Berlin Biennale Eröffnung im Kaufhaus Maassen

Seit ich in Berlin Wohne – genaugenommen am Oranienplatz in Kreuzberg, schaue ich auf ein schönes altes, großes, imposantes, sechsstöckiges Gebäude, dass leider vollkommen leer steht. Seither frage ich mich, was es wohl mal war und warum es leer steht, ausserdem schwelge ich häufiger in Gedanken, was man daraus wohl machen könnte.

kaufhaus maassen oranienplatz

Zu iener Zeit, als die Oranienstrasse der Kurfürstendamm von Kreuzberg gewesen sein soll, war dieses Gebäude das Kaufhaus Maassen, das größtes Spezialhaus für Damenbekleidung in Deutschland. Nur wenige hundert Meter vom ersten WErtheim Kaufhaus, konnte die Dame von Welt hier alles nötige kaufen, seien es Pelze oder pariser Mode. Alles gab es im Kaufhaus Maassen. Irgendwann war es zu ende, der Krieg kam, das Haus verfiel und stand leer. Ende 2003 wurde das Haus vollständig renoviert – und steht seither wieder leer.

eröffnung Berlin biennale

Die letzten Wochen konnte ich an einigen kleinen Merkmalen erkennen, dass sich daran etwas ändert, Ich sah Lichter, ich sah Arbeiter, die herein oder herauskamen. offensichtlich sollte das Kaufhaus Maassen aus dem lagen Winterschlaf erwachen. Heute war es so weit…. Am Seiteneingang standen große, breite Männer – Türsteher – und davor stand eine Schlange wartender Menschen…. Hmm eine Schlange… stell ich mich auch mal an.

eröffnung biennale Berlin

Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Eröffnungsveranstaltung der Berlin Biennale handelte und somit hinter den Mauern eine Vernissage zeitgenössischer Kunst durchgeführt wurde. Eintritt auf Einladung… Die hatte ich natürlich nicht, aber es fragte niemand nach diesen Einladungen und so wurde ich eingelassen.

kapitalismus biennale

Die großen Räume wurden mit verkleidetem Sperrholz in viele kleine Räume unterteilt, von denen viele als kleine Kinos für künstlerische Filmchen gebaut wurden. Längst nicht alle diese Filmchen habe ich verstanden, längst nicht alle erschlossen sich mir, aber ich glaube dass muss auch nicht so sein. Kunst ist ja immer das, was der Künstler als Kunst deklariert. Wenn sich über mehrere Minuten auf einer Leinwand nur verschieden farbige Rechtecke abwechseln, so ist das eben Kunst.

Generell war wohl Gesellschaftskritik ein Thema der Vernissage, so haben mich eher zwei Filme in den bann gezogen. Einer der Filme zeigte auf zwei Leinwänden Szenen von französischen Demonstrationen, Singende, tanzende und vor allem wütende Franzosen mit Sprüchen – oft offensichtlich gegen Sarkosis. Oft ein Vorsänger auf einer Leinwand und die laute Antwort auf der anderen. Auch wenn ich nichts verstanden habe, war es sehr powervoll.

Berlin Biennale Eröffnung

Ein weiterer Film handelte von der DDR. Man sah Schüler, die sich über die Ausbeutung der (West)-Deutschen Arbeitnehmer unterhielten, um eine Französin, die bis zur Wende in Ostdeutschland Gesellschaftskunde studiert hat und sich dann in einer neuen Weltgesellschaft zurechtfinden musste, Um eine Lehrerin, die zur Wendezeit Fragen nicht beantworten konnte und man sah eine Leistungssportlerin, die erzählte, so spannend, dass ich den Film doppelt sah…

Ansonsten hat wohl am meisten Aufmerksamkeit ein nackter Mann in einem Glaskasten erzeugt, der über und über mit Krankheiten besäät äääh beschrieben war. Sicherlich das meistfotografierteste Objekt auf dieser Vernissage der Biennale. Zeitgenössische Kunst – wenn der Künstler das sagt, und sicherlich auch ein wenig ein Versuch, ein Bild in den Zeitungen zu erhaschen.

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Mir hat diese Vernissage irgendwie schon gefallen, auch wenn vieles an mir vorbeiging, wie beispielsweise der stehende Stegosaurus im Hinterhof und der daneben liegende Elefant… oder sollte es ein Mammut sein? Ich weiss es nicht, aber für mich war eh der Star das Gebäude des Ex Kaufhaus Maassen.

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Nur allzugerne hätte ich allerdings die Biennalen Eröffnungsparty im Kiki Blofeld besucht, hätte sich jemand gefunden, der mitkommen wollte.

Zwei Kurzstopps vorm Irrenhouse

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Es war Samstag und noch dazu ein dritter im Monat. Irrenhouse-Samstag also, vorher gab es aber noch einige Möglichkeiten, den Abend einklingen zu lassen. Zum Beispiel bei einer Vernissage bei Dermot O’Dyna, der seinen Friseursalon zu einer Ausstellungsfläche umwandelte.

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Doch vorher war die übliche Parkplatzrecherche erstaunich gut verlaufen, ein Paar Meter Fussweg und ein Parkplatz, der zwar mit einem „Hier bitte weil wegen Marathon nicht Parken“ Schild ausgesatattet war, doch was solls, die laufen ja nicht in der Nacht und am Morgen hatten wir eh nicht mehr vor, da zu sein. …Genaugenommen blieben wir nicht viel läger als ein Getränk, einige Fotos und ein paar wenige Gespräche…. Woran lag es? An der Kunst nicht, denn die fand ich einiges ansprechender als das letzte Jahr… Vielmehr wollten wir zum Geburtstag von Alex van Hessen, der die Titty Twisters Night Vol.3 zum Anlass nahm, in seinen Geburtstag reinzufeiern.

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Das ganze fand im Last Cathedral direkt neben dem White Trash statt, einem ziemlich stilvoll eingerichtetem Gothic laden. Särge, Totenköpfe, Skelette, große Leuchter und ähnliches. Wer schwarz denkt ist dort richtig. Zwar hatte ich es nie wirklich mit der schwarzen Szene, beeindruckend fand ich den Laden indess schon. Gerade als wir kamen hörten wir den Happy Birthday Gesang und konnten uns so direkt in die Schar der Gratulanten einreihen und Alex zum Geburtstag gratulieren… und da standen eine ganze Menge Personen, die man auf der einen oder anderen Veranstaltung kennengelernt hat. Martin Kesici, Liz Vegas, Carina und und und. Berlin ist eben doch sehr klein – immer und immer wieder.

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Als wir dann irgendwann in Richtung Irrenhouse verschwanden nahmen wir noch als Wegzehrung jeweils eine „schwarze Dose“ mit. Irgendein In-Getränk in einer – wen wunderts – schwarzen Dose. Diese erzählte uns war, dass dort garantiert kein Taurin drinn sein. Dummerweise war das nicht alles, was fehlte, sondern zudem auch noch guter Geschmack und im Zweifelsfall auch Alkohol. Damit wäre dieses Kreuterzeugs sicher besser gewesen. Ich bleibe da dann doch lieber bdei Red Bull.. Was bleibt: Alex ist immer noch jung, Martin Kesici hält Sheilas brüste für gemacht, Liz Vegas sieht in Blond gänzlich anders aus und die Last Cathedral ist ein cooler Laden, selbst für eine nicht sonderlich schwarze Person wie mich.

Streetart bei Dermot O'Dyna

Kunst beim Frisör

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An diesem Samstag gab es eigntlich nur eine Veranstaltung, bei der wir erscheinen wollten. Das Irrenhouse von :Nina Queer:, seit vielen Monaten, DER Pflichttermin auf Berlins Partybühne. Sheila und ihre Bekannte Silvia hatten vorher jedoch noch auf eine Vernissage Einladung, der ich mich kurzerhand anschloss.

Silvia hatte ich bisher nur auf dem Berliner CSD gesehen, wo sie, als biologische Frau von 180 cm, bekleidet in Polizistinnen Outfit und mit schwarzer Perücke inmitten ähnlich großer, auch ausgefallen gekleideten und ebenso behuteten Drags, als ebenfalls Drag durchging. …Wer nannte das nochmal She-Drag? Egal, dieses mal war sie blond und ich fragte mich noch ob dass nun ihre echten Haare seien, behielt diese Frage aber für mich und wurde erst später von ihrem Friseur aufgeklärt, dass die Haare echt seien.

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Die Vernissage war die des Bottroper Streetart und Sprayer-Künstlers Matthias Gephart, der aus mir unerfindlichen Gründen meinte, eine Vernissage ausgerechnet in Berlin statt in Bottrop abhalten zu müssen, wenn am Ende doch fast nur Bottroper Freunde des Künstlers anwesend sind… Das leuchtet mir zwar nicht ein, aber ich glaube, das muss es auch nicht wirklich. Vermutlich ist es einfach um später sagen zu können:

„Meine Stücke wurden sogar schon in Berlin ausgestellt“.

Die Ausstellung fand in den Räumen des berliner Friseurs Dermot O’Dyna statt, der nicht nur bei Starfriseur Udo Walz gelernt hat , sondern beispielweise auch Nina Queer oder eben Sheilas Bekannter Silvia die Haare schneidet. Ein netter Typ, nach scheinbar schon einigen alkoholischen Getränken zwar etwas durchgeknallt aber absolut liebenswürdig. Und laut eigener Aussage einer der ersten Sponsoren für Ninas Flyer. Dafür würde er auch heute noch auf den Flyern stehen. Leider ahb ich diese Aussage später nicht überprüft. Ausserdem bezeichnete Silvia ihn als „Berlins besten Friseur“. Auch etwas, was ich glauben kann aber wohl nie mit absoluter Gewissheit nachprüfen kann. …wie viel Friseure mag es wohl in Berlin geben??

Als er uns sah, fragte er uns, ob eine von uns die sei, die auch mal bei Udo Walz gearbeitet hätte… Ich kann mich nicht erinnern, mal Friseur gelernt zu haben und Sheila war auch nie dort beschäftigt. Wir mussten ihn also enttäuschen, aber irgendwie hab ich eine leise Ahnung, wen er wohl gemeint haben könnte.

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Wir unterhielten uns eine ganze Weile über Kunstwerke, Silvias Frisur, Nina Queer, uns und den Bottroper Künstler – wo wir bis zum Ende nicht herausgefunden haben, wer das überhaupt war, tranken eine üble Mischung aus Vodka mit Orangensaft oder Apfelsaft (Vodka-O ist mir als Harvey Wallbanger irgendwie lieber) und verabschiedeten uns nach einer halbe, dreiviertel Stunde wieder, um früh genug zur Transenshow im Irrenhouse zu sein.

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Zu den Kunstwerken, die auf dieser Vernissage ausgestellt wurden kann ich eigentlich nur sagen, dass sie mir wenig sagten. Ich verstand sie nicht, sie sahen deprimierend aus und trafen einfach meinen Geschmack nicht. Aber man muss ja nicht alles mögen. Es gibt sicher genügend Leute in Berlin, die darauf stehen, und wenn nicht in Berlin, dann zumindest sicher in Bottrop 😉