Dinge.

venedig karneval

Nicht erwartet hätte ich in Venedig erkannt zu werden, noch weniger hätte ich erwartet mit Namen benannt zu werde. Tatsächlich ist es aber passiert. Als Lena und ich am Markusplatz und der Seufzerbrücke lustwandelten.

Uns kamen zwei leuchtend rote Kostüme entgegen, die zu fotografieren lohnte. Als ich um ein Foto bat, wurde ich begrüßt als Frau Delay..

karneval venedig

– Und nun mal wieder etwas, wofür mein Blog bekannt ist.. es dokumentiert meine eigene Unzulänglichkeit. – Obwohl ich „den beiden“ seit vielen Jahren auf den deutschen CSDs begegne, und sie ihn mir seit ebendiesen Jahren nennen, habe ich es bis heute nicht geschafft, beide Namen zu behalten. – Vor mir standen Priscilla und … und … und äääh ja ihre Begleitung.

Diese Unzulänglichkeit habe ich bisher mit „die beiden“ versucht zu veschleiern –  was selbstverständlich aufgefallen ist – und ich werde es wohl weiterhin tun müssen, wenn ich keinen Kommentar hier erhalte.

Naja, ich wurde also erkannt – genaugenommen bereits einen Tag vorher, als ich mit Lena einen Blick von draußen ins Cafe Florian warf – Da war allerdings noch nicht sicher, ob ich es sei, als ich dann allerdings vor ihnen stand war die Sache klar – übrigens beiderseitig.

karneval in venedig

Irgendwie cool. Die beiden werden dieses Jahr übrigens die CSDs schwänzen und sich um Rokoko Festivitäten kümmern. Der CSD wird weniger bunt.

Später sah ich sie noch auf der großen Bühne auf dem Markusplatz, da man dort allerdings ein Ticket brauchte um in den gesperrten Bereich zu kommen, habe ich nur ein Bild von weitem erzielen können.

 

 

Karneval in Venedig III – Kostüme und Lustwandeln auf dem Markusplatz

Karneval in Venedig III – Kostüme und Lustwandeln auf dem Markusplatz

DSC01270

Bist Du es, Gloria?

Ich war in Venedig, eh schon geschminkt, gedresst und vollkommen fertig – was also lag näher, bei diesem großartigen Wetter den ersten Ausflug auf den Markusplatz zu unternehmen und mal zu schauen, was Karneval in Venedig wirklich bedeutet, wie die Kostüme sind und was eigentlich abgeht – – – so einiges.

DSC01268

Die Kostüme auf dem Karneval in Venedig sind toll, sie sind tatsächlich viel bunter als ich gedacht habe. Selbstverständlich sind es viele Rokoko Kostüme, Frauen mit ausladenden Gewändern,

DSC01313

Marie Antoinette

Männer in Uniformen mit Säbeln – aber eben durchaus Farbenfroh und mitnichten langweilig. Dazwischen immer mal wieder Clowneske Personen, aber nicht etwa die deutschen Clowns mit roten Nasen sondern Pierrot Clowns.

DSC01301

Selbstverständlich gab es auch immer mal wieder Kostüme, die eindeutig ausgedacht waren, aber auch die waren in der Regel extrem kunstvoll. Kein Vergleich mit dem deutschen „Fasching oder Karneval“… Aber deswegen bin ich ja auch zum Karneval in Venedig gefahren und nicht eben nach Köln oder Düsseldorf.

DSC01300

Die Kostüme – besser ihre Träger – lustwandelten entweder auf und um den Markusplatz herum und ließen sich fotografieren, oder standen einfach Minuten- und Stundenlang an einem Fleck, wie eine Pantomime, der man ein Geldstück einschmeißen muss, damit sie sich bewegt.

DSC01279

Aber vermutlich haben die Herrschaften seit Jahren ihren festen Platz auf dem Markusplatz gesichert. Mit der richtigen Sonneneinstrahlung und der richtigen Pose, so dass diese Zusammenstellung das optimale Bild – ääh die optimalen Bilder ergibt.DSC01275

CSD geprüft und gestählt kennt man sich mit Fotomarathons ja aus, aber es gibt beim Karneval in Venedig einen riesen Unterschied zu den CSDs dieser Welt. Man hat Zeit für die Fotos. Es ist nicht schon der nächste Truck hinter einem, der einen nach vorne schiebt.DSC01293

Es erinnerte mich eher an den Kylie Minogue Besuch vor vielen Jahren, bei dem der Rückweg extrem lange dauerte, weil sich hunderte Menschen mit uns fotografieren lassen wollten. So war es ebenfalls hier – irgendwann muss man dann aber einfach weitergehen, ansonsten kommt man nie irgendwo an… Vermutlich haben sich deswegen einige Kostüme entschieden, gleich ganz stehen zu bleiben.

DSC01285

Ich allerdings ging zurück ins Hotel, meinen Federschmuck abzulegen, und frisch erblondet Lena vom Bahnhof abzuholen um am Abend noch etwas loszuziehen.

DSC01336

Wir landeten dann in der „Martini Bar“ der Hotelbar eines 5 Sterne Hotels, in die wir uns reinquatschten, obwohl unsere Namen nicht auf der „Liste“ standen…

DSC01262


DSC01302

DSC01303

DSC01304

DSC01307

DSC01308

 

DSC01327