Am letzten Wochenende hat es mich ja zur CSD Gala nach Hamburg geführt, und wenn ich eh schon mal in der Hansestadt bin und zufällig Valery Pearl eine Pinc Inc im Cafe Schöne Aussichten feiert, dann kann ich da ja mal vorbeischauen.
Nun kann ich mir – wie übrigens viele andere in Hamburg nie den Unterschied zwischen Cafe Seeterrassen, Cafe Sommerterrassen und Cafe Schöne Aussichten merken, noch welches von diesen nun welches ist oder welcher dieser Namen nun eigentlich auf den Flyern stand. Ich versuchte es beim erstbesten der drei Plätze und – es passte.
Seitdem ich das letzte Mal dort war, hat sich einiges getan, da wurde ordentlich renoviert und das Ambiente war sommerlich, weiss und sollte wohl Ibiza Flair darstellen. Klappte ganz gut zumal das Wetter auch so mitspielte, dass Heizpilze und überdachte Zelte nicht nötig waren.
Ich hatte zudem ziemlich viel Spaß auf der Pinc Inc und ehrlichgesagt ist es lange her, dass ich auf Tischen und Bänken tanzte, aber da hat man mehr Platz auf der Tanzfläche und da Valery damit begann, war es wohl erlaubt und so tanzten kurze Zeit später Valery, DJane Ponymädchen und ich auf den Tischen immer in Angst, dass die Glasplatten darauf dieses vielleicht nicht ganz so schön fänden…. Sie hielten aber.
Wie ich mein Versprechen an Julia Kähler hielt, bei der Pink Inc vorbeizuschauen. Mit Julia ist das in etwa, wie mit dem Hasen und dem Igel. Sie ist überall. Sind wir in Berlin auf dem CSD ist sie da, kölner CSD, sie ist da, Irrenhouse: klar Julia ist da, auch wenn wir mal nicht da sind oder besser nur Janka, Pink Inc in Hamburg: logo nächste Woche CSD Hamburg: klar…. Ich könnte jetzt sagen, dass sie ganz schön rumkommt, aber ich bin ja auch überall dort
An diesem Abend bis etwa 5 Uhr als ich dann langsam doch ziemlich glücklich nach Hause fuhr. Also zumindest in mein Hamburger zu Hause…
In Hamburg hat am Samstag die Pride Week begonnen, noch dazu eine besondere, denn die erste Demonstration – damals noch unter dem Motto Stonewall hat vor genau 30 Jahren in hamburg stattgefunden. Heute ist der CSD Hamburg ja viel eher ein Fest zum Feiern als eine Demonstration, wie Corny Littman feststellte und dieses beileibe als nicht schlecht betonte. Es ist eben eine Möglichkeit, für viele Personen, das erste mal aus sich raus und in die Öffentlichkeit zu gehen.
Darum ging es am Wochenende aber weniger, denn es sollte die alljährlich stattfindende CSD Opening Gala in den fliegenden Bauten vonstattengehen und genau das war ein Grund für mich, mich mal wieder auf die Autobahn Berlin – Hamburg zu begeben, um meiner Heimatstadt einen Besuch abzustatten, denn es sollte einiges geboten werden.
Letztes Jahr habe ich die CSD Opening gala als eine Veranstaltung mit Stärken udn Schwächen betitelt, dieses Jahr hingegen habe ich kaum etwas zu mäkeln. Das Programm war toll und ich konnte mal einen Einblick in die ja nun doch etwas gewachsene Dragszene der Hansestadt werfen… doch zur Show:
Etwas erstaunt war ich, als ich sah, wer eienr der hauptacts war. Sherry Vine. Erstaunlich, da hab ich sie nun in Berlin im GMF bei Chantal und im Berghain nicht sehen können und brauchte mich nicht zu grämen, denn wenn ich schon mal nach hamburg fahre, tut sie ebendieses.
Ganze vier Nummern brachte sie zum besten.. zwei ihrer Lady Gaga Nummern und zwei weitere. …Dabei muss ich ganz ehrlich sagen, ihre Lady Gaga Parodien sind gut (was ja ihre Youtube Zahlen zeigen), aber mit den anderen Nummern finde ich sie noch besser. Ausserdem hatte sie einen klasse goldenen Fummel an. Den würde ich ihr sofort abnehmen, wenn sie ihn nicht mehr braucht.
Wie auch den Stoff, in den die Bühne eingehüllt ist, den nehme ich auch Dieses Rotglitzernd… Ein wenig wie Sheilas Jessica Rabitt Kleid oder eben – und daran erinnerte es mich – an ein Kleid von Lola aus Kinky Boots… Das wollte ich mir immer noch einmal schneidern lassen.
Egal Sherry Vine folgte Gregor Mönter, der offensichtlich eine etwas andere Definition des Wortes “Travestie” hat, als ich. Für mich war das, was er auf die Bühne brachte keine Travestie, aber vielleicht bin ich da einfach zu wenig offen. Auf jeden Fall hatte er einen großartigen kleinen grünen Duettpartner. Nicht jeder darf so einfach mit Kermit singen. Er durfte.
Nicht singen wiederum durfte Kim Fischer irgendeinen unwichtigen Schlagerschnulzensong irgendeiner Schlagerschnulzensängerin, denn sie hatte neben sich Wolfgang Trepper, der sie ständig unterbrach, um diesen Schlager zu sezieren. Das tat er schon letztes Jahr und es war letztes Jahr göttlich, sehr gut war es dieses Jahr auch…
Achja und Kim Fischer fand ich dieses Jahr viel besser als letztes Jahr mit Sascha Korb. Sie hat sehr gut durch den Abend geführt und sich auch von Nebelhörnern der auslaufenden Luxuslinern der Hamburg Cruise Days oder irgendwelchen Zwischenrufen nicht aus der Fassung bringen lassen – im Gegenteil, sie war sehr schlagfertig.
Während Kim Fischer nun allerdings nicht singen durfte, war das bei Mary Roos anders. Ich wusste eigentlich garnicht so recht, was ich von ihr zu erwarten hätte, aber ich war erstaunt, als ich merkte, alle ihre Lieder zu kennen und mit welcher Geschwindigkeit sie die Fliegenden Bauten für sich einnahm. Ein tolles Medley, etwas acapella und einige vom Publikum geforderte Zugaben.
Auch Herr Top Entertainer Ricardo M. zeigte sich zur Pause in seinem Top-glitzernden neuen Ausgehjackett sehr von Mary Roos top-beeindruckt. ebenso wie ich… Aber es sollte ja noch einiges nach der Pause kommen.
Lady Gaga nämlich. Oder besser Sherry Vine als Lady Gaga, denn Sherry war die einzige an diesem Abend, die zwei Auftritte hatte. wie gesagt, ich fand ihre ersten beiden Nummern gar noch besser aber Sherry als Lady Gaga ist einfach sehenswert.
Es folgte Konrad Stöckel. Ich kannte ihn nicht, aber ich kannte ja im letzten Jahr auch Wolfgang Trepper nicht, hat also nichts zu sagen und ich muss sagen, dass er mich beeindruckte. Er schlug sich Nägel in die Nase, er zündete Böller im Arsch an, er verwirrte sein Publikum und den unglücklich herausgesuchten “Gast auf der Bühne”. Er warf mit Konfetti um sich und überzeugte mit Irrenhouse-aesker Anarchie auf der Bühne. Klasse.
Die folgenden akrobatischen Darbietungen beeindruckten zwar, soetwas habe ich aber schon oft irgendwo gesehen, auch die CSD Hymne haute mich nicht wirklich vom Hocker, zwar war es eine nette Stime, aber ich erwartete eines meiner Highlights. Regy Clasen.
Ich kenne Regy Clasen seit etwa 17 Jaren oder so ähnlich. Damals war die Acapella Band Five Live ein hamburger Phänomen und Regy Clasen gehörte eben zu Five Live. Dazu liebe ich beide ihrer Solo Alben und hoffe, dass da von viel folgt. Und sie scheint immer noch vor allem ein hamburger Phänomen zu sein, denn der Applaus war phänomen. Sie wird in Hamburg geliebt und vielleicht finde ich ja auch irgendwann mal jemanden, der mitkommt, wenn sie in Berlin auftritt. Die CSD Opening Gala in den fliegenden Bauten endete mit einem tollen Abschluss-Song von Regy Clasen, Kim Fischer und der kurzfristig eingesprungenen Koschima.
Die diesjährige CSD Opening Gala war eine wirklich runde Sache mit tollen Künstlern und ganz wenig Langeweile. Es hat sich wirklich gelohnt, dafür nach Hamburg gefahren zu sein.
Blitzheirats Wedding Chapel oder Heteros traurig – Transen heiraten Transen im Irrenhouse und noch so manches anderes denkwürdiges im Irrenhouse.
Ein denkwürdiges Irrenhouse hat am Samstag wieder einmal stattgefunden… Nun ist das Irrenhouse ja eigentlich immer in irgendeiner Weise denkwürdig. So auch dieses Mal selbstverständlich. Witzig war es auf jeden Fall. Nina Queer hat ihre kranke Fantasie spielen lassen, die schon so komische Dinge wie Schwanz-Memory oder eine Wurstbar ins Irrenhouse brachte. Dieses Mal sollte aber etwas blasphemisches herauskommen. Eine kleine Hochzeitskapelle im Irrenhouse.
Nina und Baby Jane heirateten nicht. Glaube ich.
Brigitte vermählte dort in einer Zeremonie, die in ihrer Kürze die Blitzheiratselvisse in Las Vegas vor lauter Rührung “Always on my mind” anstimmen lassen würde. Den wohl traurigsten Elvis Song… Egal. Brigitte vermählte dort als Nonne von Ninas Gnaden, alles was ihr vor den Altar kam. Männer und Männer, Frauen und Frauen, Transen und Männer, Transen und Frauen, Transen und Transen, Transen und Iphones und mindestens ein Heterosexuelles Paar, was ja im Irrenhouse eigentlich schon alleine eine Blasphemie ist.
So heiratete ich mein Iphone. Janka vermählte sich mit Sheila und Stella ging unter die Mormonen und heiratete das halbe Irrenhouse. Zumindest habe ich sie mindestens zwei Mal vor dem Traualtar gesehen und da ich nicht lange davor stand, kam sie sicher noch öfter… Und nur Gott Nina weiss, ob sie die Scheidungstermine von drei bis halb vier geschafft hat?
Okay, das Irrenhouse war also ein wenig kirchlich… aber wirklich nur ein ganz klein wenig, drum sah man dann auch bei der Show kirchliche Gewänder, so zum Beispiel bei Mataina Ah wie Süß, die wohl in ihrer Kindheit im katholischen Internat bei Bischoff Mixa verweilte und in ihrer Nummer davon berichtete. Übrigens wird dem aufmerksamen Irrenhouse Besucher nicht entgangen sein, dass Mataina schon vor der Missbrauchsaffaire davon berichtete… Ich zumindest kannte die Nummer schon.
Nicht allerdings die anderen Nummern und die waren absolut sehenswert und filmenswert… Wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob Nina Queer das genauso sieht. Ihre erste Nummer mit Stella DeStroy zusammen, brachte sie nämlich dazu, sich rabiat gegenüber meiner Kamera zu zeigen. Zusammen brachten sie Peter Maffays Nummer “Du” als Punkrock-Nummer “Ich” auf die Bühne. Dabei versprizten und verspuckten sie Bier.
Nun bin ich es ja gewöhnt, dass die Mädels auf der Bühne rumsauen, aber dass Nina nicht nur ins Publikum spuckte, sondern absolut 100% auf meine Kameralinse muss ich wohl als einen Angriff auf die Pressefreiheit sehen. In Diktationen zerschlagen sie Kameralinsen, im Irrenhouse spucken sie diese aus. Nach einer kurzen Reinigung konnte es aber weitergehen.
Zum beispiel mit Mataina und Biggy van Blond, die ich schon lange nicht auf der Bühne des Irrenhouse gesehen habe. Zusammen brachten sie das unvermeidliche Telephone von Lady Gaga und Beyoncé. Hätte ich auf einen Titel wetten müssen, ich hätte ihn genommen.
Eine schöne Nummer, wobei zu diesem Lied die Props wohl an Sherry Vine und Peppermint gehen, denn ihre Telephone Parodie ist wohl unbeatable. Auch von Mataina und Biggy. Und wer das Video von Sherry und Peppermint noch nicht gesehen hat, sollte es unbedingt nachholen. Also: Anschauen. Sofort
Nachdem wir das also geklärt hätten kommen wir zum lertzten – und für mich besten Stück des gestrigen Abend. Das hat mal wieder Stella abgeliefert mit den Jugenderinnerungen “The Sign”. Boh hatte ich das lange nicht gehört und ich finde, stella hat das großartig umgesetztund dabei eine Menge Geheimnisse verraten. So weiss das gesamte Irrenhouse zum beispiel, dass Nina einen kleinen hat… einen ganz kleinen…
Btw. Klein: von mir unerwartet, kamen an diesem Irrenhouse Pricilla Lay und Denise Van De Hoven ebenfalls. Allerdings als Männer. Pfui Pfui. Dabei ist mir übrigens aufgefallen, dass Denise ganz schön klein ist, gar winzig… Das war aber sicher auch eigene Attitüde. Drags, die als Männer ins Irrenhouse kommen, führen sich von Haus aus absolut klein und unbedeutend. Das wirkt sich aufs Erscheinunbgsbild aus… Und wie man sieht auf die Laune… Man(n) muss an Schlangen warten und wird an der Bar nicht vorranging bedient und generell wird man von jedem ignoriert. So ist das eben. Tja, wer nicht stöckeln will, muss fühlen.
Das dachten sich wohl auch die Kofferboys, die an diesem Abend als Koffergirls hinter den Reglern standen. Mit Makeup kennen die beiden Kiss-Gesichter sich ja aus, aber als Drags unterwegs ist dann doch noch einmal etwas anderes. Ein groß0es lob von mir an die beiden. Das sollten sie öfters machen
War sonst noch was? Ja, die Bar im Raucherraum, war total überfüllt, ich kam nichteinmal dazu die beiden Tresenfeen ordentlich zu begrüssen, dass ging so weit, dass es in der Hektik nichteinmal für Worte ausreichte. Mir wurde aus dem Nichts ein Becks Lemon in die Hand gedrückt, mein Gutschein entgegengenommen und sich um den nächsten Gast gekümmert. Man versteht mich ohne Worte
was soll ich sagen. Irrenhouse war wieder einmal klasse. Und auf auf zum nächsten Mal.
Wenn das so weitergeht in Hamburg, dann wird aus meiner Heimatstadt doch noch soetwas, wie die große weite Welt.
Queen Calavera Late Night Burlesque Revue
Da tut sich seit einiger Zeit allerhand und oftmals mit Berliner Schützenhilfe. Anfang Januar gab es dort die erste hamburger Swing Royal, bald wird Frau Edelstahl die erste hamburger Boheme Sauvage veranstalten. Resonanzraum Kaey mischt den Drag Contest in der Wunderbar auf und gewinnt ihn gar und dass alle paar Wochen irgendwelche berliner Burlesque Tänzerinnen in Richtung Queen Calavera zum Auftreten fahren ist bekannt.
Und eben dieses Queen Calavera sorgt jetzt dafür, dass Hamburg noch ein wenig große Weite Welt wird und mit hoffentlich tollen Partys Gas gibt, denn am Kindergeburtstag kreuzberger Autonomer, dem 1. Mai wird in hamburg die erste Queen Calavera Late-Night Burlesque Revue statfinden.
Das ganze wird im ehrenvollen und plüschigen Cafe Keese Ballroom statfinden und es werden die üblich Verdächtigen Mädels aus dem Queen auftreten: Leolilly, Tronicat, Eve Champagne und Koko La Douce, die die einzige aus dem Quartett ist, die ich bislang noch nicht gesehen habe. Präsentiert wird der Abend von Orphelia de Winter und Armitage Shanks. Alles in allem eine gute Zusammenstellung, die zu besuchen sich lohnt.
Aber da die Queen Calavera Late-Night Burlesque Revue eine monatliche Veranstaltung wird, kann man das zur Not auch einen Monat später, wenn dann mit Xarah von den Vielenregen auch wieder eine Berliner Verstärkung nach Hamburg kommt..